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Segeberg Pastor sucht nach Lösungen
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09:45 28.07.2019
Von Nicole Scholmann
Pastor Steffen Paar vor der Kirche in Sülfeld. Er sorgt sich um seine Glaubensgemeinschaft - behält aber dennoch die gute Laune. Quelle: Nicole Scholmann
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Sülfeld

Der Gottesmann gilt als ein Querdenker und moderner Pastor, der neue Wege geht, um an seine gut 2000 Protestanten im Ort heranzukommen. Dennoch treten auch in seiner Kirchengemeinde Menschen aus, zwischen 10 und 20 Sülfelder im Jahr. Das stimme ihn traurig, gibt Paar zu. Aber persönlich nehme er die Austritte nicht, betont er. In diesem Jahr habe er bereits doppelt so viele Austritte wie Eintritte verzeichnet. Das sei kein gutes Zeichen.

Nach dem Austritt schreibt der Pastor

Vom Standesamt erhalte er die kurze Nachricht vom Kirchenaustritt. „Ich schreibe dann den Menschen einen Brief“, erklärt der Gottesmann. In dem bedanke er sich für die bisherige Treue und weise darauf hin, dass kirchliche Handlungen dann nicht mehr möglich seien. Beispielsweise Trauungen, Taufen sowie Beerdigungen stehen den Nicht-Kirchenmitgliedern in einem Gotteshaus dann nicht mehr so ohne weiteres zu. Gut ein Fünftel der Angeschriebenen antworten Pastor Paar.

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Von dem Gedanken der Bekehrung hat Steffen Paar, der mit seinem Mann im Pastorat lebt, sich längst verabschiedet. Wer ausgetreten sei, den habe die evangelische Kirche verloren, ist er sich sicher. „Bei Austritten kann ich nichts mehr ändern.“ Der Mensch von heute sei deutlich kritischer und ehrlicher als in früheren Zeiten, meint er. Auch würden sich viele Kirchenmitglieder fragen, was sie denn von der Mitgliedschaft haben. Im Zweifel, so Paar, lediglich die Kirchensteuern, die Monat für Monat vom Gehalt abgezogen werden. Es seien andere Wege nötig, um Menschen bei der Stange zu halten. Er nehme bei den Menschen eine gewisse Spiritualität wahr, aber kein Festhalten an der Institution Kirche. „Vielleicht hat sich der wöchentliche Gottesdienst am Sonntag auch längst überholt.“ Die Zeit sei eine andere.

"Was haben wir zu verlieren?"

Pastor Paar setzt in der jetzigen Phase auf eine Neuorientierung der evangelischen Kirche. Denn: „Was haben wir noch zu verlieren?“ Eine Verwandlung stehe an. Die Kirchenmitarbeiter sollten angstfrei und mutig an die neue Situation herangehen. Vorstellen könnte er sich für seine Gemeinde beispielsweise eine Art kirchliche Gemeindeschwester, die mit dem Rad durch den Ort fahre und Ansprechpartner für ganz normale Menschen mit ihren Sorgen und Nöten sei. Kirche dürfe sich nicht bequem zurücklehnen und auf Ansprache warten, sondern müsse auf die Menschen zugehen.

Der Pastor als Unterhaltungskünstler

Der Sülfelder Pastor war in der Vergangenheit immer für eine Überraschung gut, so konnte man ihn als „Pastor to go“ buchen, regelmäßig dienstags und donnerstags sitzt er drei Stunden auf dem Marktplatz und steht als Ansprechpartner für einen unverbindlichen Klönschnack zur Verfügung. Das bringe ihm viel Spaß, auch wenn es Zeit koste, und er dann möglicherweise nicht allen gerecht werden könne. Als neue Ideen für die kommenden Monate hat er Gottesdienste, die er nicht alleine gestaltet, sondern zum Beispiel zusammen mit Senioren, die aus alten Zeiten erzählen, mit Handwerkern oder mit Personen, die auch mal einen Knick in der Biographie haben. Er wolle Glaube interessant gestalten. „Als Pastor ist man mehr Entertainer als früher“, gibt Steffen Paar zu.

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