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Gesundheit Neue Techniken für Patienten mit Herzproblemen
Mehr Gesundheit Neue Techniken für Patienten mit Herzproblemen
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08:30 15.03.2019
So sieht ein Herzohr-Verschluss aus, der sehr wirksam Blutgerinnsel und damit Schlaganfälle verhindern kann. Quelle: UKSH
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Eine bevorstehende Herzkatheter- Untersuchung ist oft mit mulmigen Gefühlen verbunden. Das allerdings fast immer zu Unrecht, denn der Eingriff geht heutzutage in aller Regel sehr schnell und ohne Komplikationen vonstatten. Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) setzt dabei ganz überwiegend auf den schonenden Zugang über die Arm-Arterie. Die Arteria Radialis sagt Laien kaum etwas, ist aber trotzdem sehr bekannt, weil an dieser Arterie gern der Puls gemessen wird. Seit wenigen Jahren weiß man außerdem, dass sie auch ein elegantes Tor für Katheter-Untersuchungen darstellt. Bis dahin wurde dafür überwiegend die Leisten-Arterie genutzt, was zwar funktionierte, aber auch immer wieder zu Komplikationen führte. „In der Leistengegend befindet sich oft relativ viel Fettgewebe, sodass ein Eingriff über diese Stelle manchmal einfach nicht so gut beherrschbar ist“, nennt Prof. Norbert Frey den Grund. Blutungen treten dagegen bei der neuen Methode nur noch selten auf, erläutert der Kardiologe, der auch Direktor der Klinik für Innere Medizin III ist.

Fast immer schon am Tag nach dem Eingriff wohlauf

Eine Studie des eigenen Hauses führte außerdem zum Ergebnis, dass die Nierenfunktion ebenfalls weniger beeinträchtigt wird. Mittels der Herzkatheter-Untersuchung lassen sich laut Prof. Frey verschiedene Zwecke erfüllen. Zunächst helfen, die in den Körper eingeführten Schläuche bei der Untersuchung der Herzkranzgefäße. Sie dienen aber auch dazu, Stents einzusetzen oder Proben aus dem Herzmuskel zu entnehmen. Diese Probe kann helfen die richtige Diagnose und Therapie bei Herzschwäche zu finden. Zudem können hochauflösende Aufnahmen aus den Gefäßen gemacht werden. Ergibt eine solche Aufnahme, dass ein Herzkranzgefäß, das dazu da ist, den Herzmuskel mit Blut zu versorgen, sehr stark verkalkt ist, kann der Katheter auch genutzt werden, die verstopften Stellen mit einer Art Miniaturfräse wieder zu öffnen. „Inzwischen gehen wir in mehr als 90 Prozent der Fälle durch die Arteria Radialis“, berichtet der Leiter des Herzkatheterlabors Oberarzt Dr. Matthias Lutz und hebt hervor, dass das nicht zuletzt für die Patientinnen und Patienten vorteilhaft ist. Sie müssen nach dem Eingriff nicht mehr wie früher für bis zu 24 Stunden das Bett hüten, sondern können sofort nach der Untersuchung aufstehen die Klinik fast immer spätestens am Tag darauf beschwerdefrei verlassen.

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Ebenfalls eine relativ neue Methode nutzt das UKSH bei einem anderen Herzproblem. Bei Vorhofflimmern, das sich durch Herzrasen, Herzs t o l p e r n oder innere Unruhe bemerkbar macht, lässt sich normalerweise die schwerwiegendste Komplikation recht effektiv durch blutverdünnende Medikamente behandeln. Was auch dringend nötig ist, denn diese Herzrhythmusstörung ist für ungefähr ein Drittel aller Schlaganfälle in Deutschland verantwortlich. Ein echtes Problem tat sich jedoch bis vor einigen Jahren auf, wenn Betroffene eine Blutverdünnung nicht vertragen. Das trifft für Menschen zu, die zu Magen-Darm-Blutungen neigen oder das Risiko einer Hirnblutung mit sich herumtragen. Bei schwerer Nierenschwäche sollten solche Medikamente ebenfalls nicht eingesetzt werden. „Man würde gern etwas geben, kann aber nicht“, beschreibt Prof. Frey das Dilemma aus ärztlicher Sicht.

Eine Lösung bringt nun der sogenannte Vorhofohr-Verschluss. Der linke und der rechte Vorhof sind Teile des Herzens, an denen sich jeweils eine kleine Absackung, das Vorhof- oder Herzohr, befindet. Ähnlich wie der Blinddarm ist dieses Ohr ein Überbleibsel der Evolution und erfüllt keinen wirklichen Zweck. Stattdessen bilden sich dort leicht Blutgerinnsel, die zu Schlaganfällen führen können. Ebenfalls mit Hilfe eines Katheters wird am UKSH der risikoträchtige Vorhof komplett abgedichtet, sodass die Patienten anschließend höchstens noch leichte Blutverdünnungsmittel zu sich nehmen müssen. „Erste Studien deuten darauf hin, dass die Wirksamkeit des Vorhofohrverschlusses mindestens so gut ist wie die von Medikamenten an Patienten ohne Unverträglichkeit“, erläutert der Kardiologe vom UKSH. Der Eingriff selbst stellt ebenfalls keine überaus große Herausforderung dar und dauert etwa 45 Minuten. Die Patienten werden dabei leicht sediert, kommen also ohne Vollnarkose aus. Auch bewegt sich die Quote von Komplikationen auf demselben Niveau wie bei vergleichbaren Eingriffen, sodass die allermeisten der auf diese Weise behandelten Patienten schon am Tag danach wieder entlassen werden können. Als Alternative für Menschen, die Blutverdünner zwar gut vertragen, aber nicht dauerhaft Medikamente einnehmen möchten, empfiehlt der Herzspezialist die Abdichtung aber nicht: „Ein Eingriff sollte nur dann vorgenommen werden, wenn es schwerwiegende Argumente gegen Medikamente gibt.“ 

Prof. Norbert Frey ist Kardiologe und Direktor der Klinik für Innere Medizin III.
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