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Segeberg Spring Break Festival ist abgesagt
Lokales Segeberg Spring Break Festival ist abgesagt
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19:33 29.05.2019
Im September 2018 startete das Festival zum ersten  - und wohl auch zum letzten Mal. Quelle: Sönke Ehlers
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Bornhöved

An diesem Mittwoch waren alle Behörden zur Abnahme des Geländes vor Ort gewesen, um alle Auflagen zu prüfen und womöglich die Genehmigung zu erteilen. "Doch der Veranstalter war nicht da", so Andresen.

Veranstalter kritisiert hohe Auflagen

Statt Aufbauarbeiten waren am Mittwoch nur noch Abbauarbeiten zu beobachten auf dem Festivalgelände. Am Abend bedauerte der Organisator im Gespräch mit KN-online: "Es tut uns leid, dass wir das Festival absagen mussten." Der Veranstalter macht hohe Auflagen für das Scheitern verantwortlich.

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14 Tage vor Festivalstart habe man einen 16-seitigen Anforderungskatalog erhalten, sagt der Veranstalter. Das sei im vergangenen Jahr nicht der Fall gewesen. "Wir waren im Verzug und wollten die Abnahme am Freitag machen", so der Veranstalter. Doch dazu sei die Behörde nicht bereit gewesen. "Wir hätten das noch in 48 Stunden geschafft."

Caterer wollte Festival noch retten

Von Seiten der Aussteller hat es andere Beobachtungen gegeben. Catering-Unternehmer Ulfert Georgs aus Neustadt sagt: "Mir war schon am Montag klar, das wird nichts." Auch am Dienstag habe es keine Bühne, Stromaggregate oder Toiletten gegeben.

Georgs ist festivalerprobt, ist unter anderem in Wacken und bei Rock im Park tätig. "Das habe ich in 30 Jahren noch nicht erlebt." Er habe das Festival noch retten wollen. Am Dienstagabend habe er dem Veranstalter angeboten das Festival zu stemmen - zusammen mit Gastronom Arno Teegen aus Schönmoor.

Laut Georgs seien viele Unternehmer nicht bezahlt worden - es sei um 100.000 Euro gegangen. Er hätte auch die ausstehende Summe übernommen und alles organisiert. Im Gegenzug wollte er die Ticketeinnahmen überschrieben bekommen. Am Mittwochmorgen, 9 Uhr, hätte man zum Notar gehen können, schildert Georgs. Doch daran habe der Veranstalter kein Interesse gehabt.

Gespräche mit Versicherung geplant

"Das hätte bedeutet, dass wir 100 Prozent unserer Einnahmen abgegeben hätten", sagt der Verasntalter dazu. Er bestreitet jedoch, dass 100.000 Euro nicht bezahlt gewesen sein sollen. Ohne die Auflagen der Behörden und bei einer Abnahme am Freitag hätte alles noch geklappt, beteuert der Veranstalter. Nun müsse man mit der Versicherung klären, wie mit dem entstandenen Schaden umzugehen ist.

Für Georgs war dagegen alles ein "abgekartetes Spiel". Den aufgestellten Zaun rund um das Gelände bezeichnet er als "Attrappe". "Es ist unglaublich schlimm, was hier passiert ist", sagt er. Bis zuletzt seien die Beteiligten hingehalten worden. Seinen eigenen Schaden beziffert Georgs mit etwa 20.000 Euro. Er glaubt nicht, dass er davon etwas wiedersieht. Er habe aber Anzeige erstattet gegen die Veranstalter.

Unternehmen versuchen zu retten, was zu retten ist

Während die Behörden heute Mittag noch auf dem Festivalgelände warteten und versuchten den Veranstalter zu erreichen, war auf dem Platz keine Aufbauaktivität zu erkennen. Im Gegenteil - die Zeltbetriebe und andere Subunternehmer waren eiligst dabei, ihre bereits aufgebauten Materialien wieder einzusammeln.

Darunter auch Kiesunternehmer Sven Fischer aus Tensfeld. Er hatte die Tragschicht für die Bühne geliefert - die nie aufgebaut wurde. „Zwölf volle LKW“, so Fischer. Eigentlich sollten es nur zwei oder drei sein. Die Anfrage des Veranstalters sei erst am vergangenen Sonnabend gekommen.

„Diese Spontaneität hat mich schon stutzig gemacht“, berichtet Fischer. Aber da das Festival vergangenes Jahr stattgefunden hatte, sei er eingesprungen. Dass dann doch deutlich mehr Material angefordert wurde, habe er erst zu spät erfahren.

Bereits verlegte Fußböden wurden wieder aufgenommen

„Mir ist ein Schaden von 6000 Euro entstanden", so Fischer. Das Material sei jedoch mit anderem Bauschutt vermengt worden und sei kaum noch etwas wert. Dazu kämen Transportkosten. "Ich habe es nur eingesammelt, um ein Zeichen zu setzen", sagt Fischer. Den Sand für das geplante Beach-Area habe er zum Glück gar nicht mehr angeliefert.

„Wir retten, was zu retten ist“, sagte ein Schausteller vor Ort, der nicht genannt werden möchte. Auch die Zeltbetriebe Sesiani aus Bad Oldesloe, einer der größten Zeltverleiher des Nordens, packten ein. Mit Kran und Lkw wurden die bereits verlegten Fußböden wieder aufgenommen und abgefahren.

Gut eine halbe Stunde warteten die Behörden vor Ort auf den Organisator. „Wir haben den Veranstalter telefonisch erreicht, er hat uns gegenüber die Veranstaltung abgesagt“, erklärte Leitender Verwaltungsbeamter Jörg Tietgen schließlich.

10.000 Karten sollen im Vorfeld verkauft worden sein

Arnd Habermann und Marc Träger von der zuständigen Polizei hofften, dass diese Nachricht sich schnell genug bei den Fans herumsprechen würde, denn im Vorverkauf seien ja angeblich schon 10.000 Karten verkauft worden.

Mit einer Pressemitteilung wendet sich die Polizei an potenzielle Besucher und bittet sie am Freitag nicht anzureisen. Dann hätte das zweitägige Festival starten sollen. 

Der Veranstalter hatte im Vorfeld 20 Live-Acts und 50 DJs auf zwei Bühnen angekündigt. Unter anderem sollte die Band "Culcha Candela" am Freitag auftreten. 

Ticketkäufer sollen sich an Eventim wenden

Von Veranstalterseite hieß es im Vorfeld, dass 10.000 Tickets verkauft worden seien. Bei Facebook beschweren sich bereits zahlreiche Kartenbesitzer, dass sie auf Nachfrage keine Antwort erhielten. Die persönliche Nachrichtenfunktion wurde ausgeschaltet, wie auf Screenshots von Nutzern zu sehen war. Gegen 18.20 Uhr wurde die Veranstaltung bei Facebook gelöscht.

Der Veranstalter sagt, dass die Käufer das Geld bei Eventim wiederbekämen. Der Ticketdienst gebe das eingenommene Geld erst zehn Tage nach einer ausgerichteten Veranstaltung aus.

Eigentlich sollte an diesem Mittwoch das Festivalgelände für den Spring Break abgenommen werden - doch von den Veranstaltern fehlte jede Spur. Die Aussteller und Subunternehmen packten ihre Sachen ein.

Von Nadine Materne und Klaus J. Harm

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