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Segeberg Komödie führt ins Rotlichtmilieu
Lokales Segeberg Komödie führt ins Rotlichtmilieu
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12:16 03.02.2020
Von Heinrich Pantel
Sie begeistern mit der schillernden Welt St. Paulis. Thomas Denker (links) brilliert nicht nur als Schauspieler, er übersetzte die Komödie auch ins Plattdeutsche. Quelle: Heinrich Pantel
Kattendorf

Der Oberbekleidung hat sich der ältere Herr schon entledigt, als er erwartungsvoll auf dem Bett liegt und „Je t`aime“ ertönt. Aus dem Bad von nebenan wird gefragt: „Hesst du all de blaue Pille nahmen?“ Das Publikum ist sofort im Bilde. Ein Stärkungsmittel soll verschwundene Kraft beleben. Aber bevor es zum Höhepunkt kommt, hat der Mann „denn Löpel affgeven“. Für sein Herz war die Dosis offensichtlich zuviel.

Wohin mit der Leiche?

Wohin mit „de Liek“, der Leiche? Statt ihren Liebesdienst zu leisten, bleibt Pilar, die junge Prostituierte (Nina Gerigk), ratlos zurück. Zu allem Überfluss ruft die Mama an, die ihre Tochter in einem Seminar des Jurastudiums wähnt. Ein turbulentes Durcheinander gewinnt zunehmend an Fahrt. Pilar muss sich für die Mutter etwas Glaubhaftes einfallen lassen. Auch Johanna Puffogel, die Chefin des Stundenhotels (Grit Feller), ist in Schwierigkeiten. Sie fürchtet den anstehenden Kontrollbesuch des Ordnungsamtes -  und wenn sie dabei etwas nicht gebrauchen kann, „denn is dat eene Liek“.

Tochter streitet für Moral

Für Lacher und Szenenapplaus im Theatersaal sorgen Details, die die Darsteller scheinbar beiläufig zur Sprache bringen. Johanna Puffogel stöbert in den Papieren des verstorbenen Freiers und ruft plötzlich aus: „Ick glöv dat ja nicht! Dat is een Paster!“ Auch zum Milieu passender Wortwitz wird reichlich eingestreut. So schwärmt die Chefin des Etablissements ihrer in einer Uniform der Heilsarmee auftauchenden Freundin Marie (Susanne Krause) von der Jugendzeit und dem gemeinsamen Tanzen vor: „Keeneen bekeem siene Beens wieder utnanner as wi.“ Vorher hat sie verraten, einst selber mit Liebe ihr Geld verdient zu haben. Dabei sei einmal bei einem Freier nicht aufgepasst worden. Ausgerechnet Valerie (Saskia Serwotka), ihre Tochter, ein „Unglücksfall“, streitet leidenschaftlich für Moral und Anstand. Fassungslos wirft sie Pilar vor: „Denn egen Liew verköpen. Und denn noch för Geld!“

Der Zeuge ist ein Spanner

Auf der Suche nach der Leiche schafft Hauptkommissar Feul es nicht, Licht ins Dunkel zu bringen. Thomas Denker taucht dabei in die Rolle eines Beamten ein, der sich ebenso hochmotiviert wie erfolglos an die Arbeit macht. Ein Zeuge (Dietmar Ritter) gibt vor, für Recht und Ordnung einzutreten. Wenig später wird er als Spanner angeprangert: „De ole Buck!“ Ina Gerigk mimt eine Reinemachekraft mit Kopftuch. In Wahrheit versucht sie, an Insiderwissen zu gelangen, um Geld für ihren Bruder zu erpressen, der sich zur Schwester umoperieren lassen möchte.

Humor kommt beim Publikum an

Die Gegensätze St. Paulis werden auf der Bühne ausdrucksstark dargestellt. Von den erheiterten Zuschauern kommentiert in der Pause der Elmshorner Manfred Müller die Darstellungskunst des Ensembles: „Die Leute spielen das ganz toll. Ich bin begeistert. Das ist unser Humor. “ Ähnlich äußern sich auch andere wie Rolf Lesch aus Bark: „Die Situationskomik passt zum schillernden Kiez; sie wird super rübergebracht.“

Schlag auf Schlag geht es wenig später weiter. Gerlinde Piel (Helga Heins), „de Tussi vun Ordnungsamt“, nimmt das Stundenhotel unter die Lupe. Erschrocken trifft sie auf ihre Tochter, die ihr Anschaffen mit besten Absichten zu erklären versucht. Am Ende taucht ein „Lude op Rente“ auf, Dieter (Sönke Meier). Nun gerät die eben noch bestürzte Mutter in höchste Not. Der Altganove beleuchtet ihre Vergangenheit: „Domols weer se mien bestet Pierd in Stall.“ Auch staatliche Gewalt hat mit menschlichen Unzulänglichkeiten zu tun. In der Komödie auf jeden Fall.

Die nächsten Termine von „Utrekent hüüt“: freitags bis zum 28. Februar, um 20 Uhr; Sonnabend, 22. Februar, um 16 Uhr, Sonnabend, 8. Februar, und 29. Februar, um 19 Uhr. Weitere Informationen bietet die Webseite: www.theaterclub-kattendorf.de.

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