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Segeberg Yorlan bekommt in Deutschland Prothesen
Lokales Segeberg Yorlan bekommt in Deutschland Prothesen
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09:58 15.05.2019
Von Uwe Straehler-Pohl
Den Kugelschreiber zwischen Armstumpf und Wange eingekemmt, kann Yorlan sogar schreiben. Bruder Jorge Luis assistiert ihm in allen Lebenslagen. Hartmut Götze (links) und Werner Weiß (rechts) unterstützen den 19jährigen Peruaner seit er ein Baby ist. Quelle: Uwe Straehler-Pohl
Bad Bramstedt

Nach einem 14 Stunden dauernden Flug von Lima über Amsterdam nach Hamburg, wurde Yorlan zusammen mit seinem Bruder Jorge Luis, der ihm in allen Lebenslagen assistiert, in Hamburg von Weiß und Götze in Empfang genommen. „16 Familienangehörige haben ihn am Flughafen verabschiedet“, erzählte Werner Weiß. Die peruanische Familie halte sehr zusammen. 

In Duderstadt werden Prothesen gefertigt

Grund für die lange Reise nach Deutschland ist, dass für Yorlan in Duderstadt Armprothesen angefertigt werden, sogenannte Krallen, mit denen er greifen kann. Hinzu kommt ein dreiwöchiges Training bei der Firma Bock, die Menschen aus aller Welt mit maßangefertigten Prothesen versorgt. Rund 20000 Euro sind für beides veranschlagt. „Die Prothese wird nicht elektronisch gesteuert. In Duderstadt wird mit Physiotherapeuten und Technikern geprüft, wie Yorlan die Prothese mit seinen Muskeln steuern kann“, erklärte Werner Weiß, der sich schon seit 1970 für das Andenland engagiert und die Peruhilfe des DRK-Kreisverbandes Segeberg leitet. 

Die Peruhilfe und die Otto-Bock-Stiftung kommen auch für die weiteren Kosten auf wie für Flugtickets und Unterbringung. „Wir mussten auch erst mal unserer Witterung angepasste Kleidung kaufen“, so Weiß. „Die Brüder kamen nur mit Handgepäck aus dem warmen Peru.“

Werner Weiß' Peru-Aktivitäten

Als junger Mann kam Werner Weiß 1970 erstmals als Erdbebenhelfer es DRK Kreisverbandes Segeberg nach Peru. Er blieb dem Land immer verbunden. Und so erfuhr er auch von Yorlan Pacush Guerrero, der vor 19 Jahren in der Nähe der Anden-Stadt Caraz ohne Gliedmaßen geboren wurde. Weiß' größtes Projekt für den Jungen: Mit Spendengeldern aus Deutschland konnte ein kleines Haus gebaut werden, das sich neben einer Grundschule befindet. In seinem Dorf in 3000 Meter Höhe hätte Yorlan keine Chance gehabt, ohne Beine jemals eine Schule zu besuchen. Er wäre wohl als Bettler geendet. 

Weiß hat sich noch diversen anderen Projekten in Peru gewidmet. So sorgte er beispielsweise dafür, dass zahlreiche Kinder mit Gaumenspalten von deutschen Ärzten operiert wurden. Zuletzt war Weiß im Januar 2019 in Peru, um Yorlan zu helfen, aber auch um den siebenjährigen Noe, der mit Lippen-, Gaumen- und Kieferspalte zur Welt kam und nun auch noch einen Herzfehler hat, in ein Krankenhaus nach Lima zu bringen. Weiß musste das Kind aus einem Dorf abholen und dazu einen 4800 Meter hohen Andenpass überwinden.

Nur kurzer Aufenthalt in Bad Bramstedt

Nach einem kurzen Aufenthalt in Bad Bramstedt brachten Weiß und Götze die Peruaner nach Duderstadt.   Werner Weiß, in Bad Bramstedt auch Vorsitzender der Lebenshilfe, verfügt über ein weit gesponnenes Netzwerk, durch das er auch die Betreuung in Duderstadt sicherstellen konnte. „Die wird von der dortigen Lebenshilfe und der Caritas übernommen“.

Begonnen hatte die Unterstützung von Yorlan, nachdem eine in Berlin lebende Peruanerin Werner Weiß um Hilfe gebeten hatte. Ein PC, die Gipsform, damit ein passender Rollstuhl angefertigt werden konnte, der Rollstuhl selbst, die Begleitung bei Operationen sind nur einige Dinge, um die sich Weiß und Götze gekümmert haben. Nicht zuletzt brachten sie Spenden im Kreis Segeberg dafür zusammen, dass Yorlan eine kleine, eigene Unterkunft bekam, die nahe seiner Grundschule in Pueblo Libre erbaut wurde. „Der Rektor hat mir erzählt, dass er einer der besten Schüler ist“, sagt Weiß.

Nach der Grundschule besuchte Yorlan die Sekundaria, die Schule, die zum Abitur führt und rund vier Kilometer von seinem Wohnhaus entfernt lag. „Lange Zeit hat ihn die Mutter dorthin getragen. Später konnten wir über Spenden eine Motorrikscha beschaffen, mit der er von den Familienangehörigen dorthin gefahren wurde“, so Weiß.

Nach seiner Behandlung in Deutschland beginnt für Yorlan ein neuer, wichtiger Lebensabschnitt. Er wird ein Studium der Ökonomie beginnen.

Spendenkonto

Spendenkonto: DRK Kreisverband Segeberg, Peruhilfe, Kennwort Yorlan, Sparkasse Südholstein, IBAN: DE 32230510300000035017, BIC NOLADE21SHO

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