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Segeberg Geplante A20 führt durch Naturoasen
Lokales Segeberg Geplante A20 führt durch Naturoasen
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10:43 13.07.2019
Von Einar Behn
Margitta und Dietrich von Prondzinski verbringen jeden zweiten Tag in der Natur, um Tiere zu filmen.
Margitta und Dietrich von Prondzinski verbringen jeden zweiten Tag in der Natur, um Tiere zu filmen. Quelle: Dietrich von Prondzinski
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Weddelbrook

Wer mit dem Auto oder dem Fahrrad durch die Gegend fährt, sieht überwiegend Mais- und Getreidefelder oder Wiesen. Die Landwirtschaft dominiert die Natur – so scheint es. Doch zwischendrin gibt es kleine Oasen, häufig nur Teiche, die von keinem Weg aus zu sehen sind. Das Weddelbrooker Ehepaar, dem früher eine Maschinenfabrik in Trittau gehörte, kennt sie jedoch alle. Der Große Brachvogel, Rebhühner, Kraniche, Austernfischer, der Rote Milan, ein Seeadlerpaar, Sumpfohreulen und Knoblauchkröten haben hier ihren Lebensraum. 

Und im Winter riesige Kolonien von Zwergschwänen. Sie waren der ursprüngliche Grund, weshalb das Paar mit den Kameras und langen Objektiven in die Natur zog. Die Planer der A20 hatten vor zwei Jahren angekündigt, die Schwäne umzusiedeln. Von Prondzinskis zeigten mit ihren Filmaufnahmen, dass dies ein unsinniger Plan ist. Allein schon wegen der großen Menge an Vögeln ist ein Umsiedeln unmöglich. Das musste auch die Projektgesellschaft Deges einsehen, die vom Land 2017 mit der Autobahnplanung beauftragt wurde. Die Deges hat einen Arbeitskreis Zwergschwäne eingerichtet, der mit Ortskundigen und Naturschützern nach Lösungen suchen soll. Eine Möglichkeit wäre, andere Wiesen weiter abseits der neuen Autobahn ökologisch so aufzuwerten, dass die Zwergschwäne diese als ihr Winterquartier akzeptieren. Das zumindest ist die Hoffnung der Deges.

Ein ganzes Dutzend Milane fotografiert

Aber die Zwergschwäne sind bei Weitem nicht das einzige Problem. Das Weddelbrooker Tierfilmerpaar hat mittlerweile so spektakuläre Aufnahmen im Archiv, dass es wohl auch für Straßenplaner schwieriger wird, die Probleme mit dem Naturschutz zu ignorieren. In einer Filmsequenz haben die beiden gleich ein ganzes Dutzend Milane festgehalten, in einer anderen ein Kranichpaar mit einem Küken. „Das haben wir alles in unmittelbarer Nähe der künftigen Autobahn gefilmt“, versichert Dietrich von Prondzinski. „Hier soll der Lebensraum von streng geschützten Arten zerstört werden.“ 

Etliche Kröten fielen in die Eimer

Zu spät ist es aber noch nicht. Es geht hier, westlich von Bad Bramstedt, um die Planungsabschnitte 5 und 6. Die Planungen hatten geruht, weil der Bau der Autobahn bei Bad Segeberg noch immer gestoppt ist. Allerdings wurden sie nun wieder aufgenommen. Zurzeit laufen Kartierungen von Flora und Fauna. Sichtbares Zeichen dafür waren im Frühjahr die Krötenzäune und Eimer entlang der geplanten Trasse, mit denen die Deges die Krötenwanderungen dokumentieren wollte. „Da sind jeden Tag etliche Kröten und auch andere Tiere in die Eimer gefallen“, weiß Dietrich von Prondzinski. Für ihn ein weiterer Beweis dafür, das hier ein wichtiger Lebensraum der Amphibien zerstört werden würde. 

Planverfahren wieder angelaufen

Das Planfeststellungsverfahren soll im zweiten Quartal 2020 eröffnet werden. Einen Termin für den Baubeginn gibt es bisher nicht. Dietrich von Prondzinski will bei der Planung ein Wort mitreden, der Deges seine Aufnahmen präsentieren. „Ich sitze dann mit dem Nabu mit am Tisch“, sagt er. „Ein bisschen Hoffnung machen mir die Schüler-Bewegung Fridays for Future und die von ihnen ausgelöste Sensibilität für den Klimaschutz“, sagt der 79-Jährige. „Wenn alle von Klimaschutz reden, ist es doch wohl ein falsches Signal, in diesem sensiblen Gebiet eine Autobahn zu bauen.“ 

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