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Gesundheit „Wir behandeln Menschen, keine Diagnosen!“
Mehr Gesundheit „Wir behandeln Menschen, keine Diagnosen!“
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12:12 12.01.2017
Professor Dr. med. Roland Repp, Chefarzt der 2. Medizinischen Klinik des Städtischen Krankenhauses Kiel
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Sie haben vor einem Jahr im Januar 2016 die Leitung der 2. Medizinischen Klinik im Städtischen Krankenhaus Kiel übernommen. Mit welchen Zielen sind sie nach Kiel gekommen?

Das Städtische Krankenhaus in Kiel hat einen seit Jahren etablierten und renommierten Schwerpunkt im Bereich der Onkologie und Hämatologie. Mein Ziel ist es, dies weiter fortzusetzen und dem Patienten nicht nur die bestmögliche medizinische Behandlung, sondern auch die bestmögliche menschliche Betreuung zukommen zu lassen. Glücklicherweise habe ich am Städtischen Krankenhaus sehr gute Voraussetzungen hierfür vorgefunden. Ich schätze insbesondere die gute Zusammenarbeit der Abteilungen sowie die fachliche und menschliche Kompetenz der Mitarbeiter.

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Die Diagnose Krebs ist für die Patienten oft ein schwerer Schock. Wie können Sie dem Patienten in dieser Situation helfen?

Die Krebsdiagnose ist immer eine existenzielle Bedrohung für den Patienten. Die meisten Patienten wünschen eine offene und ehrliche Aufklärung durch einen fachlich kompetenten Ansprechpartner der sich in dieser Situation vor allem Zeit für sie nimmt.  

Es ist eine hohe Kunst mit dem Patienten gemeinsam Entscheidungen zu treffen die seine besondere persönliche Situation einschließlich seiner Wünsche und Ziele berücksichtigt. Die Diagnose trifft den Patienten in einer ganz besonderen familiären, beruflichen und sozialen Situation, die in angemessener Weise berücksichtigt werden muss. Man darf nicht unterschätzen, wie sehr von der Diagnose nicht nur der Patient, sondern auch seine Familie und Freunde mitbetroffen sind. Auch hier sind Unterstützungsangebote notwendig.

Welche Fortschritte sehen Sie in der Tumorbehandlung in den letzten Jahren?

Wir haben es insbesondere in den letzten Jahren mit einer regelrechten Wissensexplosion zu tun. Man darf nicht vergessen, dass wir mittlerweile mehr als die Hälfte der Tumorpatienten tatsächlich heilen können. Dabei darf man jedoch auch nicht vergessen, dass ein jetzt neugeborenes Kind eine nahezu 50-prozentige Chance hat im Lauf des Lebens einen bösartigen Tumor zu entwickeln. Aber auch die Behandlungsmöglichkeiten von Tumorerkrankungen, die derzeit noch nicht heilbar sind, haben sich wesentlich verbessert. Neben den klassischen Therapieansätzen wie der Operation, der Chemotherapie und der Bestrahlung sind neue Therapieansätze wie die zielgerichtete Therapie und die Immuntherapie hinzugekommen. Um sicherzustellen, dass diese neuen Erkenntnisse auch zum Wohle jedes einzelnen Patienten eingesetzt werden können, diskutieren wir gemeinsam in der Tumorkonferenz mit Experten der verschiedensten Fachrichtungen über mögliche Behandlungsstrategien. Letztlich benötigt der Patient dennoch wieder einen ärztlichen Hauptansprechpartner, der mit ihm dieses geballte Wissen in einen persönlichen Behandlungsplan umsetzt und dabei begleitet. Die Behandlung ist oft ein langer Weg, an dem immer wieder Korrekturen vorgenommen werden müssen. Ohne eine kontinuierliche, vertrauensvolle Begleitung fühlt sich der Patient dabei oft sehr verloren.

Was gehört für Sie zu einem umfassenden Behandlungskonzept?

Neben dem erwähnten medizinischen Behandlungskonzept, welches nicht nur die Art des Tumors und die körperliche Situation des Patienten berücksichtigen darf, bedarf es weit mehr, um den Patienten ein bestmögliches Leben mit der Tumorerkrankung zu ermöglichen. Entscheidend ist zu verstehen, was den Patienten in der Situation am meisten belastet. Dies sind manchmal körperliche, tumorbedingte Symptome, oft aber auch psychische, soziale oder spirituelle Probleme. Ein starker Gewichtsverlust mit einer körperlichen Schwäche spielt dabei ebenso eine Rolle wie Ängste und Sorgen. Zur umfassenden Unterstützung bei all diesen Problemen ist das Wissen vieler Berufsgruppen gefragt, die eng zum Wohle des Patienten zusammenarbeiten.

Was kann der Patient selbst zur Behandlung beitragen?

Wir müssen uns immer klarmachen, dass wir als Ärzte den Patienten bestmöglich beraten und ihm verschiedenste Therapien anbieten können, letztlich ist aber der Patient derjenige, der mit der Erkrankung zurechtkommen muss. Die Selbstbestimmung des Menschen zu achten, bedeutet für mich auch eine Förderung der Eigeninitiative der Patienten. Themen wie gesunde Lebensweise, körperliche Aktivität, Ernährung aber auch unterstützender Begleitmaßnahmen, die unter dem Begriff Komplementärmedizin zusammengefasst werden, gehören hierzu. Auch zu diesen Themen erwartet der Patient eine kompetente Beratung und sinnvolle Integration in ein Gesamtkonzept.

Prof. Dr. med. Roland Repp

Chefarzt  2. Medizinische Klinik, Städtisches Krankenhaus Kiel
www.krankenhaus-kiel.de

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