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Gesundheit Hilfe bei Steinleiden, dem Wasserlassen und bösartigen Tumoren
Mehr Gesundheit Hilfe bei Steinleiden, dem Wasserlassen und bösartigen Tumoren
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Dr. Klaus Esders, Chefarzt der Urologie im Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster.
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Nierensteine machen sich häufig schmerzhaft bemerkbar. Die Ursache der Steinbildung im Harntrakt ist vielschichtig; wer jedoch an Übergewicht leidet, sich zu wenig bewegt und insbesondere zu wenig trinkt, ist gefährdet, im Laufe seines Lebens einmal oder mehrfach Nierensteine zu bilden. Wenn der Stein noch in der Niere liegt, kann er fast schmerzfrei durch von außen in den Körper eingebrachte Druckwellen soweit zerkleinert werden, dass die Steinreste den Körper auf normalem Wege verlassen können. Wenn diese Steine in den engen Harnleiter zwischen Niere und Blase eintreten, können sie festklemmen und heftigste Schmerzen (Koliken) verursachen. Dann produziert die Niere weiterhin Urin, der sich aufstaut, da er am festsitzenden Stein nicht vorbei fließen kann. Kleine Steine gehen häufig unter Gabe von krampflösenden Medikamenten spontan ab; größere Steine klemmen jedoch regelmäßig ein und erfordern eine baldige Behandlung, um die Schmerzen zu lösen und die Niere vor Folgeschäden auf Grund der Harnstauung zu schützen.
Während früher klassische Schnittoperationen erforderlich waren, um die Steine zu entfernen, profitieren die Menschen heute von der enormen Entwicklung der Technik, die es möglich macht, mit dünnen biegsamen Instrumenten (flexible Endoskope) über die Harnröhre und die Blase bis in den Harnleiter und hinauf zur Niere eine Spiegelung vorzunehmen, den Stein etwa mittels Laserstrahl zu zerkleinern und anschließend die Steinfragmente einzufangen und zu entfernen.
Generell sei es aus vielen Gründen wichtig, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, sodass mindestens eineinhalb bis zwei Liter Urin täglich ausgeschieden werden. Da die ausgeschiedene Menge normalerweise nicht genau beurteilt werden könne, empfiehlt Chefarzt Dr. Esders, auf die Farbe des Urins zu achten; bei hellgelbem Harn sei „alles im Lot“; dunkelgelber Urin könne der Anfang einer neuerlichen Steinbildung sein.
Junge Menschen nehmen die Funktionen ihres Körpers als selbstverständlich dar. Erst im Alter entwickeln sich langsam gewisse Einschränkungen, so auch beim Wasserlassen und beim Wasserhalten. Insbesondere bei Männern erschwert mit zunehmendem Alter das Wachstum der Prostata die Blasenentleerung. Der Harnstrahl wird schwächer, die Blasenentleerung dauert länger und die Nachtruhe muss häufig mehrfach unterbrochen werden. Ursache ist die mit dem Alter wachsende Prostata, die die Harnröhre umschließt und den Urinabfluss beeinträchtigt.
Frauen sind gefährdet, mit zunehmendem Alter die Blase schlechter kontrollieren zu können; Gründe hierfür sind neben nachlassender Durchblutung der Beckenorgane auch deren Senkung durch Geburten, Operationen oder das Alter. Probleme mit der Urinkontrolle (Inkontinenz) waren lange Zeit tabuisiert, können jedoch in vielen Fällen sehr gut behandelt werden; über die genaue Art der Behandlung informiert die Urologin oder der Urologe nach gründlicher Untersuchung.

Ein klassischer Notfall in der Urologie stellt neben der Nierenkolik auch die Hodentorsion dar. Die Hoden können sich um sich selbst drehen und dabei die Blutgefäßzufuhr zuschnüren. Dann ist schnelle Hilfe erforderlich, da der Hoden sonst innerhalb von wenigen Stunden abstirbt und dem – meist jungen – Mann verlorengeht. Eine solche Hodendrehung kann beim Sport passieren, aber auch ohne äußeren Anlass zum Beispiel im Schlaf; im Zweifel sollte auch nachts die zügige Vorstellung beim Urologen erfolgen.

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Auf die Behandlung von bösartigen Tumoren des Urogenitaltraktes ist die Urologie spezialisiert; Krebserkrankungen an Blase und Prostata sind besonders häufig und heimtückisch, da sie keine Beschwerden verursachen. Kleine Blasentumore können endoskopisch (im Rahmen einer Blasenspiegelung in Narkose) entfernt werden. Bei größeren Tumoren muss die Blase entfernt und ein Blasenersatz aus körpereigenem Material gebildet werden. Prostatakrebs ist der häufigste Krebs bei Männern und verhält sich von Mann zu Mann ganz unterschiedlich; während manche Männer über Jahre mit ihrem Prostatakrebs weitgehend unbeschwert leben können, werden andere Männer vom Krebs regelrecht „aufgefressen“. Durch regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen (Bluttest, Ultraschall und Abtasten der Prostata) kann das Auftreten von Prostatakrebs zwar nicht verhindert werden, aber doch oft so rechtzeitig erkannt werden, dass eine Heilung möglich ist.
Auch an Niere und Hoden können sich bösartige Erkrankungen bilden,, die im Frühstadium ebenfalls relativ wenige Beschwerden verursachen und im Rahmen einer Früherkennungsuntersuchung rechtzeitig entdeckt werden können.
Selbstverständlich ist der Urologe auch Ansprechpartner für andere Themen „unterhalb der Gürtellinie“ einschließlich der Fragen zur Sexualität, die heute auch von älteren Menschen ganz selbstverständlich gewünscht und genossen wird.