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Segeberg Extrageld für Ärzte, die aufs Land gehen
Lokales Segeberg Extrageld für Ärzte, die aufs Land gehen
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20:49 06.10.2019
Von Gerrit Sponholz
20 Prozent aller Hausärzte im Kreis Segeberg sind 65 Jahre oder älter, weitere 16 Prozent zwischen 59 und 65. Quelle: Benjamin Ulmer Symbolbild
Kreis Segeberg

Sorgen in Kaltenkirchen, Wahlstedt, Pronstorf, Bad Bramstedt und Seedorf: Politiker berichten von Engpässen und wütenden Bürgern, die keinen Termin bei ihrem Haus- oder Facharzt bekommen, oder als Neupatienten in einer Praxis nicht mehr aufgenommen würden.

"Da ist Druck auf dem Kessel"

„Da ist Druck auf dem Kessel“, sagt Karin Löhmann, die den Fachbereich Soziales in der Kreisverwaltung leitet. Den spürt auch die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH), und hat ebenso wie der Kreistag jetzt ein Förderprogramm aufgelegt. „Ziel ist es, die ambulante medizinische Versorgung sicherzustellen“, sagt KVSH-Pressesprecher Marco Dethlefsen.

In Bad Bramstedt ist die Stadt offenbar schon auf der Suche nach Räumen für ein Medizinisches Versorgungszentrum mit mehreren Ärzten unter einem Dach, berichtet Rosemarie Jahn (FDP) aus Bimöhlen, Vorsitzende des Kreisgesundheitsausschusses. Denn im Nordwesten des Kreises beginne das Abbröckeln der Arztpraxen, weiß Karin Löhmann.

Keine Nachfolger für erste Arztpraxen

Die KVSH, originär zuständig für die Arztversorgung, sieht dort schon die ersten Probleme. Im Versorgungsbereich Neumünster, zu dem Teile des Kreises Segeberg gehören, können schon 3,5 freie Hausarztstellen nicht mehr besetzt werden. Noch allerdings, so die Zahlen der KVSH, gelte der Kreis Segeberg aber als überversorgt mit Ärzten.

Nicht mehr lange, fürchten die Kreisverwaltung und die Kreispolitik. Derzeit sind 20 Prozent aller Hausärzte im Kreisgebiet 65 Jahre oder älter, weitere 16 Prozent zwischen 59 und 65.

Segeberg ist Vorreiter im Land

Deshalb hat der Kreistag „als Vorreiter im Land etwas Denkwürdiges beschlossen“, sagt Landrat Jan Peter Schröder. Mit rund einer halben Million Euro jährlich bis erst mal 2022 will der Kreis helfen, dass es künftig genug Hausärzte gibt.

Auf 15 Plätzen sollen sich Jungmediziner an Kliniken zu Allgemeinmedizinern auf Kosten des Kreises weiterbilden können. Auch Zuschüsse für Wohnkosten sind geplant. Sprechstundenhilfen werden zu 20 Nichtärztlichen Praxisassistenten (NäPas) ausgebildet. Als Gemeindeschwestern können sie Mediziner in den rund 150 Arztpraxen entlasten.

Und als Drittes wird ein Koordinator oder eine Koordinatorin installiert. Er oder sie berät Kommunen und Ärzte etwa bei der Weiterbildung und Gründung von medizinischen Versorgungszentren. Wer dies sein wird, ist noch offen.

Erste Arztsitze bleiben vakant

Nach Zahlen gerechnet ist der Kreis Segeberg bei Haus- und Fachärzten überversorgt. Das geht aus einer Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) hervor. In den drei Zonen für die 167,25 Hausarztstellen gibt es Versorgungsquoten von 109,1 Prozent bis 116,2 Prozent. Im Mittelbereich Neumünster wären bis zur von der KVSH gestatteten Grenze von 110 Prozent theoretisch noch 3,5 zusätzliche Hausarzt-Stellen zu besetzen, was bislang aber nicht gelang. Für Fachärzte wird der gesamte Kreis Segeberg als Planungsgebiet genommen. Augenärzte: 14,5 Stellen (Versorgungsgrad: 113,9 Prozent), Chirurgen und Orthopäden: 21 (122,8 Prozent), Frauenärzte: 24,5 (113,2 Prozent), Hautärzte: 8 (121,3 Prozent), HNO-Ärzte: 9,5 (114 Prozent), Kinderärzte: 18 (153,8 Prozent), Nervenärzte: 11 (127,2 Prozent), Psychotherapeuten: 49 (155,4 Prozent), Urologen: 6,5 (114,6 Prozent).

Segeberger Kliniken wollen helfen

Die allgemeinen, Fach- und Forschungskliniken in Bad Segeberg, Henstedt-Ulzburg, Bad Bramstedt, Borstel und in Neumünster hätten sich offen gezeigt, freut sich Löhmann. Denn bislang hakt es daran, das vielfältige Ausbildungsangebot im Kreis für Ärzte besser zu vernetzen.

Entlasten könnten niedergelassene Ärzte später in ihren Praxen Gemeindeschwestern Näpas und Telemedizin. Und auch so biete Segeberg viel, wirbt Landrat Schröder: Gute Kitas und Schulen, Natur, Jobs für die Partner. „Nicht alle Ärzte wollen in die Großstadt!“

KV: "Wir können keine Ärzte backen"

KVSH-Sprecher Marco Dethlefsen räumt ein, dass es schon jetzt Nachwuchsmangel gebe, etwa bei Schmerztherapeuten und Rheumatologen. „Aber die KVSH kann sich keine Ärzte backen.“

Wer welchen Beruf ergreife und sich wo niederlasse, sei jedem Arzt freigestellt. „Wir können keinen zwingen.“ In Schleswig-Holstein gebe es derzeit zwar etwa so viele Praxisärzte wie in den Vorjahren. Doch arbeiteten mittlerweile 1100 als Angestellte – die aber nicht so lange, wie freie niedergelassene Ärzte mit 50 bis 55 Wochenstunden.

100000 Euro für Teampraxisgründung

Die Kassenärztliche Vereinigung (KVSH) hat nun ebenfalls einen, landesweit gültigen, Strukturfonds (3,2 Millionen Euro) aufgelegt, um Ärzte zu gewinnen. Etwa durch 100000 Euro Zuschuss für Teampraxen, also Medizinische Versorgungszentren in ländlichen Gebieten, wo Arztversorgung bröckelt. Mehrere Ärzte teilen sich die Arbeit, ergänzt um anderes Fachpersonal und Telemedizin. Genaue Fördergebiete hat die KVSH noch nicht.

Ein Umzug wird mit bis zu 10000 Euro gefördert, die Arztkinder-Betreuung mit 400 Euro im Monat, damit Ärzte in Vollzeit arbeiten können. Träger der Teampraxen müssen niedergelassene Ärzte sein, keine Investoren. Zuschüsse zahlen will die KVSH für Investitionen, für Stipendien sowie, wie der Kreis, für die Ausbildung zu Gemeindeschwestern. Ärzte, die in unterversorgten Gebieten bleiben, erhalten Honorarzuschläge.

Die KVSH setzt eine Gesetzesvorgabe um. 0,2 Prozent der Gesamtvergütung für Ärzte und Psychotherapeuten müssen in den Strukturfonds fließen. Das Gleiche zahlen die Krankenkassen. Über die Geldverwendung entscheidet nur die KVSH.

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