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Segeberg Tafel mit Sorgen: Mehr Abholer, weniger Helfer
Lokales Segeberg Tafel mit Sorgen: Mehr Abholer, weniger Helfer
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06:00 08.04.2013
Von Uwe Straehler-Pohl
Die Vorsitzende Monika Zinn (Mitte) bekam in der Jahreshauptversammlung der Bramstedter Tafel zwei neue Beisitzerinnen zur Seite gestellt: Brigitte Schulz aus Fuhlendorf (links) und Waltraut Göhrges aus Kaltenkirchen wurden einstimmig in den Vorstand gewä Quelle: Uwe Straehler-Pohl
Bad Bramstedt

Was sich nach einer Erfolgsgeschichte anhört, ist eigentlich ein gesellschaftlicher Missstand. Wie die Vorsitzende Monika Zinn während der Jahreshauptversammlung des Vereins berichtete, unterstützte die Tafel in den ersten Jahren 60 bis 70 Familien, mittlerweile seien es rund 120. Die Bimöhlerin kündigte an, im nächsten Jahr den Vorsitz abgeben zu wollen.

 Sechsmal in der Woche holen die fleißigen Helfer der Tafel mit dem vereinseigenen Kühlfahrzeug von Einkaufsmärkten gespendete Lebensmittel ab. Zugute kommen sie Familien, die ihre Bedürftigkeit nachgewiesen haben. 2011 wurden nach Angaben der Vorsitzenden im Durchschnitt knapp 80 Familien und somit gut 200 Menschen pro Woche versorgt, 2012 waren es fast 120 Familien mit knapp 300 Menschen – also ein Anstieg der Nachfrage trotz gut laufender Konjunktur im Land. In die Zahlen eingeschlossen sind auch die Familien, die die Ausgabestelle in Großenaspe nutzen.

 Zusätzlich zu den Abholstellen in der Bad Bramstedter Kantstraße und in Großenaspe hat die Tafel auch noch einen Bringedienst für ältere und gebrechliche Menschen eingerichtet, der wöchentlich bis zu 15 Haushalte beliefert.

 Monika Zinn hob die gute Zusammenarbeit mit dem Bad Bramstedter Famila-Markt hervor. Das Unternehmen spende nicht nur Lebensmittel, sondern auch Geld für Sonderaktionen der Tafel. Lobenswert sei auch die Kooperation mit den Tafeln in Kaltenkirchen und Hohenwestedt, erklärte Zinn. „Immer, wenn bei einer Tafel ein Überschuss vorhanden ist, werden die anderen Tafeln mit versorgt.“

 Außer auf Lebensmittelspenden ist der Verein auch auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Steigende Kosten für Strom, Heizung und Treibstoff für den Kühlwagen drücken auf die Vereinskasse. Hinzu kamen im vergangenen Jahr die Kosten in Höhe von 5700 Euro für eine Kistenspülmaschine, um die Hygieneanforderungen erfüllen zu können. Möglich geworden sei dieser Kauf nur durch Zuwendungen der Lidl-Stiftung von 3300 Euro und der örtlichen Raiffeisenbank von 500 Euro geworden, berichtete Kassenwart Udo Winkler. Außerdem sponserte die Firma Ifco, der weltweit größte Hersteller von Klappkisten, 260 Behälter, die der Tafel zur Abholung ihrer Lebensmittel dienen.

 Erfolgreich sei auch ein Spendenaufruf in der Presse gewesen, berichtete Winkler. Er habe wesentlich dazu beigetragen, dass die Einnahmen im Jahr 2012 sich gegenüber dem Vorjahr um rund 18500 auf 32500 Euro erhöhten. So seien allein von Privatpersonen zwei größere Spenden in Höhe von insgesamt 4500 Euro eingegangen. Somit sei es möglich gewesen, die Jahreskosten von knapp 30000 Euro aufzubringen und sogar einen kleinen Überschuss in die Rücklagen zu stecken, berichtete der Kassenwart.

 So erfreulich die Spendenbereitschaft auch ist, zeigt sie doch das Dilemma der Tafel. Eine gesicherte Finanzplanung ist nur schwer möglich, wenn nicht bekannt ist, wie viele Spenden im Jahr eingehen. Mit weiteren unvorhersehbaren Ausgaben, wie zuletzt für die Spülmaschine, müsse zudem jederzeit gerechnet werden, sagte Winkler.

 Sorgen bereiten der Vorsitzenden Zinn die Lücken im Helferteam, die durch Krankheit und Wegzug entstanden seien. Von den 120 Mitgliedern wirken rund 40 aktiv mit, Tendenz abnehmend. „Wir brauchen Helferinnen und Helfer als Fahrer und Beifahrerinnen zum Einsammeln der Lebensmittel, bei der Ausgabe oder für andere Arbeiten“, appellierte Monika Zinn an die Hilfsbereitschaft der Bad Bramstedter und Umlandbewohner (Tel. 04192/8191028).

 Zinn selbst will im nächsten Jahr etwas kürzer treten und nach dann neun Jahren den Vorsitz der Bad Bramstedter Tafel abgeben.