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00:01 13.03.2020
Eine angenehme Aufgabe: Prof. Fritz Schäfer erläutert einer Patientin die Aufnahmen der digitalen Mammographie. Die Ergebnisse geben keinen Anlass zur Sorge. Quelle: Martin Geist/UKSH
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Kiel

„Unsere Ausstattung gehört zum Besten, was es in Deutschland gibt“, betont Prof. Fritz Schäfer, Leiter des Mammazentrums am UKSH. Als eine der ersten Kliniken überhaupt erhielt das Haus in Kiel im Jahr 2005 die Technik zur digitalen Mammographie, einem Röntgenverfahren, das bei vergleichsweise niedriger Strahlenbelastung deutlich exaktere Ergebnisse liefert als die herkömmliche Mammographie. Ebenfalls ganz vorn ist die Diagnostik in Kiel dank eines Geräts für 3-D-Tomosynthese. Auch hier liegt Röntgentechnik zugrunde, die allerdings dreidimensionale Bilder liefert. „Damit können wir die Brust Schicht für Schicht durchgehen und sogar kleinste oder sehr verborgene Auffälligkeiten entdecken“, erläutert Prof. Schäfer.

Aus dem Vollen schöpfen kann das UKSH schließlich in Sachen Ultraschall, denn es sind alle aktuell verfügbaren Techniken vorhanden. Und die erforderliche fachliche Kompetenz. Mit Prof. Schäfer, der sich deutschlandweit zu den noch nicht einmal zwei Dutzend Fachleuten mit der höchsten Qualifi kationsstufe in der Mamma-Ultraschall-Diagnostik (DEGUM 3) zählen darf, arbeiten weitere hochqualifi zierte und sehr erfahrene Ärzte in der Diagnostik. „Das sind alles Spezialisten, die Arbeit von hoher Qualität leisten“, betont der Leiter des Mammazentrums.

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All das wirkt sich erheblich zum Vorteil der Patientinnen aus. „Oft können wir dank unserer sehr feinen Methoden Verdachtsfälle ausschließen, ohne dass zuvor die betroffenen Frauen überhaupt in Aufregung versetzt werden mussten“, erläutert Fritz Schäfer. Auf der anderen Seite machen die Experten am UKSH zuweilen Karzinome aus, die zuvor nicht aufgefallen waren. Nicht selten sind das schwer erkennbare, aber auch sehr aggressive Tumore, bei denen Früherkennung besonders wichtig für gute Therapieerfolge ist. Bildgebende Verfahren in der Diagnostik werden nach Einschätzung von Prof. Schäfer immer bedeutsamer, weil die Optik ebenso wie die Digitalisierung enorme Fortschritte machen. Ausreichend ist das am Ende des Tages trotzdem nicht. Letzte Sicherheit bringt nach wie vor die Analyse von Gewebeproben im Institut für Pathologie, das seinerseits das gesamte Spektrum der modernen Technik abbildet.

Als großer Vorzug erweist es sich dabei, dass die verschiedenen Disziplinen fachlich eng zusammenarbeiten und sich räumlich teils sogar Tür an Tür befi nden. Nur wenige Schritte sind es vom diagnostischen Mammazentrum bis zur Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. Der Übergang zwischen Diagnostik und auf dem Fuße folgender Therapie ist dank dieser Möglichkeiten tatsächlich fl ießend, sodass gerade in ernsten Fällen keine wertvolle Zeit verlorengeht.

Immer weniger Chemotherapie

Jedes Jahr werden am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) ungefähr 750 Frauen aufgenommen, die neu an Brustkrebs erkrankt sind. 500 von ihnen werden in Kiel behandelt, etwa 250 auf dem Campus Lübeck. Weiterhin stellt das Mammakarzinom bei jährlich rund 2900 Neuerkrankungen in Schleswig- Holstein die mit Abstand häufi gste Krebserkrankung bei Frauen dar. Die gute Nachricht daran: Die Überlebensraten und ebenso die Lebensqualität der Betroffenen haben sich enorm verbessert.

„Weniger Chemotherapie, mehr zielgerichtete Therapie.“ So bringt Prof. Nicolai Maass, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, die Entwicklung auf den Punkt. Hintergrund dieser Tendenz ist die Erfahrung, dass Chemotherapie in bestimmten Fällen zwar nach wie vor ihre Berechtigung hat, gemessen an Therapieerfolgen und Nebenwirkungen andere Methoden aber oft empfehlenswerter sind.

Prof. Nicolai Maass ist Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe.
Privatdozentin Dr. Marion von Mackelenbergh ist gynäkologische Chirurgin und zugleich Leiterin der Tumor-Risikosprechstunde.

Als nach wie vor sinnvoll gilt Chemotherapie bei aggressiven Krebsarten in relativ frühem Stadium. „Auf diese Weise kann eine Verkleinerung des Tumors erreicht werden, sodass das Geschwür in der Folge besser zu operieren ist“, erklärt Prof. Maass. Außerdem zeigt sich bei dieser Vorgehensweise beizeiten, ob ein Tumor überhaupt auf diese Therapie anspricht, nennt der Klinikdirektor einen weiteren Aspekt.

Gleichwohl kann eine medikamentöse Behandlung oft die bessere Alternative sein. Zur Verfügung stehen Mittel, die sogenannte CDK-Inhibitoren oder auch PARP-Inhibitoren enthalten. Deren Wirkweise ist im Detail komplex, läuft aber darauf hinaus, dass die gewöhnlich ausgesprochen schnell von stattengehende Teilung von Krebszellen blockiert beziehungsweise verlangsamt wird. Diese noch recht neuen Medikamente bewähren sich laut Prof. Maass besonders bei fortgeschrittenem und womöglich bereits metastasiertem Brustkrebs.

Eine weitere Möglichkeit ist die Hormon-Therapie, die manchmal aus gutem Grund auch Anti-Hormon-Therapie genannt wird. Tatsächlich wird hier mit Substanzen gearbeitet, die dem Körper Östrogen entziehen, mithin genau jenes Hormon, das oft maßgeblich am Brustkrebs beteiligt ist. Diagnostisch kann mittlerweile sehr gut ermittelt werden, ob Östrogen im Einzelfall eine Rolle spielt und eine entsprechende Therapie sinnvoll ist. Die Erfahrungen mit diesen neueren Behandlungsmethoden wurden vor wenigen Wochen in Frankfurt auf der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie mit Schwerpunkt Mammakarzinom thematisiert. Nahezu 700 Fachleute aus Deutschland, darunter als einer von 25 Experten auch Nicolai Maass, waren sich weitgehend einig, dass Behandlungsformen ohne Chemotherapie unbedingt weiterverfolgt werden sollten. Nicht nur, dass die Lebensqualität aufgrund der meist wesentlich leichteren Nebenwirkungen von medikamentösen oder Hormontherapien in den meisten Fällen viel größer ist. Und auch die Lebenserwartung hat sich messbar nach oben entwickelt. Je nach Art der Erkrankung kann heute nach Angaben von Prof. Maass bei Brustkrebs eine Langzeit-Überlebensrate von bis zu 90 Prozent erwartet werden.

Positiv wirkt sich in dieser Hinsicht auch die größere Zurückhaltung bei operativen Eingriffen aus. Dank der modernen Therapien ist es möglich, seltener zu operieren. Und wenn es doch sein muss, wird häufi g nicht so umfangreich geschnitten, berichtet die gynäkologische Chirurgin und Privatdozentin Dr. Marion von Mackelenbergh. Ist zum Beispiel ein Lymphbefall nachgewiesen, werden, wenn irgend möglich, unter den Achseln nur noch vier bis fünf statt früher zehn und mehr Lymphknoten entnommen. „Das erspart den Frauen viele Nebenwirkungen wie etwa das verbreitete Lymphödem“, erklärt die Oberärztin vom UKSH.

Dass bei Krebs eine Brustamputation „das letzte Mittel der Wahl“ ist, wie es Prof. Maass formuliert, muss heutzutage eigentlich kaum noch erwähnt werden. Sehr wohl erwähnenswert ist aber, dass die Brust immer öfter erhalten werden kann. Mithilfe bildgebender Verfahren kann ein Tumor sehr fein eingegrenzt werden, damit so wenig Gewebe wie möglich entnommen werden muss. Zudem gehen Mackelenbergh und ihre Kollegen bei Notwendigkeit schon während des Eingriffs rekonstruktiv vor. Entnommenes Gewebe wird sogleich durch kleine Implantate oder Eigengewebe ersetzt, sodass den betroffenen Frauen ein zweiter Eingriffzu kosmetischen Zwecken erspart werden kann. Genauso ist das Resultat, wenn nach einer größeren Entnahme eine Brustverkleinerung vorgenommen wird.

Immer noch kann es in schweren Fällen aber notwendig sein, einen großen Teil der Brust oder sie sogar komplett zu entfernen. Wie dann in der Folge vorgegangen werden soll, wird im Mammazentrum intensiv mit vielerlei Fachleuten und nicht zuletzt mit den Patientinnen besprochen. Manche Frauen verzichten einfach auf einen Wiederaufbau der Brust, andere würden sich mit dieser Lösung unwohl fühlen und müssen abwägen, ob eine Rekonstruktion mit Implantaten oder mit Eigengewebe vorgenommen werden soll. „Beantworten lässt sich diese Frage nur im Einzelfall“, sagt Nicolai Maass. Eine Rolle spielt dabei das jeweilige ästhetische Empfi nden, ebenso können medizinische Aspekte die Strategie beeinfl ussen. Wird etwa nach einer OP eine Bestrahlung notwendig, spricht fast alles für Eigengewebe, weil künstliche Implantate oft den Strahlen nicht standhalten. Andererseits stellt der Professor zwar fest, dass eine Rekonstruktion mit Eigengewebe „kosmetisch teilweise bessere Ergebnisse bringt“, verweist aber auch auf einen gravierenden anderen Aspekt: „Das Gewebe muss ja erst am Bauch oder am Gesäß entnommen werden, sodass immer ein zweiter Eingriffnötig ist und eine weitere Narbe bleibt.“

Diese Krankheit erst gar nicht zu bekommen und wenn doch, so einfach und schnell wie möglich davon befreit zu werden, das wünschen sich so oder so alle Frauen. Von der allgemeinen Aufklärung bis zur gezielten Vorsorge bietet das im Jahr 1996 gegründete Brustzentrum des UKSH auch in dieser Hinsicht vielerlei Möglichkeiten. Normalerweise werden Frauen ab 50 alle zwei Jahre zum Mammographie-Screening eingeladen, ausreichend ist das aber nicht in jedem Fall. Dr. Marion von Mackelenbergh wirkt in dem Kieler Klinikum auch als Leiterin der Tumor-Risikosprechstunde, die besonders von Frauen wahrgenommen wird, in deren Familie schon Brustkrebs aufgetreten ist. Treten solche und andere Anzeichen für erblich bedingten Brustkrebs auf, wird zunächst die schon erkrankte Person getestet, um den genetischen Hintergrund zu entschlüsseln. Berüchtigt sind unter diesem Aspekt die Gene BRCA 1 und BRCA 2, die zusammen für etwa fünf Prozent aller Brustkrebserkrankungen verantwortlich gemacht werden. Was zwar erst einmal harmlos klingen mag, aber für die Betroffenen alles andere als beruhigend ist. „Wer ein solches Gen in sich trägt, muss mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 80 Prozent damit rechnen, irgendwann zu erkranken“, erklärt die Expertin.

Auch die Computertomographie kann ein sinnvolles Verfahren der Diagnostik sein. Quelle: DLR Projektträger

Bekannt wurde dieses Problem durch die Schauspielerin Angelina Jolie, die sich vorsorglich beide Brüste abnehmen ließ. Hierzulande ist die Ärzteschaft in dieser Hinsicht jedoch sehr zurückhaltend und plädiert meist für einen weniger radikalen Umgang mit dem Risiko. Junge Frauen, die ein erbliches Gefährdungspotenzial in sich tragen, werden am Kieler Brustzentrum in ein Programm zur intensiven Früherkennung aufgenommen. Das bedeutet, dass sie ab dem 25. Lebensjahr halbjährlich per Ultraschall und einmal im Jahr mittels Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht werden. Das Ziel dieser Strategie liegt auf der Hand: Ein möglicher Tumorbefall soll im allerfrühesten Stadium entdeckt werden, weil dann die therapeutischen Aussichten mit Abstand am erfolgversprechendsten sind.

Regelmäßig an den angebotenen Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen sollten aber unabhängig von genetischen Faktoren auch alle anderen Frauen, rät Prof. Maass. Brustkrebs, so argumentiert er, ist schließlich immer noch die häufi gste Krebserkrankung bei Frauen und im Frühstadium eben sehr gut behandelbar. Wirklich auf der sicheren Seite sind dabei statistisch gesehen nur sehr junge Frauen, denn die Krankheit tritt nicht nur bei älteren Frauen auf, sondern auch zu einem Drittel vor den Wechseljahren. Immer mal wieder die eigene Brust abzutasten und im Zweifel unverzüglich ärztlichen Rat suchen, das empfi ehlt sich deshalb nach Überzeugung des Professors für jede Frau.

Text: Martin Geist
Fotos: Martin Geist/UKSH
https://www.uksh.de
Telefon: 0431-500-0

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