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Segeberg Was macht die Jolle auf dem Bleeck?
Lokales Segeberg Was macht die Jolle auf dem Bleeck?
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05:58 21.05.2013
Von Uwe Straehler-Pohl
Die Jüngsten der Fleckensgilde, Martin Wisy (von links) und Bernd Mordhorst, beeindruckten Zuschauer und die Vorständler Harmut Otto, Hans-Jürgen Kütbach, Thomas Ullendahl, André Bohnensack, Dr. Manfred Spies, Ansgar Schroedter und Reimer Fülscher mit einer Jolle.
Bad Bramstedt

Auch diesmal hatte sich der „erste Jüngste“ ein originelles Fortbewegungsmittel einfallen lassen müssen, um sich standesgemäß vor dem Vorstand und der Öffentlichkeit einzuführen. Hobbysegler Dr. Martin Wisy traf in einer Jolle auf dem Bleeck ein. Während Wisy und der zweite Jüngste, Bernd Mordhorst, mit Stangen staksten, um das Boot ohne Wasser unterm Kiel voranzubringen, zeigte Wisys 13-jährige Tochter Svea ihrem Vater, wo es lang ging. Sie lenkte die Achse des rollenden Untergestells mit einem Strick - was so aussah, als zöge sie die ganze Fuhre. Entsprechend wurde sie beim Eintreffen vor dem Kaisersaal mit großen Applaus bedacht.

 Sogar auf Details hatte Wisy großen Wert gelegt. Die Beflaggung am Mast der Jolle bedeutete nach dem international gültigen Flaggen-Alphabet: „De Gill schall leben“ - die obligatorische Begrüßung zur Pfingstzeit. Belohnt wurden die Umstehenden mit Gildegeist, bevor die Gesellschaft mitsamt Boot sich noch einmal vor dem Roland zum Fototermin aufstellte. Er zeigte ein wenig der Symbolik, die zum Grundgedanken der Fleckensgilde passt: In Notsituationen füreinander einzustehen und sich gegenseitig zu helfen. Alle Vorstandsmitglieder hatten den am Bug befestigten Strick aufgenommen und zogen so an einem Strang.

 Danach begann für die beiden Jüngsten und den Vorstand ein langer Tag. Zunächst einmal ging es zum scheidenden Ex-Öllermann Andreas Bernecker und Ehefrau Angela Schnack zu einem kräftigen Frühstück. Anschließend wurde der Inspektionsgang, so die Umschreibung des feuchtfröhlichen Zuges, ins Kurgebiet fortgesetzt. Eines der Ziele war das Klinikum.

 Schließlich stand noch eine sportliche Übung auf dem Programm. Auf dem Platz des Golfclubs Bad Bramstedt konnte die muntere Gesellschaft zeigen, ob ihr Gildegeist sich auch als Zielwasser eignet. Unter geduldiger Anleitung von Golflehrer Chukwuemeka Anthony wurden erste Abschläge geübt. Am Ende traf mancher sogar statt des Rasens den kleinen weißen Ball.

 Am Pfingstdienstag wird der Inspektionsgang in der Stadt - natürlich in „swatter Kledage“ und mit Stock und Zylinder - fortgesetzt. Dabei sucht die Gilde Geschäfte auf und verwöhnt auch Vorübergehende mit Gildegeist, die dabei zudem ein wenig Nachhilfeunterricht in Gilde-Tradition erhalten.

 Wie immer wird dem Bürgermeister, dieses Jahr wird es sein Stellvertreter Burkhard Müller sein, um 8 Uhr der Schlüssel vom Rathaus abgenommen, ein Symbol für die Übernahme der Amtsgeschäfte durch die Gilde. Dabei wird Gildemeister Ansgar Schroedter den Gildebefehl verlesen. Darin erhalten die Stadtoberen den Auftrag, einen von der Gilde festgestellten Missstand in der Stadt abzustellen. Müller, der das Gilde-Vorstandsmitglied Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach vertritt, hat nur wenig Zeit, sich etwas einfallen zu lassen, wie er den Mangel beseitigen lassen will. Denn bereits auf dem am Abend stattfindenden Gildeball muss er eine Lösung parat haben. Dabei mangelt es meist nicht so sehr an Fantasie und guten Ideen. Problem ist, dass die Lösung in Plattdeutsch vorgetragen werden muss, einer Sprache, mit der Müller nicht aufgewachsen ist. Doch wie immer kann er sich auf Helga Koch verlassen, die das Dolmetschen übernimmt. Außerdem wird beim Ball der neue Jüngste bekannt gegeben, eine den Bad Bramstedtern nicht unbekannte Persönlichkeit in diesem Jahr. Der Name ist bis zum Ball aber nur Insidern bekannt.

 Zurückzuführen ist die Tradition der Fleckensgilde auf den Fleckensvorsteher Jürgen Fuhlendorf. Er hatte 1685 dafür gesorgt, dass die Bramstedter vor der Leibeigenschaft durch den Grafen von Kielmannsegg bewahrt werden konnten, indem sie viel Geld zusammentrugen, um sich freizukaufen. In Erinnerung an ihn wird alljährlich sein Vermächtnis eingelöst, am Dienstag nach Pfingsten bei Sonnenuntergang um den Roland zu tanzen.