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Segeberg Traum vom Segelflugzentrum ist geplatzt
Lokales Segeberg Traum vom Segelflugzentrum ist geplatzt
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10:15 10.10.2019
Von Michael Stamp
In Wahlstedt starten seit Jahrzehnten Segelflieger in die Lüfte. Der Ausbau zum Segelflugzentrum ist nun gescheitert. Quelle: privat
Wahlstedt

Die Wahlstedter wissen, wie Torsten Maaß, Vorsitzender des Luftsportvereins (LSV), beteuert, noch nicht einmal den Grund für den Sinneswandel. „Uns sind keine Details mitgeteilt worden. Es wurde in Lübeck auf Mitgliederantrag eine Sitzung einberufen. Dort hat man beschlossen, den Umzug nicht zu machen.“ Diese Information sei dann die einzige gewesen, die in Wahlstedt ankam.

Maaß kann der neuen Lage aber auch etwas Positives abgewinnen. „Wir waren nicht zu der Sitzung eingeladen. Ich habe aber gehört, dass es ein knapper Beschluss war.“ Mit solch einem in einer Kernfrage tief gespaltenen Verein wäre die Zusammenarbeit vermutlich sehr schwierig geworden. „Wir als LSV sagen: So haben wir ein Ende mit Schrecken, sonst hätten wir einen Schrecken ohne Ende.“

Flugzeughalle mit 2500 Quadratmetern war geplant

Noch vor wenigen Monaten hatte es so ausgesehen, als ob das Millionenprojekt planmäßig über die Bühne gehen würde. Eine neue Flugzeughalle mit bis zu 2500 Quadratmetern war geplant, ebenso ein neues Vereinsheim und eine Verlängerung der Start- und Landebahn um etwa 200 Meter. Angepeilt war zudem, gemeinsam einen neuen Verein zu gründen.

Vereinsgelände soll trotzdem ausgebaut werden

Wachsen wird der Wahlstedter Luftsportverein aber nun auch ohne Fusion mit den Lübeckern, wie Maaß sagt. „Wir überlegen trotzdem, uns baulich anders aufzustellen.“ Eine Menge Fachwissen ist allein schon durch den Vorsitzenden im Verein vorhanden, denn Torsten Maaß ist der Leiter des Wahlstedter Bauamtes. Doch auch personell erleben die Luftsportler eine Vergrößerung, denn laut Maaß haben sich etwa 20 frustrierte Lübecker Segelflieger dem Wahlstedter Verein angeschlossen. „Das ist, soviel ich weiß, über die Hälfte der aktiven Flieger aus Lübeck.“

Das gemeinsame Segelflugzentrum von Wahlstedter und Lübecker Fliegern ist geplatzt.

Die Zusammenlegung der beiden Vereine war angestrebt worden, weil die Lübecker auf ihrem Gelände in Blankensee seit Jahren mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Mehrfach hat der auch von Passagierflugzeugen angeflogene Flughafen in kurzer Zeit den Betreiber gewechselt. Innerhalb von gerade mal zwei Jahren meldeten zwei Gesellschaften – eine aus Ägypten, eine aus HongkongInsolvenz an. 

Chinesischer Investor sperrte den Aero Club aus

Besonders die Übernahme durch den chinesischen Investor hatte laut Maaß zu erheblichen Problemen für die Segelflieger geführt. „Er wollte keinen Segelflug mehr auf dem Gelände“, schildert Maaß. „Die Vereinsmitglieder kamen hin und wurden des Platzes verwiesen. Die Tore waren zugekettet.“ Nach einigem Hin und Her sei es dann zumindest möglich gewesen, das Clubhaus und die eigenen Liegenschaften zu betreten – aber starten durfte der Aero Club nicht. Der Segelflug sei sogar aus der Genehmigung für den Platz gelöscht worden.

Lübecker Schulungen finden in Wahlstedt statt

Dies sei der Moment gewesen, in dem die Lübecker nach Wahlstedt ausgewichen sind, berichtet Torsten Maaß. Unter anderem sei der komplette Schulungsbetrieb des Aero Clubs auf das Gelände im Kreis Segeberg verlagert worden. So wurde ein Lübecker Schulungsflugzeug nach Wahlstedt verlegt, und auch Lehrer und Schüler erschienen vor Ort. „Die sind auch immer noch da“, sagt Maaß. Dies sei die Gruppe, die nun den Verein wechseln wolle.

Lesen Sie auch: Lübecker schweigen sich über Gründe für geplatzte Segelflug-Fusion aus

Der Zuwachs gehört zu den Hauptargumenten, die für eine Modernisierung des Wahlstedter Fluggeländes sprechen. „Wir stoßen, was Wartung und Instandhaltung angeht, inzwischen einfach an unsere Grenzen“, sagt Torsten Maaß. Die Pläne für die Erweiterung müssen nun noch einmal angepasst werden, weil der Partner aus Lübeck fehlt.

Nebeneinander von Passagier- und Segelflugzeugen ist schwierig

Auf dem Flugplatz Blankensee darf, wie Maaß weiterhin erläutert, bereits seit 2017 wieder von Segelfliegern gestartet werden. Allerdings wurden in den neu getroffenen Pachtvertrag auch einige Beschränkungen aufgenommen, die dem Aero Club nicht schmecken. So dürfen immer höchstens zwei Segelflieger gleichzeitig in der Luft sein, um nicht den kommerziellen Luftverkehr zu behindern. Das Nebeneinander von Passagier- und Segelflugzeugen ist aus planerischen Gründen und Sicherheitsaspekten nicht einfach. Dies ist, wie Maaß erklärt, auch ein Grund dafür gewesen, die Schulungen nach Wahlstedt zu verlegen. So konnten in der Hansestadt die knapp bemessenen Kapazitäten der Hobbypiloten zumindest etwas entlastet werden.

Noch im Vorjahr hatten die Lübecker das genauso gesehen. Der damalige Aero-Club-Vorsitzende Rüdiger Kosemund hatte betont, dass seine Vereinskameraden „als motorlose Freizeitflieger im Konzert der Verkehrs- und Geschäftsfliegerei stets das letzte Glied der Kette darstellten und deshalb in der Vergangenheit allzu oft am Boden bleiben mussten, um anderen den Vorrang zu lassen“. In Wahlstedt gebe es solche Hindernisse nicht, hatte er ergänzt. 

Skeptiker gewannen in Lübeck offenbar die Oberhand

Doch schon damals klang zwischen den Zeilen Skepsis durch. So hatte LSV-Pressesprecher Karsten Wilkening angemerkt: „Die Lübecker Segelflieger haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, denn viele Mitglieder wären gerne an ihrem Heimatflughafen geblieben.“ Diese Fraktion scheint nun die Oberhand gewonnen zu haben.

Für Torsten Maaß bleibt nach dem Aus vor allem eins: eine Menge Wehmut. „Wir halten das für eine riesengroße verpasste Chance.“ 

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Die Gründe für die abgesagte Fusion mit dem Wahlstedter Luftsportverein bleiben im Dunkeln. Auch auf konkrete Nachfrage äußert sich der Aero Club von Lübeck nicht zu den Argumenten, die das Projekt zum Scheitern gebracht haben.

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