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Segeberg Erste Hilfe in freier Wildbahn
Lokales Segeberg Erste Hilfe in freier Wildbahn
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09:00 07.03.2015
Von Uwe Straehler-Pohl
Dr. Elvira von Schenck versorgt, assistiert vom Eekholt-Auszubildenden Tobias Wehden, einen Schwarzstorch in ihrem Behandlungsmobil. Das Tier soll bald wieder ausgewildert werden. Quelle: Uwe Straehler-Pohl
Großenaspe

Wenn Spaziergänger oder Jäger verletzte Wildtiere finden, ist der Wildpark Eekholt häufig die erste Adresse, um Hilfe zu holen. Dort kümmert sich Tierärztin von Schenck, Ehefrau des Wildparkgeschäftsführers Wolf-Gunthram Freiherr von Schenck, um die Tiere. Da sie in der Region dafür mittlerweile bekannt ist, kommt es vor, dass Spaziergänger die Tiere zu ihr nachhause in Winsen bei Kaltenkirchen bringen. Aber was ist, wenn sich ein Reh im Stacheldraht verfangen hat oder ein großer Seeadler in den Rotor einer Windkraftanlage geraten ist? Ins Auto packen und mitnehmen, geht dann nicht mehr. Elvira von Schenck hat sich deshalb eine mobile Behandlungsstation eingerichtet. Den Anhänger koppelt sie an ihren Pkw und kann dann im Wald oder auf der Wiese mit modernen Analysegeräten, Mikroskopen, medizinischem Besteck und Medikamenten helfen.

 Vor allem Vögel haben es schwer mit der menschlichen Zivilisation. „Seeadler leiden häufig unter Bleivergiftungen“, hat Elvira von Schenck festgestellt. Sie fressen die Innereien von Wildtieren, die Jäger in der Natur liegen gelassen haben und verschlucken dabei auch das Schrot. „15 Prozent der rund 40 Adler, die ich in den letzten 14 Jahren behandelt habe, hatten eine Bleivergiftung“, so ihre traurige Bilanz. Aber auch die Windkraftanlagen bedeuten Lebensgefahr. „17 Prozent der verletzten Seeadler aus Schleswig-Holstein, die mir in den letzten 14 Jahren gebracht wurden, kamen durch Windkraftanlagen zu Schaden. Sie waren alle so schwer verletzt, dass ich sie leider nur noch einschläfern konnte“, berichtet die Tierärztin. Windkraftrotoren seien in Schleswig-Holstein die häufigste Todesursache bei Seeadlern, gefolgt von der Bahn.

 Wird die Tierärztin zu einem Unfallort gerufen, ist sie mit ihrem Wildtiermobil in kurzer Zeit in der Lage, das Blut der Tiere auf Vergiftungen zu untersuchen und erste Gegenmaßnahmen einzuleiten, beispielsweise Infusionen. Häufig stellt sie auch Parasitenbefall fest. Ein so befallener Schwarzstorch, der in Ostholstein gefunden wurde, wird zurzeit in der Aufzuchtstation des Wildparks aufgepäppelt. „Das Tier war vier Monate alt, als er zu mir gebracht wurde, und konnte nicht den Zug in den Süden mitmachen“, so Elvira von Schenck. Wenn es wärmer wird, soll der Vogel wieder ausgewildert werden. In Schleswig-Holstein leben nur acht Paare dieser Storchenart. Ihre Hilfe ist also auch ein Beitrag zum Erhalt seltener Arten.

 Der Verein „Freies Institut für Wildtierschutz“ ist noch in weiteren Bereichen tätig. Forschung auf den Gebieten Wildtierschutz und -medizin zählen ebenso dazu wie Aufklärungsarbeit. „Warum benötigen wir Stacheldrahtzaun, obwohl man Tiere auch mit glatten Elektrozäunen auf der Weide halten kann?“, fragt sie die Landwirte. Häufig wird die Tierärztin zu Rehen oder Vögeln gerufen, die sich verfangen haben und schlimme Verletzungen davon tragen. „Manchmal liegt der Draht einfach herum.“ Aber auch zu große Tierliebe kann schaden. „Ich erinnere mich an einen Mäusebussard. Der war zwar handzahm, aber aufgrund des falschen Haltens total krank, ohne dass die Leute es gemerkt hätten“, erzählt die Wildparkärztin.

 Als Beitrag zum Umweltbildungsprojekt „Jahresuhr der Natur“ ist Elvira von Schenck mit ihrem Wildtiermobil auch im Kindergarten in Winsen anzutreffen. „Es ist eine Freude zu sehen, wie die Kinder gesammelte Sachen unter dem Mikroskop betrachten, kleine Laboruntersuchungen machen oder mit Feuereifer bei Experimenten dabei sind“, sagt die zweifache Mutter.