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KN hilft Leben retten Hermann Gröhe: „Auf der Straße sollte man Mut zeigen“
Mehr KN hilft Leben retten Hermann Gröhe: „Auf der Straße sollte man Mut zeigen“
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07:44 06.12.2016
Von Gerhard Müller
Eine Herzdruckmassage funktioniert am besten zum Rhythmus des Bee-Gees-Hits „Staying Alive“, zu „Atemlos“ von Helene Fischer oder auch zu „Biene Maja“. Das hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) bei einem Erste-Hilfe-Kursus herausgefunden. Quelle: Jörg Carstensen/dpa

Sie haben zeitlich sehr gut passend zu unserer Aktion mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein „KN hilft Leben retten!“ den Startschuss für das „Nationale Aktionsbündnis Wiederbelebung“ gegeben. Was sind Ihre Beweggründe?

Hermann Gröhe: Über 50000 Menschen in Deutschland erleiden pro Jahr einen Herz-Kreislauf-Stillstand zu Hause, am Arbeitsplatz oder mitten in der Fußgängerzone. Häufig sind Menschen in der Nähe, die helfen könnten, aber sich nicht trauen oder gar nicht wissen, was zu tun ist. Doch wenn es darauf ankommt, kann jeder von uns zum Lebensretter werden! Mit dem Nationalen Aktionsbündnis für Wiederbelebung und der Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung möchten wir zeigen: Wiederbelebung ist einfacher, als viele denken! Wichtig ist, überhaupt zu handeln.

In Deutschland ist nur jeder Dritte bereit, im Notfall eine Herzdruckmassage zu machen. In Skandinavien können das sieben von zehn Menschen. Haben wir hierzulande etwas versäumt?

Wir sind in Deutschland auf einem guten Weg – heute helfen Menschen in doppelt so vielen Fällen als noch vor fünf Jahren! Doch das reicht noch nicht. Deshalb machen wir uns dafür stark, dass Freunde, Angehörige und Passanten auf der Straße Mut zeigen und bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand beherzt drücken.

Wie erklären Sie sich, dass es in Deutschland offenbar Vorbehalte gibt, einen fremden Menschen überhaupt anzufassen?

Viele wollen gerne helfen, aber sind in Notfallsituationen überfordert und haben Angst, etwas falsch zu machen. Oder sie haben besonders bei Fremden Hemmungen, ihnen nahe zu kommen und sie möglicherweise sogar zu beatmen. Wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass die Herzdruckmassage auch ohne gleichzeitige Beatmung sehr erfolgreich sein kann. Mit nur drei Schritten – Prüfen, Rufen, Drücken – kann jeder von uns im Alltag Leben retten.

In Frankreich wird dieses Thema so ernst genommen, dass jeder Schüler ab 14 Jahren in mindestens zwei Schulstunden den Umgang mit Bewusstlosigkeit und Herzstillstand lernt. Das soll nach dem Pilotprojekt in Nordrhein-Westfalen nun auch bei uns bundesweit geschehen. Was erwarten Sie davon?

Wenn bereits unsere Kinder lernen, wie sie erfolgreich wiederbeleben können, kann das Eingreifen im Ernstfall zu einer Selbstverständlichkeit werden. So können junge Menschen schon früh in diese Verantwortung hineinwachsen. Ich freue mich daher über diese Entwicklung.

Welche weiteren Maßnahmen können dazu beitragen, das Bewusstsein der Bevölkerung für dieses Thema und vor allem die Bereitschaft für die Herzmassage im Notfall zu verbessern?

Wichtig ist, Hemmschwellen abzubauen und zu zeigen: Wiederbelebung ist ganz einfach, wir können dabei nichts falsch machen. Das Wichtigste ist, sofort etwas zu tun. Darauf wollen wir bundesweit mit Veranstaltungen, Informationsmaterialien und Erklärvideos aufmerksam machen. Gleichzeitig sollen nicht nur Schulen, sondern auch Betriebe oder Behörden ermuntert werden, Wiederbelebungskurse anzubieten. Im Bundesgesundheitsministerium gehen wir mit gutem Beispiel voran. Außerdem führen Experten, Hilfsorganisationen und Fachgesellschaften, die sich in unserem Aktionsbündnis unter einem Dach vereinen, auch zahlreiche lokale Aktionen durch.

Zum Abschluss: Hand aufs Herz, wären Sie spontan in der Lage, Erste Hilfe zu leisten?

Natürlich! Erst im September habe ich bei der Auftaktveranstaltung zum Aktionsbündnis mit Dr. Eckart von Hirschhausen, dem früheren Profi-Fußballer Gerald Asamoah, der Ski-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch und vielen weiteren Unterstützern vor dem Brandenburger Tor geübt. Am besten geht das zum Rhythmus des Bee-Gees-Hits „Staying Alive“, zu „Atemlos“ von Helene Fischer oder auch zu „Biene Maja“ – je nach persönlichem Musikgeschmack. Die Lieder haben 100 bis 120 Beats pro Minute – genau in diesem Rhythmus sollte man im Ernstfall auf den Brustkorb drücken.

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„Leben retten!“ Mit seiner großen Aktion verfolgt der Verein KN hilft gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein das Ziel, möglichst viele Leser zu Lebensrettern auszubilden. Gleichzeitig widmen wir uns professionellen Lebensrettern – wie Pepe Block und Vio Klimmeck.

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