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Gesundheit Probleme mit Hören und Sehen: Corona bringt es ans Licht
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Probleme mit Hören und Sehen: Corona bringt es ans Licht

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00:01 22.04.2021
Untersuchung des Richtungshörens im „schalltoten“ Raum.
Untersuchung des Richtungshörens im „schalltoten“ Raum. Quelle: UKSH/CAU
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Privatdozent Dr. Matthias Hey, Spezialist für Audiologie an der Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel, beobachtet derzeit einen interessanten Corona-Effekt. Wegen des allgemeinen Maskentragens sind die Menschen bei der verbalen Kommunikation vielfach komplett aufs Hören angewiesen, weil das Mundbild nicht sichtbar ist. „Oft ist es einem gar nicht so bewusst, wie sehr man auf die Interpretation der Lippenbewegungen und das Mundbild angewiesen ist und nimmt sein Hörproblem erst wahr, wenn dieser Zugang fehlt“, erläutert der Experte, weshalb aktuell vermehrt Betroffene ihre Schwerhörigkeit wahrnehmen.

Einer der häufigsten Gründe für diese Beeinträchtigung sind alte akustische „Sünden“ wie laute Musik bei Disco- oder Clubbesuchen, und genauso kann auf der anderen Seite Lärm im Beruf eine Rolle spielen. „Vieles gebessert“ hat sich nach Heys Urteil jedoch gerade beim Lärmschutz am Arbeitsplatz, während im privaten Bereich immer noch Schäden durch Nachlässigkeit hervorgerufen werden. Zu weit aufgedrehte Kopfhörer, aber auch das Werkeln mit der Schlagbohrmaschine ohne Ohrenschutz und ähnliche Aktionen können auf Dauer das Hörvermögen erheblich reduzieren. „Schwerhörigkeit ist etwas, was sich im Verlauf des Lebens aufbaut“, mahnt der Audiologe vom UKSH.

Weil dem so ist, tritt die Beeinträchtigung meist bei der Generation 60+ auf. Besonders um die schwerwiegenderen Fälle kümmert sich dann das UKSH, das zunächst stets eine umfangreiche Diagnostik vornimmt. Tröstlich ist dabei, dass oftmals schon ein gut eingestelltes Hörgerät hilft, zumal diese Geräte immer leistungsfähiger und dank Bluetooth-Technolgie auch immer flexibler einsetzbar werden. Und selbst wenn hochverstärkende Hörgeräte nicht mehr ausreichend Verständigung ermöglichen, können heute implantierbare Hörsysteme dank modernster Technik das Hören und Verstehen wiederbringen.

Makula-Degeneration: Therapeutisch tut sich was

Wenn die Fugen der Fliesen im Badezimmer plötzlich schief scheinen oder sich der Bildschirmtext des Fernsehers nicht mehr entzi ffern lässt, kann das an einem gerade mal 0,5 Millimeter kleinen Teil des Auges liegen: Dem Zentrum der Makula, die entscheidende Bedeutung für die Sehschärfe hat. „Leider ist dieser Teil der Netzhaut nicht nur sehr leistungsfähig, sondern auch anfällig“, erläutert Prof. Johann Roider, Direktor der Klinik für Ophthalmologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH). Konkret meint er damit die altersbedingte Makula-Degeneration, die typischerweise über 60-jährige Menschen betri fft und in der westlichen Welt die häufigste Erblindungsursache darstellt.
„Schnell gefährlich werden kann besonders die feuchte Makula-Degeneration“, sagt der Chef der Augenklinik. Durch undichte Blutgefäße kommt es dabei, stark vereinfacht ausgedrückt, zu Sehstörungen. Jedoch kann dieses Problem seit etwa 15 Jahren recht erfolgreich behandelt werden. Gegen das Protein, das die undichten Gefäße verursacht, wurde ein Antikörper entwickelt, der das Problem eindämmt. Zwar muss das entsprechende Medikament ins Auge eingespritzt werden, doch nach Schilderungen fast aller Betro ffenen ist diese Prozedur weit weniger unangenehm als man glauben möchte. Vor allem aber betont Prof. Roider, dass sich dieser Eingriff eindeutig lohnt: „Wenn man nichts unternimmt, kann es zu massiven Sehbeeinträchtigungen kommen. Oft geht dann die Sehkraft innerhalb eines Jahres von 100 auf bis zu 20 oder 10 Prozent oder noch weniger zurück.“ Eine „größere Herausforderung“ bedeutet laut Prof. Roider therapeutisch immer noch die trockene Makula-Degeneration, bei der Abfallprodukte aus dem Sto ffwechsel in die Netzhaut gelangen. Auch unter Beteiligung der Kieler Klinik für Ophthalmologie tut sich aktuell aber Vielversprechendes, etwa durch Therapien, die am Immunsystem ansetzen oder mit Licht arbeiten. Prof. Roider hat deshalb für beide Formen dieses Leidens wichtige Ratschläge: Wer es mit der feuchten Variante zu tun hat, sollte sich so früh wie möglich ärztliche Hilfe holen. Und im Fall der trockenen Degeneration, lohnt es, sich von Zeit zu Zeit nach neuen Therapien zu erkundigen.

Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie,
Arnold-Heller-Str. 3, Haus B1
www.uksh.de/HNO_Kiel/

Klinik für Ophthalmologie (Augenheilkunde)
Arnold-Heller-Str. 3, Haus B
www.uksh.de/augenklinik-kiel