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Segeberg Wölfe und Kinder trotzten dem Regen
Lokales Segeberg Wölfe und Kinder trotzten dem Regen
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08:00 27.02.2017
Von Jann Roolfs
Der Eekholter Wolf beobachtete interessiert das Geschehen an seinem Gehege. Höhepunkt der Wolfsnächte ist die Fütterung der Raubtiere. Quelle: Jann Roolfs
Großenaspe

„Für die Kinder gibt es kein schlechtes Wetter.“ Martinas Sohn Tim (5) aus Hamburg war wasserdicht und warm eingepackt. Er versuchte einen Speer durch einen Ring zu werfen, der in zweieinhalb Metern Höhe zwischen Bäumen hing. Tim und sein gleichaltriger Freund Dean spielten draußen, ihre Eltern hatten sich lieber ins Zelt zurückgezogen: Drei Grad und Regen machten den Ausflug in den Wildpark zur frösteligen Angelegenheit.

 Viele Besucher suchten Schutz unter Regenschirmen oder in Zelten und Buden, das Lagerfeuer und die Feuerschalen waren als Wärmequellen willkommen. Als Wildpark-Mitarbeiterin Heide Hansen zu Musik und Vorlesen in eine Jurte mit Feuerschale lud, füllte sich das Zelt schnell.

 Kinder konnten basteln oder sich schminken, Speere oder Hufeisen werfen und bei einer Wolfsrallye mitmachen. Der Freundeskreis freilebender Wölfe hatte einen Infostand aufgebaut, Organisationen, die sich mit Schlittenhunden beschäftigen, das freie Institut für Wildtierschutz und die Wolfsbetreuer waren vertreten. Höhepunkt der Wolfsnächte war die Fütterung im beleuchteten Gehege am frühen Abend.

 Bevor die Wölfe in den Mittelpunkt des Interesses rückten, zogen Malamutes die Aufmerksamkeit auf sich. Die Schlittenhunde drehten nachmittags Runden durch den Wildpark, im Schlepp einen Wagen oder Roller. Als die Tiere ahnten, dass es bald losgehen würde, veranstalteten sie ein riesiges Spektakel. Mehrere Helfer mussten die Hunde bändigen. Aber sobald die Musher, die Wagenführer, das Startsignal gegeben hatten, wich das ohrenbetäubende Jaulen und Kläffen konzentrierter Ruhe beim Ziehen.

 Als Premiere war ein Gespann aus Shiba Inus unterwegs, das sind eher kleine, rötliche Hunde aus Japan. Vier von ihnen zogen einen Roller durch den Wildpark.

 Der Wildpark Eekholt ist das Wolfsinformationszentrum des Landes Schleswig-Holstein. Das heißt, hier wird über das sagenumwobene Tier informiert, das seit einigen Jahren immer wieder in Schleswig-Holstein beobachtet wird und manchmal für heftige Diskussionen sorgt.

 Dauerhaft leben in Schleswig-Holstein bisher nur vier Wölfe: die Bewohner des Geheges in Eekholt. Alle anderen, die bisher nachgewiesen wurden, kamen um oder zogen weiter nach Dänemark, erklärte Silke Lütt, die beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) fürs Wolfsmanagement zuständig ist. Sie sieht sich als Vermittlerin zwischen den Lagern, die sich oft beim Stichwort „Wolf“ bilden: Auf der einen Seite steht die Angst vor dem Raubtier, vor allem bei Nutztierhaltern, auf der anderen die Begeisterung, dass der Wolf nach seiner Ausrottung ins Land zurückkehrt. „Wir bemühen uns, die Lager in den Dialog zu kriegen“, erläuterte Lütt ihre Rolle: „Wenn der Wolf hier leben kann und mag, ist das gut. Wenn er nach Dänemark will, ist das auch gut.“

 Wolfgang Springborn ist einer von 70 Wolfsbetreuern in Schleswig-Holstein. Er kümmert sich um Nachweise von Wölfen mit Fotofallen oder genetischen Abdrücken an gerissenen Tieren. Aber den größten Teil seiner Arbeit macht die Beratung von Schafhaltern aus, die am ehesten betroffen sind, wenn ein Wolf statt Wild Nutztiere reißt.

 Wobei sich bei den meisten gemeldeten Angriffen herausstellt, dass nicht Wölfe, sondern Hunde die Tiere gerissen haben. Für 2016 stellte die Landesregierung bei 47 Attacken fest, dass sechs Prozent sicher von Wölfen verübt wurden; bei weiteren 19 Prozent konnte das nicht ausgeschlossen werden. Mindestens drei Viertel der Angriffe wurden jedoch von Hunden verübt.

 Springborn lobt in Schleswig-Holstein zwei Einrichtungen, „um die uns andere Länder beneiden“: Bei der zentralen Hotline (0174/6330335) können Tag und Nacht Risse gemeldet und Fragen gestellt werden. Und dann gibt es noch eine Entschädigung für Tierhalter, deren Vieh von einem Wolf gerissen wurde: Sie gilt hierzulande nicht nur für gewerbliche, sondern auch für private Halter. Was bei den wenigen Übergriffen das Land nicht viel kostet: 2258,19 Euro zahlte Schleswig-Holstein 2016 als Entschädigung an Nutztierhalter. Für Herdenschutzmaßnahmen wurden rund 54000 Euro ausgegeben.

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