Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Segeberg Umleitung sorgt für Ärger
Lokales Segeberg Umleitung sorgt für Ärger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
11:03 06.02.2014
Von Klaus-Ulrich Tödter
Stephanie Konsorr beklagt sich darüber, dass die Polizei den Schwerlastverkehr durch den Radensweg nicht unterbunden hat.
Anzeige
Kaltenkirchen

Einer der Anlieger ist Wolfgang Lange, der im benachbarten Erlenweg wohnt. Für ihn steht fest: „Hier wurde der verkehrte Umleitungsweg ausgesucht. Es gibt bessere Alternativen.“

 In der Schmalfelder Straße laufen gerade umfangreiche Kanalbauarbeiten. Dabei wurde eine alte Asbestzement-Druckrohrleitung gefunden, die entfernt werden musste. Dadurch verlängert sich die Bauzeit noch einmal - voraussichtlich bis Ende November.

 Unzumutbar wurde es auf der Ausweichstrecke am Mittwoch. Über viele Stunden war die Autobahn in Richtung Hamburg zwischen Bad Bramstedt und Kaltenkirchen gesperrt, nachdem ein mit Schweinen beladener Laster umgekippt war. Die Umleitungsstrecke für den abgeleiteten Autobahnverkehr führte ausgerechnet über Schmalfeld nach Kaltenkirchen. Die Folge: 40-Tonner schoben sich durch die Tempo-30-Zonen von Radensweg und Wiesendamm. Einander begegnende Lkw kamen nicht aneinander vorbei. Es kam auch hier zu Stauungen.

 Dieser Tag brachte bei vielen Anliegern das Fass zum Überlaufen. Das Telefon in der Kaltenkirchener Redaktion der Segeberger Zeitung stand nicht still. Bürger machten ihrem Unmut über Stadtverwaltung und Polizei lauthals Luft. „Das geht hier schon lange gar nicht“, beklagte sich zum Beispiel Stephanie Konsorr aus der Straße Am Redder: „Man kann doch hier nicht die Riesenlaster einfach durchfahren lassen.“ Von der Polizei sei sie bei ihrem Anruf abgewimmelt worden. Auch ohne die Sperrung der Autobahn sei der Umleitungsverkehr schon nicht zumutbar gewesen.

 Das findet auch Lange. Der Straßenbauingenieur kennt sich in der Materie aus, und sein Urteil über die von der Stadtverwaltung angeordnete Straßenführung fällt vernichtend aus: „Schlecht, gefährlich, ungenügend.“ So sei an Teilen des Wiesendammes nicht einmal ein Fußgängerstreifen vorhanden. Die Straße werde aber von vielen Spaziergängern und Fahrradfahrern genutzt. „Diesen Weg kann man doch nicht zur Hauptverkehrsstraße machen.“ Dabei wäre nach Langes Worten alles so einfach gewesen. Ab Schmalfeld hätte die Umleitungsstrecke zuerst in Richtung Struvenhütten und dann über Oersdorf nach Kaltenkirchen führen können. Auf geeigneten Fahrbahnen. Das wären 2,4 Kilometer mehr gewesen und hätte drei Minuten länger gedauert, hat Lange recherchiert: „Und diese Strecke ist sicher.“ Traurig und ein bisschen erbost ist er darüber, dass er weder bei Stadtverwaltung noch Polizei Gehör fand.

 Kaltenkirchens Polizeichef Bodo Nagel sprach von einer sehr ungewöhnlichen Situation nach dem Autobahnunfall. Da müssten Anwohner auch schon mal Beeinträchtigungen hinnehmen.

 Rathaus-Pressesprecher Martin Poschmann sagte, dass die Stadt keinen Einfluss auf die Umleitungsstrecke nach dem Autobahnunfall hatte, die in der Tat nicht glücklich gewesen sei. Dass eine Umleitung über Oersdorf, wie zum Beispiel von Lange gefordert, die Situation im Radensweg oder im Wiesendamm entschärft hätte, bezweifelt Poschmann: „Autofahrer suchen sich den günstigen Weg.“ Optimal, das gibt aber auch er zu, sei eine Umleitung durch Tempo-30-Zonen sicherlich nicht.