Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Segeberg Wir bleiben, bis der Abriss beginnt
Lokales Segeberg Wir bleiben, bis der Abriss beginnt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:50 05.02.2014
Von Sylvana Lublow
Elke Decker, zweite Vorsitzende des DRK-Ortsvereins (links), und DRK-Bereitschaftsleiterin Inga Böttger sitzen seit vier Wochen auf gepackten Kartons.
Bad Bramstedt

Derzeit läuft ein Bürgerbegehren zum Erhalt des Hauses. Die Bewohner sprachen mit der Segeberger Zeitung über ihren Ärger, ihre Befürchtungen und ihre Hoffnungen.

 „Wir fühlen uns von der Stadt und der Politik im Stich gelassen“, sagt Elke Decker, zweite Vorsitzende des DRK-Ortsvereins. „Man hat uns im Regen stehen lassen, richtig verstoßen!“ Sieben Mitglieder von DRK und SoVD haben sich in der Teeküche des Hauses versammelt. Rund um den großen Tisch stehen zugeklebte Umzugskartons. Die Fenster sind mittlerweile ohne Gardinen. „Wir haben schon ganz viele Sachen gepackt. Erst bekamen wir den Bescheid, dass wir zum 1. Januar das Haus räumen müssen, und dann sollte es der 1. Februar sein“, erzählt Elke Decker.

 Doch wo sollen die Vereine hin, wenn die Stadt ihnen keine adäquaten Alternativen bietet, fragen sich die Nutzer des Hauses. „Uns wurden erst letzte Woche 148 Quadratmeter in einem Neubau auf dem Dehn-&-Hein-Gelände angeboten“, erklärt Brunolf Schurillis, Kassenwart des DRK. Dort baut ein Investor ein Gebäude, in das die Kindertagesstätte des Kinderschutzbundes einziehen soll - und jetzt auch das DRK und der Sozialverband. Zumindest sieht die Stadtverwaltung das als naheliegende Lösung. Doch die beiden Vereine weigern sich. „Für diese Räume müssten wir rund 20000 Euro Miete im Jahr zahlen. Das können wir aber nicht aufbringen“, sagt Schurillis. Bisher übernimmt die Stadt die Miet- und Nebenkosten der DRK-Räume. „Erst letzten Mittwoch haben wir vom Bürgermeister erfahren, dass er uns mit 6500 Euro jährlich unterstützen will“, berichtet Elke Decker: „Das ist zu wenig.“

 „Ich finde es unanständig, dass die Stadt schon seit einem halben Jahr weiß, dass das Haus abgerissen werden soll und wir erst vor einer Woche über die finanzielle Unterstützung Bescheid bekommen haben“, schimpft Schurillis. Der Ortsverein könne maximal 300 Euro monatlich Miete inklusive Nebenkosten aufbringen. „Wir sind ein Verein und dürfen keinen Gewinn erwirtschaften.“ Auch Inga Böttger, Bereitschaftsleiterin des DRK, ist empört über die Stadt und den Bürgermeister: „Wir haben hier am Haus erst 2009 die Garagen für unsere Einsatzfahrzeuge bauen lassen und zahlen den Kredit mit 500 Euro monatlich ab.“ Wenn das DRK jetzt in andere Räume ziehen muss, würde es für den Bereitschaftsdienst schwierig, seiner Arbeit nachzugehen. „In der Garage gibt es weder einen Umkleideraum noch sanitäre Anlagen.“ Das Alternativ-Angebot der Stadt sei indiskutabel. Etwa 250 bis 300 Quadratmeter Platz bräuchte das DRK für die Kleiderkammer, die Büros, Lager, einen Freizeitraum (auch für Erste-Hilfe-Kurse), einen Umkleideraum für den Bereitschaftsdienst und die Küche für „Essen auf Rädern“.

 DRK-Beisitzerin Erdmute Zornig ist zwar keine Bad Bramstedterin, aber deshalb nicht weniger enttäuscht von der Stadt: „Es ist doch schizophren, dass unsere Arbeit überall gelobt und der Bereitschaftsdienst sogar geehrt wird, und zum Dank werden wir auf die Straße gesetzt!“ Mit ihrem Seniorenkreis ist sie bereits ins Schloss umgezogen, wo auch das Jugendrotkreuz vorerst untergebracht wurde. „Wir sitzen jetzt zwischen den Stühlen“, beschreibt Inga Böttger die Situation.

 Elke Decker sagt, was die meisten der 50 aktiven DRK-Mitglieder denken: „Wir wollen hier bleiben. Die Räumlichkeiten im Haus der sozialen Dienste bieten uns optimale Bedingungen.“ Als baufällig würde keiner der Nutzer das Haus bezeichnen. Aber gemacht werden müsste schon Einiges. „Mit viel Geld ist es noch zu retten.“ Es hätte nach Ansicht der Hausnutzer schon seit Jahren nach und nach in die Sanierung investiert werden müssen. „Man hat das Haus einfach verfallen lassen“, sagt Fred Wassermann vom SoVD und zeigt in seinem Büro auf ein Loch in der Wand, das durch ständige Nässe entstanden ist. „Wenn es regnet,werden die Außenwände nass, weil das Fallrohr der Regenrinnen verstopft ist“, erklärt er. Schon etliche Male habe er deswegen bei der Stadt angerufen. „Es kam auch jemand. Aber der reinigte nur die Regenrinne.“

 Dem Sozialverband wurde vor einigen Tagen der Umzug in den Jugendraumring der Alten Schule angeboten. „Dort hätten wir zu wenig Platz für unsere Büroeinrichtung,und vertrauliche Gespräche mit unseren Mitgliedern könnten wir dort auch nicht führen“, sagt der Vorsitzende Horst Freitag. Als letzte Konsequenz ziehe der Ortsverband schon seine Auflösung in Betracht. „Wir können uns bei unseren geringen Einnahmen kein Miete leisten.“ Besonders enttäuscht über die Behandlung ist der SoVD, weil er die Stadt mit seiner Arbeit schließlich entlaste. Bislang hat der Verband noch nicht angefangen, seine Büros zu räumen. „Wir haben noch keinen Ordner eingepackt, und werden es auch nicht!“, betont Fred Wassermann.

 Auch das DRK wird vorerst keine Kartons mehr packen. „Wir bleiben jetzt hier, bis die Bagger anrollen“, sagt Brunolf Schurillis, der sich einen „sanften Übergang“ wünscht. Hoffnung setzen die beiden Vereine in das Bürgerbegehren. Alle Bad Bramstedter aus der Runde in der Teeküche haben das Begehren unterschrieben, das - wenn es als gültig anerkannt wird - zu einem Bürgerentscheid führt. „Wir hoffen, dass wir hier bleiben können“, sagt Elke Decker. „Zumindest solange, bis wir vom Bürgermeister ein vernünftiges Angebot bekommen.“ Das Problem habe die Stadtverwaltung nun lange genug vor sich her geschoben.