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Segeberg Bürgerwille statt Parteien
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12:00 14.10.2016
Von Petra Stöver
Klaus Mairhöfer aus Bargteheide bewirbt sich als Einzelkämpfer um ein Direktmandat im Bundestagswahlkreis Segeberg/Stormarn-Mitte. Quelle: Petra Stöver
Kreis Segeberg

Mairhöfer ist 66 Jahre alt, stammt aus Stuttgart, ist verheiratet, hat zwei erwachsene Söhne und wohnt mit seiner Frau in Bargteheide. Der Beruf verschlug ihn nach Norddeutschland, der Diplom-Betriebswirt hat als Manager verantwortlich auch in großen Unternehmen gearbeitet. Jetzt, im Fast-Unruhestand, ist er als Berater unter anderem für ein ökologisches Modellprojekte, genannt E-Wald, in Bayern tätig. Wenn Zeit bleibt, fährt er gern mit dem Wohnmobil oder dem Motorrad, außerdem liest er sehr viel. Ein politisches Programm hat er nicht, sondern sieht sich ganz dem Wählerwillen, den selbstorganisierten Bürgern verpflichtet.

 Wie ein einsamer Einzelkämpfer wirkt Mairhöfer nicht, und ganz allein ist er auch nicht, sondern Teil einer bundesweiten Initiative von parteilosen Direktkandidaten. Deshalb spricht er auch oft im Plural: „Wir sind noch nicht so weit, wir sind ja noch am Anfang, wir haben noch viele ungelöste Fragen.“ Er vergleicht die Bewegung mit der Gründungsphase der Grünen 1980.

 Heute seien viele Menschen mit Politikern und etablierten Parteien unzufrieden, während Populisten enormen Zulauf bekommen, sagt Mairhöfer. Die AfD erreichte bei der Landtagswahl im September in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Stand 20,8 Prozent der Stimmen - auch weil sie Protestler und Nichtwähler wieder an die Wahlurne bringt. Aus diesem Reservoir der Unzufriedenen will auch Mairhöfer schöpfen, ohne dabei an den rechten Rand abzugleiten. „Wir wollen das Feld nicht den Schreihälsen überlassen.“ Er sei in Sorge wegen der politischen Stimmung in einigen Ecken des Landes.

 „Ich bin kein Gutmensch“, stellt der 66-Jährige allen voran. Wer wie er die Parteienverdrossenheit aufbrechen wolle, müsse „raus aus der Komfortzone“. Bürger sollten sich als „Gegengewicht zu den Parteien“ direkt einmischen. Bei der Kommunikation werde das Internet die größte Rolle spielen. Er wolle „neutral und objektiv“ über anstehende Entscheidungen informieren, dazu die mehrheitliche Meinung der Bürger seines Wahlkreises einholen und deren Votum dann vertreten.

 Dennoch sei er „absolut kein Freund von Volksentscheiden“, sagt Mairhöfer. Sie würden Demagogen Tür und Tor öffnen. Der „Königsweg“ liege in der Mischung aus repräsentativer und direkter Demokratie.

 Mairhöfer rechnet sich „realistische Chancen“ aus, das Direktmandat im Wahlkreis zu erringen. Das holte vor vier Jahre Gero Storjohann (CDU) mit gut 83000 Stimmen. Allerdings weiß er auch, dass es seit 1949 kein einziger Einzelkämpfer ins Parlament geschafft hat. Mairhöfer bleibt gelassen: „Auch wenn es nichts wird, hab ich trotzdem was getan.“

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