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10:11 11.03.2020
Kipras (Mitte) gemeinsam mit seiner Mutter Ingrida Grusauskiene bei seiner Vorstellung in der Sprechstunde der Kinderchirurgie: Auch nach der erfolgreichen Operation wurde der Junge, der unter einer Blinddarmentzündung gelitten hatte, durch Kinderkrankenpflegerin Lea Harms (Zweite von links) sowie die Ärzte Dr. Roberts Meiksans (rechts) und Prof. Robert Bergholz (links) bis zum Abschluss der Behandlung betreut. Quelle: UKSH/CAU
Kiel

„Unsere Arbeit ist wirklich sehr vielseitig“, betont Prof. Robert Bergholz, der diesen Bereich am UKSH in Kiel leitet. Das Spektrum, so fügt er hinzu, reicht vom extrem kleinen Frühchen bis zum 17-Jährigen, der möglicherweise mit schwerer Adipositas zu kämpfen hat.

Blinddarm, Leistenbruch, Hodenhochstand: Das sind die alltäglichen Befunde, die Prof. Bergholz und sein Team an den OP-Tisch schreiten lassen. Ein kurzer Eingriff, höchstens ein paar Tage Aufenthalt im Krankenhaus, und schon ist die Geschichte zum allseitigen Wohlgefallen im Regelfall für immer erledigt. So harmlos sind die Krankengeschichten allerdings nicht immer. Für die Behandlung von bösartigen Tumoren, die auch Kinder befallen können, müssen in der Klinik zum Beispiel Katheter für die Chemotherapie gelegt oder die Tumore selbst operiert werden. Und bei Frühgeborenen ebenso wie bei mit Defiziten zur Welt gekommenen Neugeborenen kann es um Leben und Tod gehen.

Herausfordernd sind für die Kinderchirurgie immer wieder die verschiedenen angeborenen Fehlbildungen. Betroffen sein können innere Organe wie die Nieren, relativ bekannt ist der sogenannte offene Rücken, der auf einer Fehlbildung der Wirbelsäule und des Rückenmarks beruht. Kaum jemand weiß dagegen, worum es sich bei einer Gastroschisis handelt. Diese auch Bauchspalte genannte Fehlbildung tritt gerade einmal bei einer von 4000 Geburten auf, sodass rein statistisch jedes Jahr höchstens ein Säugling, der im UKSH zur Welt kommt, davon betroffen wäre. Faktisch weist bei der Gastroschisis der Bauch ein Loch auf, sodass der Darm aus der Bauchhöhle quillt. „Das lässt sich operativ recht gut korrigieren“, erläutert Robert Bergholz, weist aber auch auf eine nicht zu unterschätzende Schwierigkeit hin: Die Gastroschisis tritt bereits beim ungeborenen Kind auf, sodass der Darm über Monate hinweg ungeschützt dem Fruchtwasser ausgesetzt ist. „Das kann trotz erfolgreicher Operation zu erheblichen Schädigungen des Darms führen“, weiß Prof. Bergholz und fügt hinzu, dass die Genesung lange dauern kann und im ungünstigen Fall nie vollständig erreicht wird.

Ähnlich ist die Problematik bei der sogenannten Zwerchfellhernie, die daher rührt, dass beim Kind im Mutterleib das Zwerchfell nicht komplett zusammengewachsen ist und ein Loch aufweist. Eine Operation bringt hier ebenfalls meist gute Erfolge, kann aber nichts daran ändern, dass es aufgrund des ebenfalls schon im Mutterleib entstandenen Problems zu einer möglicherweise bleibenden Schädigung der Lunge kommt.

Genau um solche Defizite auf höchstmöglichem Niveau behandeln zu können, ist das UKSH in Kiel dabei, ein interdisziplinäres Zentrum für angeborene Fehlbildungen zu gründen. Amtlich ist die Sache noch nicht, die Aussichten stehen aber laut Bergholz günstig.

Wenn der Mediziner noch weiter in die Zukunft denkt, könnten in Kiel aber bald noch ganz andere Dinge möglich sein. „Die Chirurgie vor der Geburt wird ein großes Thema“, glaubt Bergholz, der darauf verweist, dass minimalinvasive Eingriffe durch den Mutterleib in den USA bereits respektable Ergebnisse gebracht haben. In Deutschland steht das Verfahren eigentlich noch nicht einmal am Anfang. Und genau das begreift der Chirurg vom UKSH als Motivation: „Warum sollen wir in Kiel nicht vorangehen?“

Noch ein paar Schritte weiter wäre es, um in ein weiteres Grenzgebiet der Medizin vorzustoßen. Ein Arzt aus Philadelphia hat mit Schafen bereits sehr vielversprechende Versuche mit einem künstlichen Uterus unternommen. Komplett mit Nabelschnur und Plazenta ausgestattet, könnte ein solch nachempfundener Mutterleib als Alternative zu den bislang gebräuchlichen Inkubatoren „enorme Vorteile bei der Versorgung von Frühgeborenen“ bringen, glaubt Bergholz. Vor allem die schweren Folgeschäden, die teils bei sehr kleinen Frühchen zurückbleiben, könnten durch die künstliche Gebärmutter stark reduziert werden, hofft der Kinderchirurg. Und findet – wohl wissend, dass solche Visionen durchaus auch umstritten sind – dass Kiel in diesem Bereich ebenfalls den einen oder anderen Schritt wagen könnte.

Bereits vollzogen hat die Kinderchirurgie unterdessen den Schritt zur sogenannten Single Incision Laparoscopic Surgery (SILS). Dabei handelt es sich um ein Verfahren der minimalinvasiven Chirurgie, um den OP-Geräten lediglich über einen kleinen Schnitt am Bauchnabel Zugang zum Inneren des Körpers zu verschaffen. Weniger Beschwerden nach dem Eingriff und praktisch keine erkennbare Narbe sind die großen Vorteile dieses in Kiel seit dem Jahr 2019 praktizierten Verfahrens.

Text: Martin Geist
Fotos: UKSH/CAU
https://www.uksh.de
Telefon: 0431-500-0

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