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Segeberg Autoreifen bei Anti-Nazi-Demo zerstochen
Lokales Segeberg Autoreifen bei Anti-Nazi-Demo zerstochen
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17:13 01.11.2019
Von Nicole Scholmann
Auch an diesem Bus wurden am Donnerstag während eines Anti-Nazi-Spaziergangs in Sülfeld zwei Reifen zerstochen. Er musste abgeschleppt werden. Quelle: Privat
Sülfeld

Als die Gruppe nach nicht ganz einer Stunde wieder an der Kirche in der Ortsmitte ankam, bemerkten einige Besucher die aufgeschlitzten Reifen. „Eine Frau kam zu uns und erzählte von den aufgestochenen Reifen“, sagt der Pastor. Die Wagen – ein Ford Mondeo, ein Mercedes Vito, ein VW Bus und ein VW Sharan – waren hinter der Remise am Pastorat geparkt worden und mussten abgeschleppt werden. Die Wut ist groß.

Person mit Messer wurde gesehen

Kurz zuvor, so Polizeisprecherin Sandra Mühlberger, waren ihre Kollegen darüber informiert worden, dass eine Person mit einem Messer weggelaufen sei. Die Polizisten fuhren daraufhin nach Sülfeld. Fast zeitgleich seien die Beschädigungen an den Autos festgestellt worden. Bedauerlicherweise, so die Polizeioberkommissarin, hätten sich keine Zeugen gemeldet und auch die Frau, die die weglaufende Person bemerkt habe, wollte keine weiteren Angaben machen. Die Angst vor Repressalien scheint groß. Alleine aufgrund eines Verdachtes könne die Polizei nichts machen. „Wir ermitteln deshalb in alle Richtungen“, sagt Mühlberger. Es gebe keinen konkreten Tatverdacht.

Drei Neonazis wohnen in Sülfeld

In Sülfeld sorgen zurzeit drei Neonazis, die in den Ort gezogen sind, für Unruhe. Höhepunkt war bislang ein Konflikt während einer Säuberungsaktion von engagierten Sülfeldern. In der Ortsmitte waren Nazi-Aufkleber angebracht worden, die entfernt werden sollten. Es kam zum Zusammentreffen mit den Rechtsradikalen und zu Übergriffen. Das für rechtsextremistische Straftaten zuständige Kommissariat 5 der Polizeidirektion in Kiel hat die Ermittlungen aufgenommen. Es geht um gefährliche Körperverletzung, weil Reizgas im Spiel war.

Breite Solidarität erfuhren die Sülfelder unter anderem während einer Aktion der Handballerinnen des SV Sülfeld. 800 Menschen fanden sich in der Sporthalle ein, unter ihnen auch Innenminister Hans-Joachim Grote und demonstrierten, dass sie mit rechtem Gedankengut nichts am Hut haben.

Mit Spaziergang ein Zeichen setzen

Pastor Steffen Paar wendet sich aktiv gegen Rechts und hat das Dorf auf seiner Seite, wie er berichtet. Wie die Stimmung in "seinem" Sülfeld ist: "Wieder heiterer und statt lethargischer Angst eindeutig kraftvoller und mit viel positiver Energie und Gemeinschaftsgefühl." Der Spaziergang am Donnerstag durch Sülfeld sollte erneut ein Zeichen setzen.

Pastor Paar hat Treffen angeboten

In den sozialen Medien laufen die Chats und Kommentare seit der „Ankunft“ der Rechtsradikalen heiß. Auch das mutmaßliche Oberhaupt der Neonazis, der Bad Segeberger Bernd T., meldete sich dort zu Wort. Pastor Paar hatte ihn daraufhin zu einem Treffen auf dem Marktplatz eingeladen. „Es gab bisher keine Reaktion“, erklärt Paar.

Die Polizei sucht dringend Zeugen

Die Polizei setzt verstärkt auf Präsenz und fährt mehr Streife als üblich durch den Ort. „Und wer ein schlechtes Gefühl hat, der soll sich bei uns melden“, betont Polizeisprecherin Mühlberger. Die Polizei Henstedt-Ulzburg sei für das Amt Itzstedt zuständig (Telefon 04193/99130).

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