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Segeberg Spurensuche mit Bagger und Schaufel
Lokales Segeberg Spurensuche mit Bagger und Schaufel
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15:55 15.09.2019
Auf „Spurensuche“ in der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch. Von links: Hans-Jürgen Kütbach, Vorsitzender des Trägervereins, Marc Czichy, Leiter der Gedenkstätte, Thomas Käpernick, wissenschaftlicher Mitarbeiter, und die beiden Referenten Maren Grimm und Oliver Gemballa. Quelle: Georg Grommes
Kaltenkirchen

„Das ist ja ein Glücksfall, dass Sie das damals gemacht haben, so etwas wäre heute doch gar nicht mehr möglich.“ Dr. Gerhard Braas, Kaltenkirchener Historiker, brachte es auf den Punkt. Seine Anerkennung galt Maren Grimm und Oliver Gemballa, die von 1996 bis 1998 zusammen mit Gerhard Hoch an der archäologischen Erschließung des Außenlagers des ehemaligen KZ Kaltenkirchen gearbeitet hatten.

Der Trägerverein der KZ-Gedenkstätte hatte die beiden eingeladen, um im Ausstellungsraum der Gedenkstätte über die damalige Situation und von persönlichen Motivationen und Erfahrungen zu berichten. „Spurensuche“ war die gut besuchte Veranstaltung überschrieben. 

Anbau ist geplant

Gerade jetzt, kurz vor Beginn einer größeren Baumaßnahme mache so ein Rückblick großen Sinn, betonte Hans-Jürgen Kütbach, Vorsitzender des Trägervereins der KZ-Gedenkstätte, in seiner Begrüßung. Ein etwa 200.000 Euro teurer Anbau soll errichtet werden, der den bestehenden rechten Teil des Gebäudes spiegelt. Der heute ebenfalls bereits existierende verglaste Eingangsbereich wird dann zur Mitte des Bauwerks. Genutzt wird der Anbau für eine weitere Dauerausstellung, die den Zeitraum von 1945 bis zur Eröffnung der Gedenkstätte 2000 in den Blick nimmt. Die Fördermittel seien bewilligt, so Kütbach, alle Anträge gestellt, bald könnten die Arbeiten beginnen.

Die politisch-atmosphärische Stimmung der 90er.

Die beiden Referenten stellten ihre damalige Arbeit zunächst in einen historischen Zusammenhang. Maren Grimm, Autorin und Filmemacherin, mit Arbeitsplätzen in Hamburg und an der Akademie der bildenden Künste in Wien, rief den Zuhörern zunächst die „atmosphärisch-politische Stimmung“ in den Neunzigern ins Gedächtnis. Sie nannte Stichworte wie die Debatte über die Erinnerungspolitik nach der Wende, die umstrittene Wehrmachtsausstellung oder die schwierige Diskussion um das „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“, das Stelenfeld in Berlin

Oliver Gemballa, Chef des Hamburger ADOCS-Verlags und Fachmann für visuelle Kommunikation, geboren in Winsen und Schüler des Kaltenkirchener Gymnasiums, erinnerte sich, an „welchen Stellen“ er mit so etwas wie Rechtsradikalismus“ im örtlich näheren Bereich konfrontiert worden war: Tannenhof in Lentföhrden, über Jahrzehnte Treffpunkt für Neonazis, Demos von Nazi-Kadern auch in Kaltenkirchen, Gründung einer antifaschistischen Gruppe im Kaltenkirchener Jugendzentrum.

Die Zuhörer verstanden schnell, warum die Referenten schließlich ihre Arbeit auf dem Gelände in Springhirsch begannen und sich für Erinnerungspolitik engagierten. Oder, wie Maren Grimm es ausdrückte „was wir in den Köpfen hatten, als wir die Schaufeln auspackten“.

Hoch ist der geistige Vater der Gedenkstätte

Gemballa hatte schon früh den Alvesloher Dr. Gerhard Hoch kennengelernt. Hoch hatte es sich damals zur Aufgabe gemacht, gegen das Vergessen anzugehen. Er war mit einer „Historischen Arbeitsgruppe“ schon Mitte der 1970er-Jahre gegen das Verdrängen vorgegangen, und hatte sich damit nicht nur Freunde gemacht. Er initiierte die lange unterbliebene Aufklärungsarbeit über die NS-Zeit in Schleswig-Holstein und gilt heute als Gründer und geistiger Vater der KZ-Gedenkstätte, in der 560 Häftlinge unter unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen die Startbahn des damaligen Militärflugplatzes verlängern mussten. Seine Arbeit brachte viele Erkenntnisse über die Zeit des Arbeitslagers zu Tage.

„Und es war nicht die totale Überheblichkeit“, erklärt Maren Grimm dem aufmerksamen Publikum, „warum wir beiden Kunststudenten plötzlich mit Bagger und Schaufel auf dem Gelände unterwegs waren.“ Etwa Mitte 20 waren beide damals. Sie habe zuvor schon mehrere Jahre als Dokumentarfotografin für archäologische Ausgrabungen gearbeitet. Ein Grundwissen sei also durchaus vorhanden gewesen. Immer wieder hätte man auch Fachleute, wie Vermessungsingenieure oder Grabungstechniker um Rat gebeten. Damals sei alles noch sehr unkompliziert gewesen. „Ja, macht mal“, war die überwiegende Haltung. Bitten um Hilfe seien allerdings auch weitgehend unbeachtet geblieben, die häufigste Reaktion: ein Achselzucken. Dr. Hoch aber, der wohl schon nicht mehr an den Erfolg seiner Arbeit geglaubt hätte, sei mehr als erfreut gewesen, „als wir beiden da plötzlich standen.“

Luftaunahmen dienten als Grundlage

In den Jahren zwischen 1996 und 1998 wurden dann mit einfachsten technischen Hilfsmitteln Teile der ehemaligen Lagerstrukturen freigelegt. Den Fortgang der Arbeiten präsentierten die beiden Referenten in einem elfminütigen Film. Luftaufnahmen dienten als Grundlage für alle Grabungs- und Vermessungsarbeiten. Die Markierung der Grundrisse des Lagers mit Absperrband ermöglichte erstmalig, sich ein Bild von den Größenverhältnissen zu machen.

Irgendwann stellten Grimm und Gemballa allerdings fest, dass ihre Interessen nicht mehr mit den Erwartungen der Öffentlichkeit in Übereinkunft zu bringen waren. Das Anlegen von Wegen und Parkplätzen, das Aufstellen von Gedenktafeln und Papierkörben war nicht mehr ihre Anliegen. Sie verließen das Projekt.

Nach einer lebhaften Diskussion versprachen Grimm und Gemballa in Kontakt mit der Gedenkstätte zu bleiben. Ihr Material aus den Neunzigerjahren wollen sie erneut sichten und für die Allgemeinheit zur Verfügung stellen.

Von Georg Grommes

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