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Segeberg 200 besorgte Bürger bei Infotermin von "Gegenwind"
Lokales Segeberg 200 besorgte Bürger bei Infotermin von "Gegenwind"
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18:42 27.01.2020
Von Klaus J. Harm
200 Bürger aus Travenhorst und Seedorf wollten wissen, wie sie sich gegen den geplanten Windpark zwischen Travenhorst und Berlin wehren können. Quelle: Klaus J. Harm
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Travenhorst/Seedorf

Der Protest gegen Windkraftanlagen wiederholt sich: Drohte Ende 2018 der Gemeinde Nehms ein Windkraftgebiet von drei Anlagen, ist es nun die Nachbargemeinde Travenhorst. Hatte sich damals mit „Gegenwind Nehms“ eine Initiative gegen die Windmühlen gebildet, ist es jetzt „Gegenwind Berlin“.

Platzte auch damals bei der ersten Informationsversammlung das Dorfhaus in Nehms aus allen Nähten, war es am Wochenende der große Saal des Restaurants am Torhaus in Seedorf. Über 200 Bürger waren gekommen. Bis auf die Gänge hinaus standen Menschen, auch, um sich ab und an etwas frische Luft zu gönnen.

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Zum Auftakt sprach Diplomingenieur Daniel Pelzer aus Nehms. Er ist vom Fach und bereits zwölf Jahre in der Energieversorgung tätig. Nach Muggesfelde war er damals gezogen, weil er sich aus fachkundiger Sicht nicht hatte vorstellen können, dass hier in der Nähe Windmühlen gebaut werden könnten. 

Anlagen bis zu 255 Metern hoch?

Anhand von Karten skizzierte er, wie es durch Anwendung der harten und weichen Tabuzonen und des Versprechens der 1000-Meter Abstandsregelung zu dem Windenergieprioritätsgebiet Travenhorst kommen konnte.

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Da es sich hier um ein Schwachwindgebiet handele, müssten möglichst hohe Rotoren verbaut werden. „Stand der Technik sind 3,2 Megawatt-Anlagen und hier sind Spitzenhöhen von 180 bis 190 Metern möglich“, erläuterte Pelzer seine Berechnungen. Allerdings soll in Vorverträgen schon die Rede von bis zu 255 Metern Spitzenhöhe bei einem Rotordurchmesser von 170 Metern die Rede sein. 

15 Einzelhäuser und Hausgruppen im 1000-Meter-Umkreis

In Wahlstedt werde derzeit mit 230 Metern Höhe geplant, was ziemlich genau der Höhe des Eiffelturms in Paris entspreche. In Travenhorst hat Pelzer 15 Einzelhäuser und Hausgruppen innerhalb der 1000-Meter Zone gezählt. Denn die Splittersiedlungen Petersruh, Kamp, Passop, Birkenhof und Kiekut zählten nicht zu den geschlossenen Ortslagen, die von der 1000-Meter Regelung geschützt seien.

Fachlich forderte dann Diplomingenieur Gerhard Artinger in seinem Vortrag das Publikum. Er stellte grundsätzlich den weiteren Ausbau der Windkraft in Schleswig-Holstein in Frage und untermauerte dies mit beeindruckenden Zahlen. Über 600 Millionen Euro würden pro Jahr für nicht erzeugten Strom an die Anlagenbetreiber gezahlt. „Im ersten Quartal 2019 waren es allein schon 473 Millionen“, sagte Artinger. Auch würden keine CO2-erzeugenden Anlagen eingespart, weil es immer wieder Tage gäbe, an denen weder Wind wehe, noch die Sonne schiene. 

Sorge um Infraschall

Einen Schwerpunkt legte Artinger auf die Schädigung von Menschen durch Infraschallemissionen. Nach derzeit gültigen Regelungen würden sie nicht gemessen, obwohl Fachärzte sich einig seien, dass sie schädlich für Herz, Kreislauf und das Nervensystem sein können, so Artinger.

Das Problem sei auch, dass Mauern und geschlossene Fenster davor nicht schützen könnten: „Hohe Frequenzen bleiben draußen, tiefe gehen selbst durch dickes Mauerwerk durch wie ein heißes Messer durch warme Butter“, erläuterte er drastisch.

Auch die nächste Referentin, Dr. Susanne Kirchhof von „Vernunftkraft Schleswig-Holstein“, unterstützte mit Beispielen aus ihrer Heimat die Forderung, dass zwischen Wohnhäusern und Windkraftanlagen ein Abstand von zehnmal der Spitzenhöhe der Windkraftanlage liegen sollte.

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Das würde allerdings bei der heute üblichen Höhe der Anlagen einen Radius von zwei Kilometern um jede Windmühle bedeuten, in dem kein Mensch sich dauerhaft aufhalten dürfte.

Stellungnahme

Bürger können Stellungnahmen abgeben

Noch bis zum 13. März können Bürger ihre Stellungnahme zu der Vorrangfläche direkt im Onlineportal der Kieler Landesregierung abgeben. 

Die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Travenhorst treffen sich am Donnerstag, 13. Februar, um 19.30 Uhr im Gemeindehaus zu einer Einwohnerversammlung. Am Donnerstag, 20. Februar, tagt um 19 Uhr dann der Bau- und Wegeausschuss und berät über die Stellungnahme der Gemeinde. Am Donnerstag, 5. März, 19 Uhr, trifft sich dann die Gemeindevertretung und fasst den endgültigen Beschluss darüber.

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