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10:08 11.03.2020
Immer mehr digitale Unterstützung im OP-Saal Quelle: UKSH/CAU, Martin Geist
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Kiel

Digitale Helfer zogen erstmals im Jahr 2013 in die OP-Säle des Uniklinikums in Kiel ein. 2015 folgte die Gründung des Kurt-Semm- Zentrums für laparoskopische und roboterassistierte Chirurgie. Und genau dieses sehr interdisziplinär aufgestellte Zentrum trägt nach Überzeugung von Prof. Thomas Becker, dem Direktor der Klinik für Allgemeine, Viszeral-, Thorax-, Transplantations- und Kinderchirurgie, maßgeblich zur Spitzenstellung des UKSH in diesem Bereich bei. Neben seiner eigenen gehörten die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie die Klinik für Urologie und Kinderurologie zur Anfangsbesetzung des Zentrums, inzwischen sind außer dem Anatomischen Institut auch die Kliniken für Orthopädie und Unfallchirurgie, für Herz- und Gefäßchirurgie sowie für Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie an Bord. „Der Austausch über die eigenen Fächer hinaus bringt enorm viel für die Weiterentwicklung der roboterassistierten Chirurgie“, betont Prof. Becker.

Prof. Thomas Becker ist Direktor der Klinik für Allgemeine, Viszeral-, Thorax-, Transplantationsund Kinderchirurgie.

Etwa 2000 derartige Eingriffe sind auf dem Campus Kiel inzwischen vorgenommen worden, vom Hals bis zum Gesäß betreffen sie weite Teile des Körpers und zahllose Krankheitsbilder. Standard ist der Einsatz der Technik, wenn Karzinome an der Speiseröhre, an der Leber, am Rektum, am Dickdarm und an anderen Organen operativ behandelt werden müssen. Auch Nierentransplantationen sind in Kiel ohne den Roboter kaum noch vorstellbar. Bei roboterassistierten Operationen an der Lunge steht das UKSH nach Zahlen und Komplexität an der Spitze in Deutschland und ist hierzulande das einzige zertifizierte Spitzenzentrum in diesem Fachgebiet.

Prof. Jan Hendrik Egberts ist ein europaweit gefragter Spezialist für die robotergestützte Chirurgie.

Die Vorzüge der Technik sind für die Fachleute offenkundig. „Es ist ja nicht so, dass ein Roboter eigenständig eine Operation ausführt“, korrigiert Prof. Jan Hendrik Egberts ein teils immer noch kursierendes Missverständnis. Von der Funktion her ist der Roboter nach seiner Definition vielmehr nichts anderes als ein „Übertragungsgerät der menschlichen Hand“. Will heißen: Gesteuert vom Chirurgen oder der Chirurgin, schneiden und nähen die digitalen Werkzeuge genau das, was sie sollen; nur oftmals deutlich exakter, als es die echte Hand vermag. Das ist auch der Grund, weshalb die Technik bei Krebsoperationen zum Einsatz kommt, denn Genauigkeit ist hier besonders wichtig. Für den Roboter spricht außerdem, dass aufgrund seiner extrem passgenauen Arbeitsweise viel seltener Blutungen oder andere Komplikationen auftreten und die Patientinnen oder Patienten nach einer Operation meist sehr schnell wieder auf den Beinen sind.

Konkurrenz durch den Roboter fürchtet Prof. Egberts nicht. „Im Gegenteil“, betont der Chirurg, der zu jenen ausgewiesenen Spezialisten zählt, deren Kompetenz in ganz Europa gefragt ist: „Die robotergestützte Chirurgie erfordert jahrelanges Training nicht nur für die Operateure, sondern für die kompletten Teams. Neben dem Handwerk der Chirurgie muss schließlich auch die Bedienung der Robotertechnik beherrscht werden. Und dann werden noch regelmäßig Notfallszenarien trainiert, damit wir richtig reagieren können, falls das System einmal doch nicht funktionieren sollte.“

Erfreulich für potenziell Betroffene ist dabei, dass solche Übungen nicht am Krankenbett stattfinden, sondern am Rechner. „Das läuft genauso wie beim Flugsimulator für Piloten“, beschreibt Egberts den Vorteil der Digitalisierung, die zudem eine große Vielseitigkeit ermöglicht. So bilden sich in Kiel unterm organisatorischen Dach des Kurt-Semm-Zentrums Chirurgen sogar aus Japan weiter – und zugleich lernen am Simulator Studierende ganz am Anfang ihrer ärztlichen Ausbildung die ersten Handgriffe des digitalen Operierens.

In der Realität geschieht das in Kiel mit dem Robotersystem Da Vinci Xi, dem aktuellsten, das sich derzeit auf dem Markt befindet. Nur so ist es nach Überzeugung von Prof. Becker möglich, gemäß dem Anspruch einer Universitätsklinik die Betroffenen auf höchstem Niveau zu behandeln und zugleich die Forschung voranzubringen. Alle Eingriffe werden anonymisiert in eine wissenschaftliche Datenbank eingespeist, um ihre Wirksamkeit nachzuweisen, aber auch eventuell nötige Verbesserungen aufzuzeigen.

Schon jetzt gehen die Professoren Becker und Egberts aber davon aus, dass sich die roboterassistierte Chirurgie dank stetig verfeinerter Technik in immer mehr Bereichen der Medizin etablieren wird. Recht neu am Thema dran sind die Kiefer- und Gefäßchirugie, aber auch im Hals-Nasen-Ohren-Bereich und in der Unfallchirurgie wird digitale Unterstützung zunehmend interessant.

Text: Martin Geist
Fotos: UKSH/CAU, Martin Geist
https://www.uksh.de
Telefon: 0431-500-0

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