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Gesundheit Leukämie: Abwehrzellen aus dem Reagenzglas
Mehr Gesundheit Leukämie: Abwehrzellen aus dem Reagenzglas
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12:39 20.03.2019
Prof. Claudia Baldus (rechts) und Oberärztin Dr. Dominique Wellnitz besprechen in der Therapieambulanz des Karl-Lennert-Krebscentrums mit einer Patientin die weitere Vorgehensweise. Quelle: UKSH
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Genauere Diagnosen, bessere Wirkstoffe – und von diesem Sommer an eine neue Immuntherapie, die für bestimmte Patienten große Verbesserungen bringen kann: In der Behandlung von Blut- und Lymphdrüsenkrebs (Lymphome) tut sich derzeit viel Ermutigendes am Universitätsklinikum Schleswig- Holstein am Campus Kiel. Prof. Claudia Baldus ist seit Herbst 2018 als Nachfolgerin von Prof. Michael Kneba Direktorin der Klinik für Innere Medizin II – Hämatologie und Onkologie am UKSH Campus Kiel und Spezialistin für die verschiedenen Formen der Leukämien. „Wir verstehen die Krankheit jetzt viel besser“, fasst die Ärztin den Trend und die aktuelle Lage zusammen.

Vor allem die genetischen Veränderungen, die dazu führen, dass Blutzellen außer Kontrolle geraten, können inzwischen sehr genau bestimmt werden. Das wiederum erlaubt eine detaillierte Diagnose und am Ende eine zielgerichtete Therapie, die bei weniger Nebenwirkungen mehr Nutzen bringt. Schon bei vielen Krebserkrankungen ist heutzutage eine personalisierte Behandlung möglich – jetzt auch bei Leukämien. Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Akuten Myeloischen Leukämie, der häufigsten Form von Blutkrebs bei Erwachsenen. 40 Jahre lang hatte sich hier die Therapie kaum fortentwickelt, seit etwa zwei Jahren jedoch gibt es viele neue Wirkstoffe, die über verschiedene Mechanismen arbeiten und eine gezielte Behandlung der speziellen Krankheitsbilder ermöglichen.

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„Manchmal liegt die Lösung auch in der Kombination mehrerer Wirkstoffe“, beschreibt Prof. Baldus die neuen Möglichkeiten. Eine Parallele zu anderen Krebserkrankungen zeigt sich bei der Immuntherapie, die bei Leukämien und Lymphomen teilweise sehr gut anschlägt. Das vom Krebs lahmgelegte menschliche Abwehrsystem wird dabei wieder fit gemacht, sodass sich der Körper selbst wehren kann. Einen hohen Stellenwert hat zudem nach wie vor die Stammzellentransplantation, die dank besserer Feinabstimmung und optimierten Abläufen vielen Patienten ermöglicht werden kann.

Als eine der ersten Kliniken in Deutschland wird das UKSH am Campus Kiel in diesem Sommer ganz neue Wege beschreiten. Die in den USA entwickelte CAR-TZell- Therapie ist hierzulande erst seit kurzer Zeit verfügbar und setzt scharfgeschaltete Immunzellen (modifizierte T-Zellen) als Waffe ein. Diese Immunzellen des Patienten werden im Reagenzglas so aktiviert, dass sie Leukämiezellen nicht nur erkennen, sondern sie durchschlagskräftiger zerstören als jedes Medikament es kann. Dennoch mahnt Prof. Baldus, dass damit „keine Wunderwaffe“ gefunden sei. Erstens liegen noch keine Langzeiterfahrungen vor, und zweitens kommen derzeit nicht alle Arten von Leukämien und Lymphomen für diese T-Zell-Therapie in Frage. Eingesetzt wird sie bislang vielmehr nur bei der B-Zell-Lymphoblastischen Leukämie und bei B-Zell-Lymphomen.

Dabei ist größte Behutsamkeit angesagt. „Die scharfgemachten T-Zellen können so zerstörerisch werden, dass sie übers Ziel hinausschießen und schwere Nebenwirkungen hervorrufen“, beschreibt Prof. Baldus das Risiko. Aus diesem Grund dürfen auch nur ausgewählte, spezialisierte Zentren mit eigens geschultem Personal diese neue Therapie vornehmen. Die Verantwortlichen des UKSH sind dennoch überzeugt, dass die neue Behandlungstechnik für ausgewählte Patienten mehr Chancen als Risiken bietet. „Auch die bisherigen Erfahrungen in den USA zeigen, dass damit Leben gerettet werden kann, wo andere Therapien versagt haben“, begründet Prof. Baldus ihre Zuversicht.

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