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Segeberg Mobbing: Eben nicht nur Spaß
Lokales Segeberg Mobbing: Eben nicht nur Spaß
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21:30 03.12.2014
Von Anna Maria Persiehl
Nach der Aufführung stellten sich die Schauspieler Tim Engemann und Romana Schneider den Schülern für ein Gespräch zur Verfügung.
Bad Bramstedt

Cyber-Mobbing, also das Diffamieren, Beleidigen und Bloßstellen, findet vor allem unter Jugendlichen in den sozialen Netzwerken, in Chatrooms und per Handy statt. Der Umgang mit den neuen Medien will gelernt sein. Das ist auch die Botschaft des Theaterstücks, in dem eine Schauspielerin und ein Schauspieler des Ensembles in mehrere Rollen schlüpfen. Gezeigt wird das Stück in Schulen und Jugendeinrichtungen.

 „Die Eltern fordern ständig, dass wir Medienkompetenz vermitteln“, erklärte Lehrerin Cornelia Rueß. Dem Wunsch kommt das städtische Gymnasium mit verschiedenen Projekten nach, wie die Pädagogin erläuterte. Sie ist für die Prävention zuständig, außerdem bildet sie an der Schule Streitschlichter aus. Das Präventionskonzept greift ab der sechsten Klasse, indem die Schüler erst einmal über die Gefahren des Internets aufgeklärt werden. Für die siebten Klassen wird in der Jugendakademie in Bad Segeberg ein Seminar veranstaltet. Außerdem klärt die Polizei über die rechtliche Seite des Umgangs mit Facebook und Co auf.

 In das Konzept der Schule passt auch die gestrige Theateraufführung für die siebten und achten Klassen. Auf das Stück seien die Schüler vorbereitet worden, sagte Rueß, eine Nachbereitung soll folgen. Nur Einzelfälle von Cyber-Mobbing sind nach Angaben der Lehrerin an der JFS bekanntgeworden, allerdings keine gravierenden. „Wir hoffen, dass die Schüler aktiv werden, wenn sie so etwas beobachten.“ Die jungen Leute für das Thema sensibel zu machen verspricht sich die Lehrerin auch von dem Theaterstück, dessen Gastspiel sie zusammen mit dem Schulsozialarbeiter Cuneyt Gümüsedere organisiert hatte.

 „Fake oder War doch nur Spaß“ von Karl Koch handelt von der 17-jährigen Lea, die in eine Casting-Agentur aufgenommen werden soll. Der Neid der Mitschülerin Nadine – vermeintlich ihre beste Freundin – und anderer Schüler führt zu Sticheleien in der Schule und am Ende zu heftigen Attacken unter anderem in den sozialen Netzwerken, zu anonymen Drohanrufen und zu Beleidigungen per Telefon und SMS. Online kursiert ein Video, das sie betrunken in einer Toilette zeigt. Als sie erfährt, dass Andy, der ihr eine Liebesaffäre vorgetäuscht hat, zu den Mobbern gehört, will sie sich das Leben nehmen. Sie wird gerettet, die Polizei ermittelt die Hintermänner der Mobbing-Attacken.

 Dass es sich in Bad Bramstedt nicht nur um einen unterhaltsamen Theatermorgen handelte, sondern um eine ernste Angelegenheit, verdeutlichten die Schauspieler Tim Engemann und Romana Schneider. Im Anschluss an die Aufführung stellten sie sich für ein Gespräch mit den Schülern zur Verfügung. Cyber-Mobbing ist nach Engemanns Worten „überall ein massives Problem“. Aus Erfahrung berichtete der Schauspieler, dass es auf den Tourneen seit 2011 – mit rund 400 Gastspielorten - „nicht eine einzige Schule gab, wo es nicht Cyber-Mobbing gab“.

 Sein Rat an die Siebt- und Achtklässler in Bad Bramstedt: „Der wichtigste Schritt ist, dass ich Hilfe in irgendeiner Form suche.“ Engemann appellierte zudem an die Zivilcourage des jungen Publikums: „Jeder Einzelne von euch kann entscheiden, ob es Cyber-Mobbing gibt.“

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