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Segeberg Es fehlen noch Frauen
Lokales Segeberg Es fehlen noch Frauen
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17:35 23.04.2019
Von Jann Roolfs
Ein Storch der Storchenkolonie im Tiefflug über Hitzhusen. Quelle: Jann Roolfs
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Hitzhusen

Die „Ostzieher“ legen längere Wege zurück, darum kommen sie über ihre Route via Istanbul später nach Hitzhusen als die „Westzieher“, die im Winter nur bis Spanien fliegen oder über Gibraltar nach Afrika. 28 Storchenpaare sind schon da und haben sich unter den 37 Nisthilfen, die Günther Schoen in seinem Garten, auf der angrenzenden Bramauwiese und im weiteren Dorf aufgestellt hat, die passenden Behausungen ausgesucht.

Er zeigt auf ein Nest in einer Pappel hinter seinem Haus: „Das mache ich fast jedes Jahr sauber“ er hat eine Drainage installiert, damit die Jungtiere bei Regen nicht absaufen. Außerdem schneidet er regelmäßig die Äste, damit der Flugbereich für die Vögel frei bleibt.

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Auch um Dohlen und Wasserhühner kümmert sich der Rentner

120, 130 Störche sind im Sommer in Hitzhusen unterwegs. Aber das reicht Günther Schoen noch lange nicht. Seit einigen Jahren hängt er außerdem selbst gebaute Dohlenkisten auf, um den Höhlenbrütern Nistmöglichkeiten zu bieten. 35 Paare dieser Rabenvögel bilden inzwischen eine kleine Kolonie bei Schoen.

Vor ein paar Tagen hat er auf der Auwiese einen Turmfalken gesehen. Also hat Günther Schoen im Internet recherchiert, eine passende Kiste gebaut und am Mast befestigt unterhalb des Storchennestes. „Die habe ich gestern aufgestellt, das ist gleich angenommen worden“, freut sich Schoen. Er sieht ein Wasserhuhn, das am Ufer seines Gartenteiches brüten will, also legt er im Wasser eine Insel an und spannt zum Schutz gegen Krähen Draht darüber, damit die Wasserhühnerküken unbehelligt von Ratten groß werden können.

Ein Storch kam schon in seine Wohnung, ein Storchenpaar ist schwul

Beim Bauen und Aufstellen hilft ihm sein Bruder Lothar. Der bastelt gern und hat Maschinen von Bagger und Radlader bis zur alten Feuerwehrleiter. Lothar Schoen baut gern Windräder, verschiedene Modelle drehen sich im Garten. Neben den Fischteichen im Garten hält Günther Schoen Hühner, Tauben und Gänse, außerdem besitzt er mehr als 30 Bienenvölker.

Sind die Störche inzwischen auch Haustiere? Ein bisschen wohl schon, der Eindruck drängt sich auf, wenn Günther Schoen von einem seiner Störche erzählt, der so zahm sei, dass er schon in die Wohnung gekommen sei.

Dem schwulen Storchenpaar in seinem Garten schiebt der Rentner Kunststoffeier unter. Wenn Jungvögel Ersatzeltern brauchen, weil ein Alttier umgekommen ist, dann kriegen die Schwulen sogar Küken zum Großziehen. „Der Nabu sieht das ungern“, weiß Schoen.

Infotafeln über die Belegung der Nester und Bruterfolge

Bei ihm überwintern auch Störche, die das Ziehen nicht schaffen oder nie gelernt haben, weil sie in Gefangenschaft groß wurden. „Wir haben noch elf Überwinterer, wir waren schon auf 19“, erzählt Schoen. Sechs Tiefkühltruhen laufen bei ihm im Winter, um die Fischspenden zum Füttern aufzubewahren; jetzt sind nur noch zwei im Betrieb. Der Winter war mild, das ist gut für die Störche. Aber inzwischen sorgt sich Schoen, dass es zu trocken wird. Es gebe sowieso schon zu wenige Feuchtgebiete für die Störche.

Schoen zeigt und erzählt gern. In seinem Vorgarten stehen Infotafeln, die Auskunft geben über die Belegung der Nester. An der Auffahrt steht eine große Tafel, auf der zurück bis 1989 die Bruterfolge aller Nester zusammengefasst sind; rund 950 Jungstörche wuchsen bei Schoen auf: „Wir kriegen dieses Jahr den Tausendsten“, da ist er sicher. Besucher sind im Garten gegenüber des Dorfgasthauses willkommen. Nach einer Runde durch den Garten werden sie an einer Spendenbox vorbeigeführt: Die Tiefkühltruhen verbrauchen viel Strom.

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