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Gesundheit Die Kunst der kleinen Schnitte
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10:24 09.01.2017
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Pro Jahr werden in Deutschland mehr als 180.000 Hüftgelenke durch Kunstgelenke ersetzt. Wer sich traditionell operieren lässt, braucht meist mehrere Wochen oder gar Monate, um seine Kraft und Beweglichkeit wieder aufzubauen. Ursache hierfür ist die muskelablösende Operationsmethode. Um eine gute Sicht auf die Knochen- und Gelenkstrukturen zu haben, trennt der Chirurg einen Teil der Muskeln ab, die das Hüftgelenk umgeben und stabilisieren. Nach der Implantation der Endoprothese näht er sie wieder an. Für die Patienten ist der Eingriff eine große Belastung, denn es kann zu erhöhtem Blutverlust während der OP und zu Schmerzen und muskulären Einschränkungen nach dem Eingriff kommen.

Anders ist es beim minimalinvasiven Operationsverfahren. Hier werden die Muskeln über den direkten vorderen Zugang (DAA) durch spezielle Instrumente beiseite gehalten und nicht durchtrennt. Die Muskulatur bleibt vollständig unbeschädigt. Auch der Hautschnitt ist wesentlich kleiner. 6 bis 8 Zentimeter statt der üblichen 15 bis 20 Zentimeter misst die äußere Narbe nach einer MIC-Operation. „Allein der kleine Schnitt begeistert viele Patienten“, sagt Dr. Lorber. Viel entscheidender sei jedoch, was unter der Haut passiere, erklärt der leitende Oberarzt der Unfall- und Orthopädischen Chirurgie im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK). „Beim vorderen Zugang erfolgt der Schnitt vorn in der Leiste. Von hier erreicht man das Gelenk problemlos, während nur ein Assistent von Nöten ist die Muskeln mit speziellen Operationsinstrumenten zur Seite zu halten“. 300 Patienten haben Dr. Lorber und das Team der Unfallchirurgie am FEK seit Mitte 2015 auf diese Weise operiert. Die Vorteile für die Patienten liegen klar auf der Hand: Sehr geringer Blutverlust – Fremdblutgaben sind nicht mehr nötig, kaum Schmerzen nach der Operation. „Unsere Patienten sind sehr schnell wieder auf den Beinen. Bereits einen Tag nach der OP gehen sie mit Begleitung und unter Vollbelastung den Flur entlang“, berichtet Dr. Lorber. Die Patienten werden im Durchschnitt fünf Tage nach dem Eingriff entlassen. Stationäre Reha-Maßnahmen sind in der Regel nicht mehr erforderlich.

„Für die Patienten ist das minimalinvasive Operationsverfahren ein Segen“, sagt der erfahrene Chirurg und meint damit nicht nur Arthrosepatienten, die aufgrund ihrer Schmerzen in ihrer Aktivität eingeschränkt waren und bereits eine Woche nach der minimalinvasiven Hüft-OP wieder schmerzfrei laufen und am sozialen Leben teilnehmen können. Der leitende Oberarzt hat auch ältere Menschen mit Oberschenkelhalsbrüchen im Blick. „Diese Patientengruppe profitiert im besonderen Maße von unserer muskelschonenden Operationsmethode“, sagt Thomas Lorber. Denn erstens sei eine schnelle Mobilisierung für sie lebenswichtig und zweitens könne man im modernsten Operationssaal Schleswig-Holsteins rund um die Uhr operieren. „Ein Oberschenkelhalsbruch sollte immer zeitnah behandelt werden. Da wir für eine minimalinvasive Hüft-OP nur einen Assistenten benötigt, können wir Notfälle auch am Wochenende versorgen“, erklärt der sympathische Mediziner. Hinzu komme, dass der Eingriff maximal eine Stunde dauert. Die Belastung des Körpers durch die Narkose also sehr gering sei und der Blutverlust minimal. „Im FEK haben wir uns die bestmögliche Versorgung unserer Patienten auf die Fahnen geschrieben. Auch deshalb setzen wir auf die minimalinvasive Operationsmethode“, sagt Dr. Thomas Lorber.

Dr. med. Thomas Lorber kam nach seinem Medizinstudium in Wien 2003 als „Arzt im Praktikum“ ins FEK. Fünf Jahre später machte er seinen Facharzt für Chirurgie. 2010 kehrte er für sechs Monate in seine Heimat nach Österreich zurück, um im Landeskrankenhauses Villach als Unfallchirurg zu arbeiten. Nach seiner Rückkehr ins FEK wurde er zum Oberarzt der Unfallchirurgie berufen. Seit November 2012 ist Thomas Lorber als leitender Oberarzt zuständig für die Abteilung Endoprothetik.