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Gesundheit Anzeige - Pflege in der Notaufnahme: Mehr als nur ein Job
Mehr Gesundheit Anzeige - Pflege in der Notaufnahme: Mehr als nur ein Job
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11:31 16.03.2020
Carina Vogt (links) und Anette Simonsen arbeiten aus Überzeugung als Pflegekräfte in der Notaufnahme. Quelle: UKSH
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Carina Vogt war schon mit 13 oder 14 Jahren ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) aktiv. Erst in der Jugendgruppe, dann im Sanitätsdienst, der bei Sportveranstaltungen oder anderen größeren Ereignissen für kleinere und größere Notfälle zuständig ist. „Das steckt so ein bisschen in mir drin“, schmunzelt die 27-Jährige, für die es durchaus logisch war, sich nach der Schule einen entsprechenden Beruf auszusuchen. Zunächst lernte sie Arzthelferin, war danach zwei Jahre als ausgebildete Kraft tätig und wollte dann mehr. Sie hängte eine Ausbildung als Krankenschwester dran und kam darüber auch mit der Interdisziplinären Notaufnahme am UKSH in Berührung.

Fest in diesem Bereich tätig ist die junge Frau, seit sie im Jahr 2018 ihren Abschluss gemacht hat. Warum? „Die Arbeitsbedingungen sind gut, und die Arbeit selber finde ich wegen der vielen diagnostischen Aufgaben, die wir erledigen, unheimlich interessant“, sagt Carina Vogt: „Das reizt mich wirklich sehr.“ Aus Überzeugung für Menschen in Not da ist auch Anette Simonsen. Die 58-Jährige arbeitet schon seit 1985 am UKSH in Kiel und kann mit Fug und Recht feststellen: „Es hat sich sehr viel verändert.“ Als sie anfing, hatte die Notaufnahme noch einen eigenen Operationssaal, und auch sonst lief technisch wie organisatorisch vieles anders. Den großen Unterschied aus aktueller Perspektive macht für die Fachfrau die Tatsache aus, dass heute viel mehr Untersuchungen gemacht werden als vor Jahren. „Das bedeutet natürlich auch, dass man bei dieser Arbeit eigentlich nie ausgelernt hat“, fügt sie hinzu.

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Obwohl indes nicht darüber hinweggeredet werden kann, dass Notaufnahme unter Umständen puren Stress bedeuten kann, hat Anette Simonsen nach wie vor Freude an ihrer Arbeit. „Das Miteinander mit den Patienten“, das ist für sie immer noch jeden Tag Motivation – und eben auch das Wissen, etwas wirklich Sinnvolles zu tun.

Eine Sache sehen die beiden Pflegekräfte außerdem genau gleich: Das Klima im Team der Interdisziplinären Notaufnahme finden sie einfach toll. „Manchmal“, so gibt Carina Vogt zu, komme ich schlecht aufgelegt zur Arbeit und merke schon nach ein paar Minuten, dass ich plötzlich wieder lache.“

Interdisziplinäre Notaufnahme – die Feuerwehr des Klinikums

Die Arbeit in einer Notaufnahme ist kein Job wie jeder andere. Aber es ist eine Arbeit, die große Leidenschaft wecken und sehr viel Gutes bewirken kann. Ein Stück weit sieht Dr. Domagoj Schunk, Ärztlicher Leiter der Interdisziplinären Notaufnahme des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel, sein Team als so etwas wie die Feuerwehr des Klinikums. Hellwach zu sein und volle Einsatzbereitschaft abzurufen, das ist in der Tat gerade auch dann angesagt, wenn es in gesundheitlicher Hinsicht brennt.

„Ich bin leidenschaftlicher Notfallmediziner“: Domagoj Schunk ist, Allgemeinmediziner, Anästhesist und Palliativmediziner, sein Herz schlägt aber eindeutig für die so ziemlich am wenigsten kalkulierbare Abteilung am UKSH. Jährlich kommen ungefähr 35.000 Frauen, Männer und Kinder in die Notaufnahme, manche zu Fuß, andere mit dem Bus oder dem eigenen Auto, wieder andere mit dem Hubschrauber. Genauso unterschiedlich sind dann die Leiden oder Verletzungen, mit denen es die alles in allem etwa 30 ärztlichen und 43 pflegerischen Fachkräfte der Notaufnahme zu tun haben. „Routine gibt es nicht“, sagt Schunk und schmunzelt dabei ein wenig. Denn genau das Wissen darum, dass jeder Tag anders verläuft als erwartet, erhofft oder befürchtet, betrachtet er als großen Vorzug seiner Arbeit.

Pures Routinedenken könnte in diesem Bereich andersherum sogar tödlich sein, weil trotz aller Erfahrung jeder Fall anders ist. „Es geht darum, möglichst schnell und zuverlässig herauszufinden, was mit der Patientin oder dem Patienten los ist“, beschreibt Schunk die Kernaufgabe der Notaufnahme. Sich interdisziplinär aufzustellen, das liegt unter diesen Umständen auf der Hand. Die am häufigsten geforderten medizinischen Fachrichtungen werden übers Stammpersonal abgedeckt. Ist darüber hinaus spezielle Kompetenz gefragt, stehen schnell Expertinnen oder Experten aus den verschiedenen Fachdisziplinen am Campus parat.

Allein der Mensch macht es aber nicht in der Notaufnahme. Froh sind Schunk und sein Team darüber, dass die neuen Räumlichkeiten der Abteilung die Arbeit in vielerlei Hinsicht erleichtern, zumal sich darin eine hervorragende technische Ausstattung befindet. In speziellen Schockräumen stehen alle Geräte zur Verfügung, die benötigt werden, wenn schwere Unfälle passiert sind oder gesundheitliche Notfälle wie Herzinfarkt oder Schlaganfälle zu behandeln sind. Was genau das Problem ist, kann dabei mit umfangreichem eigenen diagnostischen Inventar bis hin zum Computertomographen ermittelt werden.

Auch der Eingangsbereich der Notaufnahme ist neu gestaltet worden.

„Ein Symptom kann vielerlei bedeuten“, erläutert Domagoj Schunk und verweist darauf, dass zum Beispiel immer wieder Frauen oder Männer erscheinen, die über Brustschmerzen klagen. Doch handelt es sich tatsächlich um einen Herzinfarkt? Aufschluss darüber können die Blutwerte und ein EKG geben, und ganz genau zu sagen vermag es im Zweifel eine Kardiologin oder ein Kardiologe. „Das ist eben der große Vorteil, dass wir immer die nötigen Fachleute zur Hand haben“, freut sich der Chef der Notaufnahme über die Leistungsfähigkeit des Universitätsklinikums.

Wie unterschiedlich solche und viele andere Situationen aufgelöst werden, zeigen ein paar grobe Zahlen. Etwa 40 Prozent der Menschen, die in die Notaufnahme kommen, werden stationär untergebracht, die übrigen gehen wieder nach Hause. „Das geschieht teils mit und teils ohne Einweisung des jeweiligen Hausarztes“, erklärt Dr. Schunk. Oberstes Gebot ist es bei der Entscheidung, was geschehen soll, Fehler zu vermeiden, denn es liegt in der Natur der Sache, dass diese schwerwiegende Folgen haben könnten. Sich gegenseitig beraten, sich mindestens doppelt absichern, externe Fachleute hinzuziehen, wenn ein Rest an Zweifel bleibt weitere Untersuchungen vornehmen, all das soll gewährleisten, dass Irrtümer nach menschlichem Ermessen weitestgehend ausgeschlossen werden können.

Wer zu denjenigen gehört, die nicht nach kurzer Zeit wieder entlassen werden, wird indes keineswegs nach Schema F behandelt. Sieht es ganz ernst aus, folgt selbstverständlich eine Überstellung in die Intensivstation. Sind dagegen weitere Abklärungen nötig, ohne dass akute Gefahr besteht, kommen die Betroffenen in die Aufnahmestation, die nach Schunks Darstellung eigentlich die Funktion einer Beobachtungsstation hat. 30 Betten und noch einmal zusätzlich 17 Pflegekräfte stehen hier zur Verfügung, der Aufenthalt dort soll in der Regel nicht mehr als 24 Stunden betragen. In dieser Zeit wird das Problem so weit abgeklärt, bis feststeht, ob eine Entlassung möglich ist oder die Verlegung auf die Stationen der Fachkliniken die bessere Lösung darstellt. „Eine umfassende Notfallversorgung auf technisch wie fachlich höchstmöglicher Ebene“, das ist für Dr. Schunk das höchste Ziel der Interdisziplinären Notaufnahme. Froh ist er darüber, dass diese Schnittstelle der Medizin am UKSH „allen Verantwortlichen des Klinikums am Herzen liegt“. Von den einzelnen Fachdisziplinen über die Direktion bis zum Vorstand erfreut sich diese Einrichtung aus seiner Sicht eines großartigen Rückhalts.

Längst nicht alle Patienten kommen mit dem Rettungs- oder Krankenwagen in die Notaufnahme.

Massiv dazu bei trägt für den Arzt nicht zuletzt „ein ganz tolles Pflegeteam“. Engagement, oft weit über die pure Pflicht hinaus, dazu große Kompetenz und zugleich immer das Menschliche im Blick, das macht für den Chef die Qualität dieses Teams aus. Auf der anderen Seite ist die Notaufnahme wegen ihrer großen Vielfalt für Pflegekräfte ein attraktiver Arbeitsplatz. Wobei Dr. Schunk betont: „Gute Leute können wir immer gebrauchen.“

Dr. Domagoj Schunk ist Ärztlicher Leiter der Interdisziplinären Notaufnahme des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel. Im Schockraum stehen ihm und seinem Team modernste Möglichkeiten zur Verfügung.

Text: Martin Geist
Fotos: UKSH
https://www.uksh.de
Telefon: 0431-500-0