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Segeberg Sülfeld: 52,4 Millionen Euro für die Forschung
Lokales Segeberg Sülfeld: 52,4 Millionen Euro für die Forschung
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09:59 01.11.2019
Von Nicole Scholmann
Das Forschungszentrum Borstel wird gerade um zwei neue Gebäude erweitert. Quelle: Nicole Scholmann
Sülfeld-Borstel

Der Grundstein soll am 21. November gelegt werden. Professor Dr. Frank Petersen, Vorstandsmitglied und Leiter der Fachgruppe Biochemische Immunologie des Forschungszentrums, freut sich, dass alle Arbeiten im Zeitplan sind. Denn die Zeit ist ein entscheidender Faktor in dem ganzen Projekt: Ende 2022 läuft die bestehende Genehmigung für das bisherige Hochsicherheitslabor des Zentrums aus. Bis dann müssen die neuen und hochmodernen Labore nicht nur errichtet, sondern auch komplett durchgeprüft und von diversen Behörden freigegeben werden. Immerhin arbeiten die Wissenschaftler unter anderem mit Tuberkulose-Erregern.

Tuberkulose

Der Bereich Infektionen am Forschungszentrum Borstel beschäftigt sich mit den infektiös-entzündlichen Erkrankungen der Lunge. Dabei liegt der Fokus auf die Tuberkulose. Vor allem die Zunahme von mehrfach gegen Antibiotika resistenten Infektionserreger hat laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Situation verschärft. Die deutsche Politik warne nach Auskunft des Forschungszentrums vor einem Rückfall ins Vor-Penicillin-Zeitalter. Durch eine Antibiotika-Therapie ist Tuberkulose laut des Bundesgesundheitsministeriums behandelbar und in der Regel heilbar. Damit die Behandlung den vollen Erfolg zeigt, muss die Krankheit frühzeitig erkannt und konsequent behandelt werden. Tuberkulose ist die weltweit führende Todesursache durch einen einzelnen Infektionserreger. Allein im Jahr 2016 erkrankten nach Schätzungen der WHO 10,4 Millionen Menschen an Tuberkulose, etwa 1,7 Millionen Menschen starben daran.

"Hier entsteht eine Hochsicherheitsanlage, eine S3-Anlage", erklärt Petersen. Dieser Bereich ist komplett abgeschirmt von der Außenwelt, weder dürfen Keime raus-, noch reingetragen werden. Der Spezialbau, der ab der Inbetriebnahme ausschließlich von Fachpersonal betreten werden darf, beinhaltet auch eine Tierhaltung.

In Borstel wird an Mäusen getestet, wie Medikamente und Therapien auf kranke Menschen wirken. Das alles laufe selbstverständlich nach Recht und Ordnung, das Tierwohl werde berücksichtigt. Jeder Arbeitsschritt am lebenden Tier müsse vorher beantragt werden, das Kreisveterinäramt überwache den Ablauf im Forschungszentrum genau, betonen Petersen und Jürgen Repp, der administrative Leiter des Forschungszentrums.

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Wieder mehr Tierversuche im Norden

Alleine im S3-Bereich sind rund 60 Wissenschaftler tätig. Die jetzige Anlage auf dem 20 Hektar großen Gelände an der Parkallee ist nach gut zwei Jahrzehnten veraltet, eine Sanierung lohne sich nicht. Zudem komme, dass im laufenden Betrieb ein Umbau nicht möglich sei. Nach langer Planung erfolgte im April der erste Spatenstich und nun im November die Grundsteinlegung. Der viergeschossige Neubau des Leibniz Respiratoriums nimmt Gestalt an. Die Bauarbeiter sind dabei, die Grundmauern zu errichten, die Räume sind bereits zu erkennen.

Vom Institut zum Zentrum

Das Forschungszentrum Borstel wurde 1947 als Tuberkulose-Institut mit der Unterstützung des Landes Schleswig-Holstein und des Kreises Segeberg gegründet. Zu den Stiftern gehörten weiterhin die Vertreter der Landesregierungen Hannover, Nordrhein-Westfalen, der Hansestädte Hamburg, Bremen, des Kreises Lauenburg, und der Landesversicherungsanstalten Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen-Oldenburg. 1963 wurde das Institut in das Forschungsinstitut Borstel, Institut für experimentelle Biologie und Medizin, umbenannt. 1995 erhielt das Institut erneut einen neuen Namen: Forschungszentrum Borstel, Zentrum für Medizin und Biowissenschaften. Im Jahr 2003 folgte der Zusatz „Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften“. 

Zwischen 1978 und 1980 etablierten sich zwei wissenschaftlich grundlagenorientierten Bereiche und ein wissenschaftlich klinisch ausgerichteten Bereich. 1981 wurde die erste Forschungskonzeption mit der Gesamtthematik Infektion und Immunbiologie erarbeitet, die in den folgenden Jahren stetig weiter entwickelt wurde und 1997 den Schwerpunkt Allergie in die Konzeption aufnahm. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die Schwerpunkte Infektion und Allergie sowie entzündliche Erkrankungen. Erkrankte Menschen werden vor Ort in einer Klinik auch therapiert. (Quelle: Forschungszentrum)

Was passiert, wenn der Strom im Forschungszentrum Borstel ausfällt?

Alleine der S3-Bereich verbraucht 1300 Quadratmeter Fläche – wobei die reinen Labore lediglich 400 Quadratmeter benötigen. "Der Rest ist für die aufwändige Technik", beschreibt Petersen. Lüftung, Elektrik, Wasser- und Stromversorgung werden unter enormen Aufwand verlegt. Über ein ausgeklügeltes System kann der Neubau laut Petersen mehrere Wochen ohne externe Versorgung mit Energie und Wasser betrieben werden. Sobald beispielsweise der Strom ausfällt, springen Batterien und Notstromaggregate an.

Hier sehen Sie weitere Fotos vom Forschungszentrum.

Insgesamt hat das LRB 3600 Quadratmeter Grundfläche, aber über 9000 Quadratmeter Nutzfläche. Dafür geht das Gebäude auch zum Teil 28 Meter in die Höhe. Verbaut wurden alleine in der Sohle 400 Tonnen Stahl. Das Nationale Referenzzentrum für Mykobakterien, das nebenan errichtet wird, fällt kleiner aus. Die Arbeiten dafür beginnen Ende diesen Jahres.

"Die neuen Gebäude mit der S3-Anlage bedeuten für uns einen Quantensprung", erklärt Petersen. Er und seine Mitarbeiter freuen sich sehr, dass Bund und Land erneut kräftig in den Standort Borstel investieren. Alle sieben Jahre wird das Forschungszentrum auf Herz und Niere überprüft. Nur bei einer erfolgreichen Arbeit der gut 550 Mitarbeiter fließt weiter Geld nach Borstel.

Um Wohnraum für die Mitarbeiter zu schaffen, will das Forschungszentrum Borstel Wohngebäude errichten.

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