Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Gesundheit Keine Angst vor der Narkose
Mehr Gesundheit Keine Angst vor der Narkose
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:39 11.12.2013
Eingespielt: Die optimale Zusammenarbeit zwischen Anästhesist Moritz Hippe und dem Team um Anästhesieschwester Gaby Pankow ist – neben der Erfahrung des Anästhesisten – einer der wichtigsten Faktoren für die Patientensicherheit.
Eingespielt: Die optimale Zusammenarbeit zwischen Anästhesist Moritz Hippe und dem Team um Anästhesieschwester Gaby Pankow ist – neben der Erfahrung des Anästhesisten – einer der wichtigsten Faktoren für die Patientensicherheit.

„Die Angst zu früh oder gar nicht mehr aufzuwachen, ist ebenso verbreitet wie die vor Schmerzen nach der OP und Nebenwirkungen wie Übelkeit“, erklärt Moritz Hippe, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin und Ärztlicher Direktor der HELIOS Klinik Kiel. Viele Menschen versuchten, diese Ängste und sogar traumatische Erfahrungen aus der Vergangenheit mit sich selbst auszumachen. Dabei gibt es eine Person, die dies alles wissen sollte: der Anästhesist. Oft bekommt man ihn nur kurz zu Gesicht - wenn er beim OP-Vorgespräch über die Risiken des Eingriffs aufklärt. Doch seine Arbeit beginnt viel früher.

„Einen guten Anästhesisten macht aus, dass er auch von dem etwas versteht, was der Chirurg macht“, sagt Moritz Hippe. „Er beschäftigt sich schon vor der OP mit dem geplanten Eingriff“. Was will der Chirurg machen? Hat der Patient bestimmte Vorerkrankungen? „Das wichtigste ist jedoch das Gespräch mit dem Patienten selbst“, so Moritz Hippe. Schlechte Erfahrungen und Komplikationen bei vorangegangenen Eingriffen - mögen sie auch noch so lange her sein - sollten hier auf jeden Fall zur Sprache kommen. Neigen Sie zu Reisekrankheit? Sind sie Migränepatient? Haben Sie Vorerkrankungen, die nicht in Ihrer Akte aufgeführt sind? Mit Hilfe dieser Informationen wählt der Anästhesist das Narkosemittel und die Narkoseart aus, die für Sie persönlich am besten ist. Wer z.B. zu Kopfschmerzen neigt, wird nicht unbedingt eine Spinalanästhesie erhalten. Für Lungenkranke ist eine Teilanästhesie oft schonender, da dabei keine Beatmung nötig ist. Und bei Patienten oder Eingriffen mit erhöhtem Risiko für verfrühtes Aufwachen, wird sich der Arzt vielleicht gegen eine rein intravenöse Vollnarkose und für eine sogenannte balancierte Anästhesie mit Narkosegas entscheiden, da hierbei das Risiko einer ungewollten Wachheit geringer ist. „DIE beste Narkose gibt es jedoch nicht“, so Hippe. Es gelte, immer individuell abzuwägen. Soweit dies medizinisch möglich ist, werden dabei natürlich auch die Wünsche des Patienten berücksichtigt.    

„Während der OP sorgt der Anästhesist dafür, dass der Patient Narkose und Eingriff gut übersteht“, erklärt Moritz Hippe. Dafür werden Herzfrequenz und Herzstromkurve durch ein EKG während der gesamten Operation ebenso überwacht wie der Blutdruck. Ein Fingerclip misst, ob genügend Sauerstoff im Blut ist. Bei größeren Eingriffen in Vollnarkose kann außerdem mittels EEG die Hirnstromaktivität gemessen werden. „Je nach Art und Größe des Eingriffs, muss auch eine Schmerzbehandlung nach der OP schon im Vorfeld bedacht werden. Sind größere Schmerzen zu erwarten, etwa nach Implantation eines künstlichen Gelenks, besteht die Möglichkeit, schon vor der OP einen Schmerzkatheter an den versorgenden Nerv zu legen“, sagt Hippe. Eine weitere Möglichkeit sind intravenöse Schmerzpumpen. Dabei hat der Patient selbst in der Hand, ob und wann er sich eine durch den Anästhesisten festgelegte Dosis Schmerzmittel verabreicht. Interessanterweise zeigen Studien, dass auf diese Weise weniger Medikamente verbraucht werden.

Zu den medizinischen Sicherheitsmaßnahmen kommen organisatorische. „Bei HELIOS ist man sehr auf Sicherheit bedacht“, sagt Moritz Hippe. „Das habe ich bisher noch bei keiner Klinik so erlebt.“ Vor jedem Eingriff wird eine Checkliste abgehakt: Ist das der richtige Patient? Welcher Eingriff steht an? Ist das auch die richtige Seite? Dann wird der OP-Bereich auf dem Körper markiert. Der Chirurg sagt etwas zur geschätzten Dauer und dem zu erwartenden Blutverlust. Der Anästhesist geht noch einmal gravierende Vorerkrankungen und eventuelle Allergien durch. Nach der OP kontrolliert der OP-Pfleger das Operationsmaterial auf Vollständigkeit. Das detaillierte Protokoll geht in die Patientenakte ein.