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Segeberg Viiiiiivaaaaaaaa Colooooniiiiiiaaaa!
Lokales Segeberg Viiiiiivaaaaaaaa Colooooniiiiiiaaaa!
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21:00 08.05.2011
Bad Segeberg

Das Wetter war mit Sonnenschein und lauschigen 23 Grad Celsius einfach herrlich. Optimale Bedingungen also für eine gut vierstündige Party, durch die Moderator Christian Schröder in gewohnt charmanter und sympathischer Weise führte.

Die einzigen beiden Schwachpunkte waren der Anfang und der Schluss. Zu Beginn hätte es Countrystar Gunter Gabriel („Hey, Boss - ich brauch mehr Geld!“) ruhig bei seiner Musik belassen sollen und weniger weitschweifig über sein streckenweise verpfuschtes Leben reden sollen. Da gab es schon mal einzige Pfiffe. Und der als „Special Guest“ angekündigte Shakin Stevens („Marie, Marie“) spulte sein knapp halbstündiges Programm zwar routiniert, aber ziemlich lust- und emotionslos runter.

Alles, was dazwischen kam, war jedoch die gewohnte Klasse der NDR-Show am Kalkberg. Die „Olsen Brothers“ aus Dänemark hatten natürlich mit ihrem Grand-Prix-Siegtitel „Fly On The Wings Of Love“ ein dickes Pfund im Repertoire. Aber auch Cover-Versionen wie „Cant Help Falling On Love With You“ und die Disco-Fox-Nummer „San Francisco“ kamen an. Das ohnehin feierfreudige Publikum - ausgerüstet mit albernen Hüten, Perücken und Sonnenbrillen - kam bei diesem Rhythmus erstmals so richtig in Stimmung. Nebenbei rührten die dänischen Brüder kräftig die Werbetrommel für ihre neue CD „Wings Of Eurovision“, auf der sie ein Dutzend Siegertitel im eigenen Stil interpretieren. In Bad Segeberg lieferten sie eine rockige Version von „Waterloo“ als Vorgeschmack ab.

Dann kam Jürgen Drews, der „König von Mallorca“: wie immer schlank, durchtrainiert und jungenhaft - und mit 66 Jahren mittlerweile im Rentenalter. Er hüpfte im pinkfarbenen T-Shirt (Aufschrift: „Bang! Boom! Bang!“) wie einst in den 70er Jahren über die Bühne, brachte einige mit ihm gealterte Damen direkt vor der Bühne zum Schmachten und sang sich kreuz und quer durch seine Erfolge: vom „Bett im Kornfeld“ und „Mamma Loo“ von den Les-Humphries-Singers bis hin zu „Ich bau dir ein Schloss“. Sogar eine Kostprobe aus dem noch nicht veröffentlichten Titel „Wunderkerzen“ gab er zum besten.

Die „Saragossa Band“ machte mit „Agadou“ und „Zabadak“ da weiter, wo Drews gerade aufgehört hatte und bildete einen tollen Übergang zu einer Kult-Band aus Köln: „De Höhner“ waren da - und 11000 norddeutsche Kehlen brüllten „Viiiivaaaaaa Colooooniiiaaa!“. Auch andere Party-Kracher wie „Die Karawane zieht weiter“ (Der Sultan hätt Doosch, der Sultan hätt Doosch, der Sultan hätt Doosch) und die Handball-Hymne „Wenn nicht jetzt, wann dann?!“ ließen Winnetous Jagdgründe beben.

Nach dem schnauzbärtigen Höhner-Sänger Henning Krautmacher kam dann ein optisches Kontrastprogramm: Sängerin „Loona“ mit einer ebenso knackigen Tanzcombo. Die Holländerin, die mittlerweile auf Mallorca lebt, hatte ihre größten Hits mit „Bailando“ und „Vamos a la playa“. Auch sie erlag der Versuchung, einen Titel vom neuen Album zu spielen (was sich bei solchen Hit-Marathons mitunter als Stimmungskiller erweist). Auch passte die dramatische Ballade „Hijo de la luna“ nicht so recht ins Programm.

Nach all den modernen Tanzchoreografien, Lichteffekten und wummernden Bässen kam ein Mann, der nur eine Gitarre braucht, um Tausende von Menschen zu unterhalten. Mike Krüger zog natürlich wieder den „Nippel“ durch die Lasche und kalauerte derart flach, dass einige Witze sogar beim Höhlenkäfer unter dem Kalkberg angekommen sein dürften. Was sagt zum Beispiel der Gesichtschirurg zu seinem Assistenten? „Halt doch mal die Fresse!“ Das Ganze servierte er so gewohnt trocken und cool, dass die Zuschauer aus dem Lachen gar nicht wieder herauskamen. Er coverte DJ Ötzis Hit „Ein Stern“ mit „Ein Korn, der deinen Namen trägt“ und auch „Ein Bett im Kormfeld“ des Kollegen Drews wurde witztechnisch verarbeitet. Alles in allem: Der NDR hatte wieder eine zum größten Teil wirklich zündende Musik-Mischung zusammengestellt.

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