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Segeberg Das wird aus dem Dachboden
Lokales Segeberg Das wird aus dem Dachboden
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10:00 04.07.2019
Von Michael Stamp
Joachim Geppert (links) und Manfred Quaatz vom Freundeskreis des Bad Segeberger Stadtmuseums wollen den Dachboden des 1541 errichteten Gebäudes ausbauen. Quelle: Michael Stamp
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Bad Segeberg

Das Museum in Bad Segeberg müsse weiterentwickelt werden, um attraktiv zu bleiben, betont Freundeskreis-Vorsitzender Manfred Quaatz. Er leitet auch die Volkshochschule, unter deren Regie das Bürgerhaus betrieben wird. Der städtische Zuschuss von jährlich 10000 Euro decke nur einen Bruchteil der Personalkosten, die für die halbe Stelle von Museumsleiter Nils Hinrichsen anfallen. Daher stecke die VHS eine Menge eigenes Geld in die laufenden Kosten. Der Freundeskreis habe bereits über 20 000 Euro aufgebracht. 

Wettbewerb um Spender hat sich verschärft

„Wenn sich jetzt der Wettbewerb um die kleine Gruppe der Spender und Förderer verschärft, könnte sich das negativ auf die Entwicklung des Segeberger Bürgerhauses auswirken“, fürchtet Quaatz. Hintergrund ist, dass ein neuer Förderverein um Professor Asmus Hintz für die Einrichtung eines Kreismuseums im alten Höhlenkrug-Gebäude wirbt, nachdem dort ein Wohnbauprojekt gescheitert ist.

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Dieses Millionenprojekt ist für 2025 angepeilt; ob daraus etwas wird, steht noch in den Sternen. Quaatz argwöhnt nun aber, dass während diese Taube auf dem Dach gefüttert wird, das Bürgerhaus als Spatz in der Hand quasi verhungert. Auch die laufende Sanierung der Marienkirche und der geplante Orgelneubau beanspruchen Spender und Förderer.

Bürgerhaus muss seine laufenden Kosten decken

Dass sich Museumsleiter Hinrichsen auch in dem neuen Förderverein engagiert, macht die Sache für viele Außenstehende erst recht unübersichtlich. Sie glauben, sich nur noch für das künftige Projekt engagieren zu sollen. „Wenn es zu solch einer großen Lösung kommt, kann man das nur begrüßen“, betont Quaatz.

Das Stadtmuseum an der Lübecker Straße in Bad Segeberg soll um eine Etage erweitert werden.

„Aber bis 2025 sind es noch sechs Jahre. Das Bürgerhaus existiert aber jetzt und muss auch jetzt betrieben werden.“ Er sei schon diverse Male gefragt worden, „ob das Bürgerhaus jetzt geschlossen wird oder ob wir uns als Museumsfreunde auflösen.“ Das sei beides nicht der Fall.

Freundeskreis

Freundeskreis sucht ehrenamtliche Helfer

Quaatz wirbt stattdessen ausdrücklich um Spenden. Näheres kann man im Internet auf www.museum-badsegeberg.de/freundeskreis erfahren. Auch werden Ehrenamtler gesucht, die entweder bei der Inventarisierung der Museumsobjekte helfen oder das Bürgerhaus durch Dienst an der Kasse und in der Präsentation der Ausstellung unterstützen. Wer Interesse an solch einer Aufgabe hat, kann direkt im Museum oder im schräg gegenüber liegenden Speicher Lüken vorstellig werden.

Ausbau würde über 100000 Euro kosten

Ein wichtiges Zukunftsprojekt sei, den Dachboden als Ausstellungsfläche hinzu zu gewinnen. Aktuell fungiert er nur als Rumpelkammer und provisorisches Lager. Quaatz kann sich mit seinen Vorstandskollegen Hans-Werner Baurycza, Joachim Geppert und Dieter Fiesinger hingegen gut vorstellen, die Ausstellung zur Stadtgeschichte unter das Dach auszulagern und unten andere Themen zu beackern.

Dazu müsste jedoch oben ein neuer Fußboden eingezogen werden, weil man durch die Bretter ins Erdgeschoss gucken kann und das Ganze keinen stabilen Eindruck macht. Auch müsste das Dach isoliert werden, da man direkt auf die Schindeln blickt. Kostenpunkt: über 100 000 Euro.

Aus den Steckdosem sprühen manchmal Funken

Zusätzlich würde Quaatz gern eine Gaube einbauen. „Darüber müssen wir mit dem Denkmalschutz sprechen.“ Das Bürgerhaus habe nie eine Gaube besessen; allerdings sei das Dach schon mehrfach umgebaut worden und nicht mehr im Originalzustand. Handlungsbedarf besteht laut Quaatz auch bei der Elektrik.

„Es gab schon Steckdosen, aus denen Funken gesprüht sind, als wir sie in Gebrauch genommen haben.“ Hier scheinen Fachleute gefordert. Immerhin haben es in früheren Jahrhunderten weder die Schweden im Dreißigjährigen Krieg noch die Lübecker in einem bewaffneten Konflikt geschafft, das Haus abzufackeln – da wäre es höchst ärgerlich, wenn das nun eine Steckdose erledigen würde. 

Detlef Dreessen 04.07.2019
Anna Maria Persiehl 03.07.2019