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Segeberg Entschädigung für Feuerwehrdienst?
Lokales Segeberg Entschädigung für Feuerwehrdienst?
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19:32 02.02.2020
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Umfrage im Kreis Segeberg: Entschädigung für Feuerwehrdienst? Einsatz an der Herzklinik in Bad Segeberg: Insbesondere große Freiwillige Wehren leisten Hunderte Einsätze jedes Jahr - ehrenamtlich. Diskutiert wird auf Landesebene über Entschädigungen für aktive Feuerwehrleute. Quelle: Michael Stamp
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Kreis Segeberg

„Da kriegen wir die falschen Leute!“ Thomas Frank, seit zehn Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Klein Rönnau, ist von der Idee des Landesbrandmeisters Frank Homrich aus Wedel nicht begeistert, Aufwandsentschädigungen für aktive Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren zu zahlen. „Was wir brauchen, ist eine Tradition, eine Selbstverständlichkeit für Jugendliche, gemeinsam in die Jugendwehr einzutreten. Geld wäre da das völlig falsche Lockmittel.“

Sinkende Tagesverfügbarkeit bei den Wehren

Etwas vorsichtiger ist da Kreisbrandmeister Jörg Nero aus Groß Kummerfeld, einer der Stellvertreter von Homrich im Landesvorstand der Feuerwehren. „Wir müssen dringend etwas tun, um bei sinkenden Tagesverfügbarkeiten immer genug Einsatzkräfte zu haben, wenn es brennt.“

Kreisweit sehe es derzeit noch ganz gut aus. Aber bei der Alterspyramide sei schon in zehn Jahren zu befürchten, dass es Probleme geben werde, wenn nicht deutlich mehr Jungen und Mädchen den Weg in die Feuerwehren fänden. „Da darf es keine Denkverbote geben! Und es ist ja schließlich kaum einzusehen, dass Sporttrainer oder Gemeindevertreter Entschädigungen bekommen, Feuerwehrleute aber nicht.“

Vor allem kleinere Wehren haben Bedenken

Ähnlich zwiegespalten ist ein Stimmungsbild, das die SZ in kleinen und großen Wehren eingeholt hat. Vor allem die großen Wehren wünschen sich kleine Gesten. Sie haben mit ihren Ehrenamtlern viele Einsätze pro Jahr zu leisten.

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Barks Wehrführer Karsten Hahn hält die Aufwandsentschädigung für eine gute Idee. „Die Durchführung darf allerdings nicht mit viel Verwaltungsaufwand verbunden sein“. Sein Stellvertreter Christian Süfke befürwortet Aufwandsentschädigungen. „Das würde die Feuerwehren weiter zukunftsfähig machen.“

Den aktiven Dienst in den Freiwilligen Feuerwehren zu fördern, steht auch Christian Stöhr, Wehrführer in Groß Niendorf, prinzipiell positiv gegenüber. Jedoch nicht mit Geld. Gutscheine etwa für den Besuch von Fitness-Clubs oder Schwimmbädern oder Vorteile bei der Steuer- oder Rentenberechnung wären seiner Meinung nach sinnvoller.

Bedenken haben dagegen Wehrführer Helge Ralf aus Hornsdorf (Gemeinde Seedorf) und sein 23-jähriger Stellvertreter Jonas Broers. Sie sind gegen Zahlungen. „Unser alter Wehrführer Karl-Otto Kasch hat in seiner Amtszeit 40 Prozent Zuwachs in der Wehr erreicht, und wir haben die höchste Frauenquote bei uns – auch ohne Geld“, sind beide stolz auf das Erreichte. „Man muss aber natürlich auch etwas für die Gemeinschaft bieten, wie unsere Drachenbootmannschaft und ihre Erfolge.“ Dann sei auch der Nachwuchs gesichert.

Eine kleine Umfrage unter Segeberger Feuerwehrleuten zeigt: Aufwandsentschädigungen für aktive Einsatzkräfte wird durchaus auch kritisch gesehen.

Seedorfs Gemeindewehrführer Philipp Frank aus Seedorf ist von Aufwandsentschädigungen ebenfalls nicht überzeugt: „Es wird dann dazu kommen, dass einige Kameraden mehr Geld bekommen als andere, weil sie etwas im Ort arbeiten und leichter abkömmlich für Einsätze sind. Das könnte leicht zu Unfrieden und Zwistigkeiten führen und der Kameradschaft abträglich sein.“

Finanzielle Belastung darf nicht bei Kommunen bleiben

Barks Bürgermeister und Feuerwehrmitglied Bastian Wortmeier warnt: „Die finanzielle Belastung von Aufwandsentschädigungen darf nicht nur bei den Kommunen liegen.“ Und für Leezens Amtswehrführer Spencer Finnern sind noch viele Fragen offen: „Wer genau soll dann Aufwandsentschädigungen erhalten, wie hoch sollen diese sein, wie sollen die aktiven Dienste berechnet werden, zählen Übungen dazu?“

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Auch andere Kameraden einiger kleiner Orts- und Gemeindewehren sehen in einer Aufwandsentschädigung kein Zugpferd für die Feuerwehr. „Geld macht gierig“, war da zu hören. Überall, wo die Feuerwehr eine tragende Rolle im Kulturleben des Dorfes bilde, gebe es keine Schwierigkeiten. Wichtiger als Geld sei eine Jugendarbeit, die mit Brandschutzerziehung schon im Kindergarten losgehen müsse.

In einigen Gemeinden bekommen Feuerwehrleute Vergünstigungen

Tendenziell zustimmend sind die Meinungen bei den großen Wehren. Sie fahren viele Einsätze pro Jahr. „Da kann das ein kleines Dankeschön sein, und ein kleiner Anreiz, bei der Wehr zu bleiben“, sagt Jörg Neubauer, Feuerwehrchef in Wahlstedt. Bislang gebe es 50 Prozent Rabatt beim Eintritt ins Schwimmbad. In Mecklenburg-Vorpommern seien Aufwandsentschädigungen viel verbreiteter.

Wehrführer Kai Harms (Bad Bramstedt) hält von Direktzahlungen an Feuerwehrleute nichts. „Das ist ein Ehrenamt.“ Vor zwei Jahren habe die Wehr aber wegen kleiner Unterstützungen für die Wehr bei der Stadt vorgefühlt. Zunächst habe sie reserviert reagiert. In diesem Jahr aber dürften Feuerwehrleute gratis ins Freibad. Und in die Kameradschaftskasse zahle die Stadt nun mehr ein.

Kaltenkirchens Thomas Schwedas befürwortet kleine Hilfen. Seit 2019 zahle die Stadt Einsatzkräften eine Verpflegungspauschale, „die kleinste Summe, die möglich ist“. Seitdem würden sich bei Alarmen mehr Kräfte zu Einsätzen melden als vorher. Das sei durch einen Vergleich der Einsatzprotokolle nachlesbar. Es sei sonst schwer, gerade in großen Wehren ausreichend Kräfte zu Einsätzen zu bekommen. „Wir haben mit 116 Aktiven im vorigen Jahr fast 300 Einsätze gehabt.“

Auch Marco Dorwo, Wehrführer in Trappenkamp, freut sich darüber, dass seine Kräfte Rabatt beim Eintritt ins Freibad und Sportverein erhalten. Aufwandsentschädigungen seien prinzipiell auch gut. Sie dürften aber nicht so hoch sein, dass damit Geld verdient werden kann.

Wehrführer diskutieren Vorschlag

Skeptisch ist Mark Zielinski, Wehrführer in Bad Segeberg. Bei Aufwandsentschädigungen seien noch viele Fragen offen, etwa zu Steuerfragen. Die Idee des Landesbrandmeisters sei ein Denkanstoß gewesen. In großer Runde werde dies auf einem Landestreffen vieler Wehrführer und dem Städtetag am 23. März diskutiert.

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