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00:01 09.03.2020
Quelle: UKSH/CAU, pixabay
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Kiel

So oder so gibt es in der Klinik, die mit einer Abteilung speziell für Kinder ausgestattet ist, immer reichlich zu tun. Das liegt allein schon daran, dass das UKSH in Kiel in der Regel immer dann zuständig ist, wenn schwerere Unfälle auf dem Schulweg oder in der Schule selbst passieren. Als sogenannte Klinik für das Verletztenartenverfahren arbeitet die von Direktor Prof. Andreas Seekamp geleitete Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie eng mit der Unfallkasse Nord zusammen und setzt deren sehr weitreichende Vorgaben zu Behandlung und Rehabilitationsmaßnahmen um.

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Dr. Michael Müller ist Leitender Oberarzt an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie und hat seinen medizinischen Schwerpunkt in der Kindertraumatologie und Wirbelsäulenchirurgie.

„Hauptschuldige“ an Schulunfällen sind aus nachvollziehbaren Gründen der Schulweg und der Sportunterricht. Meist erleiden die betre enden Unglücksraben Stauchungen, Prellungen oder Knochenbrüche, betro en sind oft Handgelenke, Unterarm, Ellenbogen oder Unterschenkel. "Das ist aber beim Freizeitsport kaum anders", weist Dr. Müller darauf hin, dass Sportunterricht keineswegs besonders gefährlich ist. Richtig ist nach seiner Erfahrung vielmehr das Gegenteil: „Wenn unter Anleitung qualifi - zierter Lehrkräfte die koordinativen Fähigkeiten trainiert werden, lassen sich viele Unfälle vermeiden.“ Auch zeigt der Alltag in der Klinik für Unfallchirurgie, die im Fachbegri Traumatologie genannt wird, dass außerhalb der Schule tatsächlich allerlei Gefahren lauern. Ganzjährig ein Thema sind Reitunfälle oder Stürze beim Klettern, das im Freien wie in der Halle praktiziert wird. Nicht ohne Tücken ist zudem das aktuell angesagte Bouldern. Geklettert wird beim Bouldern ohne Seile und Gurt, aber zumindest theoretisch nur in Höhen, aus denen man gefahrlos abspringen kann. Praktisch geht es laut Oberarzt Müller durchaus nicht immer so gefahrlos her. Und wenn etwas passiert, sind die Folgen ähnlich wie bei anderen Formen des Kletterns oder beim Reiten zuweilen gravierend. "Dann kommt es zu Stürzen aus relativ großer Höhe und mit höherer Wahrscheinlichkeit zu Verletzungen des Schädels, der Extremitäten oder der Wirbelsäule", erklärt der Experte.

Überhaupt machen sich sportliche Trends immer wieder bemerkbar in der Unfallchirurgie. Mächtig in Mode gekommen ist das Trampolinspringen, egal ob in speziellen Freizeitzentren oder auf dem häuslichen Rasen. Entsprechend hat sich die Zahl der Unfälle binnen 15 Jahren glatt verdreifacht. Gefährlich wird es laut Dr. Müller besonders dann, wenn riskante Sprünge wie Saltos ausgeübt werden, wenn sich mehrere Kinder gleichzeitig auf dem Sprungtuch austoben oder wenn Sicherheitsnetze defekt sind. Recht überschaubar sind dagegen die Gefahren im Wassersport, etwa beim Segeln oder Surfen. Verletzungen an Händen oder Fingern kommen im Segelsport noch am häufi gsten vor, der Surfspaß kann zuweilen durch verrenkte Fußknöchel oder Kniegelenke zu Verdruss führen. Das Kitesurfen ist jedoch ein Sonderfall. „Durch das hohe Tempo und die großen Höhen bei artistischen Sprüngen kann es auch zu schwereren Verletzungen kommen“, mahnt der Kieler Unfallchirurg die Jugendlichen, ihre Fähigkeiten nicht zu überschätzen.

Falls es doch richtig böse ausgehen sollte, sind die jungen Pechvögel am UKSH in besten Händen. Einfache Knochenbrüche lassen sich nach Angaben des Fachmanns gerade bei Kindern häufi g konservativ therapieren, sprich durch einen Gipsverband. Junge Menschen verfügen bis zur Pubertät noch über weichere und entsprechend elastischere Knochen, die nach Brüchen teils deutlich schneller und unkomplizierter heilen als bei Erwachsenen. Auch Verletzungen an der Wirbelsäule verlaufen nach Müllers Erfahrung oft weniger dramatisch und lassen sich besser therapieren. Auf der anderen Seite betont der Mediziner: „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sie brauchen oft besondere Formen der Therapie.“ Das gilt besonders dann, wenn die sogenannte Wachstumsfuge betro en ist. Diese Fuge liegt zwischen den jeweiligen Knochenenden und dem Knochenschaft, etwa an Armen und Beinen. Lässt man die Knochen nach einem Bruch mit Beteiligung der Wachstumsfuge einfach zusammenwachsen, kann das später zu schwerem Fehlwachstum und Funktionsstörungen führen. „Ist eine Wachstumsfuge im Spiel, muss fast immer operiert werden“, erklärt Michael Müller und ergänzt, dass bei korrekter Behandlung Folgeschäden meist vermieden werden können. Zurückgreifen können die Operateure außerdem auf spezielle Implantate, die nur am kindlichen Knochen funktionieren, dort aber mit hoher Wirksamkeit. Gewappnet ist das UKSH als Klinikum der Maximalversorgung nicht zuletzt für schwerste Unfälle, die sich bei Kindern und Jugendlichen nicht anders als bei Erwachsenen oft im Straßenverkehr ereignen. Sind sowohl Knochen als auch innere Organe und der Kopf betroffen, steht stets ein interdisziplinäres Team bereit, das bei Bedarf sogar Akut-Operationen simultan vornehmen kann. „Gerade in solchen Situationen zeigt sich, dass ein Zentrum mit interdisziplinären und modernen technischen Ressourcen im Zweifel durch nichts zu ersetzen ist“, betont Unfallchirurg Müller.

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