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Gesundheit OPs am Gehirn: So genau wie noch nie
Mehr Gesundheit OPs am Gehirn: So genau wie noch nie
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09:15 19.03.2019
Mithilfe eines speziellen Farbstifts und eines Filters ist es am UKSH möglich, Hirntumore sehr gut sicht- und operierbar zu machen. Quelle: UKSH
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Der Hirntumor ist nach wie vor eine der rätselhaftesten Plagen der Menschheit. Wie er entsteht und warum er jemanden befällt, dazu gibt es immer noch mehr Fragen als Antworten. Einen großen Schritt nach vorn hat am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) jedoch die Operationstechnik gemacht.

Hirntumore treten grundsätzlich in zwei völlig verschiedenen Arten auf. Relativ häufig handelt es sich um Streuungen von Körperzellen etwa durch Lungen-, Brust oder Darmkrebs. Seltener treten dagegen hirneigene Tumore auf, bei denen es sich um Wucherungen direkt aus den Gehirnzellen heraus handelt. „Genau diese hirneigenen Tumore stellen für die Medizin eine große Herausforderung dar“, sagt Prof. Michael Synowitz, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am UKSH in Kiel. Zwar können gutartige und zugleich langsam wachsende Tumore operativ oft komplett entfernt werden, bei bösartigen Formen ist das aber kaum möglich. Teilweise sind sie schwer oder überhaupt nicht zugänglich, weil bei einem Eingriff lebenswichtige gesunde Funktionsteile des Gehirns beschädigt oder zerstört würden. Häufig ist zwar eine Operation möglich, allerdings ohne dass der Tumor komplett herausgeschnitten werden kann. „Bei einer Geschwulst im Körper nimmt man sicherheitshalber einfach etwas mehr Gewebe heraus, am Gehirn geht das aber nicht, weil zu großer Schaden angerichtet würde“, beschreibt Synowitz das Problem. Verschärfend kommt hinzu, dass sich hirneigene Tumore optisch so gut wie gar nicht von normaler Gehirnmasse unterscheiden. Außerdem neigen sie dazu, mehr oder weniger sternförmig auszufransen, sodass es kaum gelingt, auch noch die letzten Reste mit dem Skalpell zu erwischen. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, den Hirntumor so vollständig wie möglich zu entfernen. „Je besser das gelingt, desto erfolgreicher ist die Therapie“, sagt Synowitz.

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Links die normale Ansicht, in der Mitte die optimierte. Ein weiteres Plus an Qualität bringt die Augmented Reality, die um digitale Daten erweiterte Realität (rechts).

Erheblich näher kommt das UKSH in Kiel und Lübeck diesem Ziel dank einer neuen Technik, die seit dem Jahr 2018 standardmäßig angewandt wird. Auf Basis des Farbstoffs Fluoreszin und mithilfe eines speziellen optischen Filters ist es erstmals möglich, Hirntumore unterm Mikroskop sehr gut sicht- und operierbar zu machen. „Damit können wir sicherer und genauer operieren als je zuvor“, freut sich der Kieler Hirnchirurg über diesen Fortschritt. Vor allem freuen sollen und dürfen sich aber die Patienten, für die das Verfahren nach den Worten von Prof. Synowitz einen „deutlichen Gewinn“ darstellt. Das Risiko schwerer Folgewirkungen wie Bewegungs- oder Sehstörungen sinkt beträchtlich, die Lebenszeit kann sehr wahrscheinlich in etlichen Fällen verlängert werden, und auf alle Fälle kommt ein Plus an Lebensqualität heraus.

Ein weiteres Plus an Qualität bringt die Augmented Reality, die um digitale Daten erweiterte Realität. Die Chirurgen können das mikroskopische Bild beispielsweise mit Magnetresonanztomographieaufnahmen anreichern, um bei der Arbeit noch umfassender informiert zu sein. Angewandt wird diese Technik ebenso wie das Fluoreszin-Verfahren nicht nur auf dem Campus Kiel, sondern auch auf dem Campus Lübeck. Langzeitwerte über den Nutzen können wegen der Kürze der Zeit zwar noch nicht vorliegen, aber alle bisherigen Erfahrungen sind mehr als positiv. Wegen der viel besseren Sichtverhältnisse dauern die Operationen zudem oft nicht mehr so lange wie früher, sodass sich die Patienten schneller erholen können. Auch der weitere Verlauf der Krankheit dürfte günstiger sein als früher, erwarten die Fachleute des UKSH. „Wenn man den Tumor besser erkennt, kann man mehr davon entfernen“, nennt der Chirurg den entscheidenden Vorteil. Denn es gilt die Regel: Je kleiner der Rest-Tumor ist, desto besser lässt er sich mit Chemotherapie, Bestrahlung oder einer Kombination aus beidem weiterbehandeln.

Gleichwohl sind der ärztlichen Kunst immer noch Grenzen gesetzt. Besonders das aggressive Gliomblastom ist weiterhin nicht heilbar und kann nur in seinem Wachstum gehemmt werden. „Mit den neuen Operationsverfahren können wir vielen Betroffenen zu einem längeren Leben bei guter Qualität verhelfen“, betont Prof. Synowitz.

 

Kontakt: Studienzimmer der Neurologie, Kiel: Tel. 0431-500-23989

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