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Segeberg Unterschriftenlisten gegen Straßenstrich
Lokales Segeberg Unterschriftenlisten gegen Straßenstrich
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20:30 24.07.2014
Von Alexander Christ
Dutzende gebrauchter Kondome liegen in einem Waldstück nahe des Parkplatzes im Barker Ortsteil Bockhorn herum, auf dem Prostituierte ihre Kunden treffen.
Bark/Hasenmoor

Über 200 Unterstützer aus Bark haben sich inzwischen auf einer Unterschriftenliste eingetragen, die schon bald an den Petitionsausschuss des Landes geschickt werden soll.

 Weitere Unterschriften von Gegnern des Straßenstrichs an der B 206 sollen am Sonnabend, 2. August, von 10 bis 18 Uhr vor dem Ausgang des Bad Segeberger Einrichtungshauses Möbel Kraft gesammelt werden. Das ist mit der Hausleitung abgestimmt, wurde der SZ aus der Kraft-Chefetage in Bad Segeberg bestätigt.

 Rückenwind erhalten die Straßenstrich-Gegner aus der Nachbargemeinde Hasenmoor. Dort sammelt Bürgermeister Klaus-Wilhelm Schümann, unterstützt von freiwilligen Helfern, ebenfalls fleißig Unterschriften.

 Die Prostituierten bieten ihre Dienste auf mindestens vier öffentlichen Parkplätzen zwischen dem Barker Ortsteil Schafhaus und kurz vor der Autobahnauffahrt auf die A7 bei Bad Bramstedt an. Besonders zu leiden unter den ungeliebten Nachbarn hat Heino Brandt. Der verheirate Vater von zwei kleinen Töchtern lebt mit seiner Familie in einem Einfamilienhaus im Barker Ortsteil Bockhorn.

 Ein öffentlicher Parkplatz, auf dem eine der insgesamt sechs Prostituierten ihrem Gewerbe nachgeht, ist nur einen Steinwurf von seinem Haus entfernt. „Meine Kinder trauen sich schon seit langem nicht mehr alleine vom Grundstück. Mehrmals haben sie in dem Waldstück vor unserem Haus bereits unbekannte Menschen bemerkt, vor denen sie sich fürchteten. Das kann nicht angehen“, ist Brandt empört.

 Ebenfalls schlechte Erfahrungen mit dem Freier einer Prostituierten machte Doris Laß aus dem Barker Ortsteil Schafhaus. „Bei einem Waldspaziergang mit meinem Hund raste mir auf einmal auf einem Waldweg ein Auto mit einem Mann hinter dem Steuer entgegen. Um ein Haar wäre ich überfahren worden. Das war einfach nur schrecklich.“

 Dass es sich bei den sechs Prostituierten um eine gut organisierte Gemeinschaft handelt, davon ist Jürgen Drewes‘ Ehefrau Margret überzeugt. „Die Mädchengruppe wird jeden Tag von einem großen Jeep zu den einzelnen Parkplätzen gebracht, der sie dann abends auch wieder einsammelt“, sagte Margret Drewes.

 Sauer ist auch Hasenmoors Bürgermeister Schümann. „Vor wenigen Tagen bin ich die B206 bis nach Bad Segeberg gefahren. Auf allen auf der Strecke liegenden Parkplätzen standen die Mädchen in ihren kurzen Röcken. Familien mit Kindern würden hier doch niemals rasten oder picknicken.“ Deswegen unterstützt er den Barker Bürgerprotest.

 Ebenso wie Barks Bürgermeister Hartmut Faber. „Ich finde es toll, dass die Bürger jetzt Unterschriften sammeln.“ Er selbst habe allerdings keine Möglichkeiten, dem geschäftigen Treiben auf den Rastplätzen ein Ende zu setzen. „Es handelt sich um eine Bundesstraße. Da kann ich nichts tun.“

 Das Ordnungsamt des Amtes Leezen sowie der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr in Lübeck sind über die Existenz des Straßenstrichs informiert, auch die Polizei. Doch alle Papiere der Prostituierten seien in Ordnung, und die neue Gewerbefreiheit für Bürger aus EU-Staaten erlaube auch die Prostitution in anderen EU-Mitgliedsländern, sagt Sandra Mohr, Pressesprecherin der Polizeidirektion Bad Segeberg.

 Nun setzen die Straßenstrich-Gegner ihre ganze Hoffnung auf weitere Unterstützer, die sich in ihrer Liste eintragen. Die Listen, auch die aus Hasenmoor, werden nach Aussage von Jürgen Drewes Anfang August an den Petitionsausschuss des Landtages weitergeleitet.