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Corona-Sünden können zu Herzen gehen

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00:01 21.04.2021
Zu viel, zu fett, nicht ausgewogen: Corona hat bei vielen auch Einfluss auf die Ernährung.
Zu viel, zu fett, nicht ausgewogen: Corona hat bei vielen auch Einfluss auf die Ernährung. Quelle: Pixabay
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Herzkranzgefäße sind die Kraftstoffleitungen des Herzens. Sie versorgen das pausenlos tätige Herzmuskelgewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen und halten damit die Maschine Mensch am Laufen. Maßgeblich an dieser Maschine beteiligt sind außerdem Schlagadern, die Blut und Sauerstoff zu den Organen transportieren. Diese Leitungen, so weiß Prof. Derk Frank, Kommissarischer Direktor der Klinik für Innere Medizin III, haben aber ein Problem: „Sie können sich durch Blutfette, Bindegewebe oder Kalk verengen, ein Prozess, der als Arteriosklerose bezeichnet wird.“ Über kurz oder lang kann das lebensgefährlich werden, mahnt Prof. Frank. Sind die Herzkranzgefäße selbst verstopft, kommt es zum Infarkt. Trifft es die Schlagadern, werden neben dem Herzen nicht selten auch andere Organe geschwächt.

Eng zusammen arbeitet Prof. Frank in Sachen Therapie immer wieder mit seinem Kollegen Prof. Hendrik Bonnemeier. Der stellvertretende Klinikdirektor ist als Bereichsleiter für Elektrophysiologie für alles zuständig, was mit Herzströmen zu tun hat. Am bekanntesten ist unter diesem Aspekt der Schrittmacher, der je nach Einzelfall allerdings verschiedene Funktionen erfüllt. Bei Herzrhythmusstörungen, die häufig mit nicht bewusst erlebten Totalaussetzern im Schlaf verbunden sein können, hält das Gerät das menschliche Pumporgan mit gezielten Stromstößen im Takt. Bei der meist durch Arteriosklerose verursachten oder zumindest verstärkten Herzinsuffizienz kann ein Schrittmacher dagegen das Herz stimulieren und wieder leistungsfähiger machen. Dann gibt es noch die Möglichkeit, einen Defibrillator zu implantieren und damit das Risiko eines plötzlichen Herztodes enorm zu reduzieren. „Ganz nach dem jeweiligen Fall können solche Methoden auch kombiniert werden“, erläutert Prof. Bonnemeier und betont, dass gerade angesichts der vielfältigen therapeutischen Möglichkeiten eine exakte Diagnostik das Allerwichtigste ist.

Das UKSH als an die universitäre Forschung angedocktes Klinikum der Maximalversorgung hat in dieser Hinsicht enorme Potenziale. Und die, so ermuntert Bonnemeier, sollten Menschen mit Herzproblemen auch unbedingt nutzen. Nicht immer muss dann als Therapie ein massiver Eingriff herauskommen. Herzklappenprobleme, die zu kleinen Undichtigkeiten oder Engstellen führen können, lassen sich nach Angaben seines Kollegen Derk Frank oft recht gut mit Medikamenten behandeln. Und auch gegen die gefürchtete „Arterienverkalkung“, wie die Arteriosklerose im Alltagsdeutsch genannt wird, lässt sich zum Beispiel mit richtig eingestellten Risikofaktoren (beispielsweise Blutdruck, Diabetes, Cholesterin, kein Nikotin) allerhand machen. Manchmal kann ein kathetergestützter Eingriff helfen.

Reichen solche Methoden aber nicht aus, kommt die von Prof. Jochen Cremer geleitete Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie ins Spiel. Sowohl am Herzen selbst als auch an den Schlagadern nimmt diese in ganz Deutschland renommierte Klinik Jahr für Jahr Tausende Eingriffe vor, nicht selten auch welche von sehr komplexer Art. „Dank minimalinvasiver Technik, die immer filigraner wird, können wir auch extrem kleinteilige Eingriffe machen und Betroffenen helfen, die ein erhöhtes operatives Risiko vorweisen“, betont Prof. Cremer.

Dennoch sind Cremer und seine Kollegen aus der Klinik für Innere Medizin III immer froh, wenn es zu Operationen und aufwendigeren Therapien erst gar nicht kommen muss. Zwar nimmt die Zahl der Herzleiden im Alter eindeutig zu, sodass heutzutage die meisten Patientinnen und Patienten 70 bis 90 Jahre alt sind, doch Vorbeugung ist nach Überzeugung aller drei Experten gleichwohl ein großes Thema. Risikofaktoren wie Diabetes, Übergewicht oder Bluthochdruck lassen sich durch richtige Ernährung und regelmäßige Bewegung sehr gut beherrschen, hebt das Ärzte-Trio hervor. Und dafür muss aus Sicht von Prof. Frank noch nicht einmal allzu viel getan werden: „Wer sich gut und ausgewogen ernährt, sich bewegt, auf gesunden Schlaf achtet und nicht raucht, hat schon sehr viel richtig gemacht.“ Dass in Corona-Zeiten indes genau diese Dinge vernachlässigt werden könnten, bereitet dem Herzspezialisten und seinen Kollegen allerdings „große Sorge“.

Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie, Arnold-Heller-Straße 3, Haus C

Klinik für Innere Medizin III, Arnold-Heller-Straße 3, Haus K3

UKSH, Campus Kiel

www.uksh.de