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18:16 20.08.2015
Alles eine Frage des Schnitts: Das Berliner Label 1979 entwirft elegante Bademoden wie aus einer anderen Zeit.
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Er hätte sie nackt fotografieren können, wie so viele andere Starlets und Mannequins vor ihr. Stattdessen steckte der Akt- und Glamour-Fotograf André de Dienes Marilyn Monroe in ei­nen weißen Badeanzug, der sich in sei­ner Stofffülle wie ein schützender Ko­kon um sie zu schmiegen schien. Die Fotoserie von 1949 am Strand von Long Island sollte eine seiner berühmtesten werden. Er schaffte es, die Monroe frisch und unschuldig wirken zu lassen und trotzdem ihren für alle Zeit fotoge­nen Sexappeal einzufangen. Hätte sie noch mehr Haut gezeigt, wäre dieser Spagat kaum gelungen. Ihr Auftritt im weißen Einteiler war der Auftakt einer Serie von Titelbildern für Magazine in aller Welt, die ihr zum großen Durch­bruch vom Pin-up-Girl zur Hollywood- Ikone verhalfen. Der Badeanzug hatte eben immer schon Starpotenzial. In die­sem Sommer kommt er wieder ganz groß raus.

Mit tiefem Bein und meist züchtigem Dekolleté ist der Schnitt zwar eher kon­servativ, doch ebenso wenig wie beim Stoff wird bei Farben und Mustern ge­geizt. Außer zu viel Schwarz ist alles er­laubt. Besonders angesagt sind Pastell-und Metallictöne. Streifen und Punkte sind bei der Vielfalt der Prints fast schon langweilig. Ethno-Muster, Blüten, Blatt­werk, Tiermotive oder fotorealistische Drucke versprechen für diesen Sommer ein besonders buntes Strandleben. Neckholder, flexible Butterfly-Träger, Rüschen, Raffungen, Reißverschlüsse und Gürtel machen die Modelle zusätz­lich anziehend. Minimalismus war ges­tern. Zumal auf den Laufstegen und bei den Hollywoodschönheiten schon seit einiger Zeit noble Blässe statt nahtloser Bräune zählt. Selbst die von der Fuß­ball-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr angetriebene „Brazil-Schnitt“-Wel­le ist am Abebben: Der Po bleibt wieder weitgehend verdeckt.

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Der Einteiler als Kleidungsstück, das nicht mehr nur notdürftig verhüllt, son­dern zeigt, was es in sich hat, ist so do­minant, dass sich ihm selbst sein ärgster Konkurrent annähert: Der Bikini ist in dieser Saison mit Pantys bis zur Taille und bustierförmigen Oberteilen sogar stoffreicher als das Urmodell, das seine Geburtshelferin Ursula Andress alias Honey Rider 1962 in „James Bond jagt Dr. No“ trug. Biedere Zeiten für Beachwear? Ein Rückfall in die Phase von Pumphosen im Matrosenlook ist nicht zu befürchten. Und dass viel Stoff auch viel hermacht, zeigen nicht zuletzt die Entwürfe von jungen deutschen Bade­modelabels wie etwa Mymarini oder 1979. Hinter Letzterem verbirgt sich al­lerdings keine für die Siebziger typische Häkel-Bikini-Kollektion. Gründerin Suzanna Kuhlemann lässt sich vielmehr vom Strandlook der Fünfziger- und Sechzigerjahre inspirieren.

Bereits 2011 ging die studierte Mo­dedesignerin in Berlin mit ihrer Marke für Damenbademode an den Start und setzte auf High-Waist-Höschen und Corsagestäbchen. „Ich wollte zeitlose Klassiker schaffen und die Eleganz von früher wiederbeleben“, sagt Kuhlemann. Ihre ersten Kreationen entwarf sie vor gut fünf Jahren bei einem länge­ren Aufenthalt auf Hawaii. Damals schneiderte sie Bikinis aus Secondhand-Aloha-Hemden. Mittlerweile ist sie auf Spandex-Stoffe umgestiegen, die sie aus Italien und Frankreich bezieht und in Deutschland verarbeiten lässt. Kuhlemann kombiniert Vintage-Elemente mit schnörkellosem Design und angesagten Farben. Als „ladylike“ bezeichnet die 39-Jährige ihre Modelle. Dass der Re­tro-Look derzeit in ist, freut sie. Doch grundsätzlich lasse sie sich nicht von Trends beeinflussen, betont die Berline­rin: „Ich würde meiner Devise immer treu bleiben, dass weniger Haut zeigen mehr ist. Meine Kundinnen sollen sich angezogen fühlen.“ Dass ein tiefes Bein und taillenhohe Pantys nicht jeder Figur schmeicheln könnten, lässt sie so nicht gelten. „Es kommt nicht auf die Konfek­tionsgröße an, sondern auf die Propor­tionen der Trägerin – und natürlich auf den Schnitt.“ Der könne durchaus eine Diät vor dem Urlaub überflüssig ma­chen, wenn er perfekt sei, sagt Kuhlemann.

Davon ist auch Mareen Burk über­zeugt. Die Hamburgerin ist passionierte Wassersportlerin. Doch ihre Freude am Surfen wurde oft getrübt, weil Badean­zug oder Bikini nicht ideal saßen oder langweilig aussahen. Nach einer mehr­monatigen Südamerika-Reise beschloss Burk, nie wieder kneifende Höschen oder labberige Einteiler zu tragen, und gründete ihr eigenes Bademodenlabel Mymarini. Im vergangenen Frühjahr begann sie mit dem Onlineverkauf. Mittlerweile liefert sie in alle Welt. „Ich wollte Bademode, die zwischen mäd­chenhaftem Sternchen-Bikini und da­menhaftem Goldverschluss angesiedelt ist. Sportlich-elegant und cool sollte sie sein“, erzählt Burk. Ihr Ziel hat sie er­reicht. Sechs Modelle in mehreren Farb­kombinationen zählen zu ihrer aktuel­len Kollektion, die sich vor allem durch puristische Schnittführung und kräftige Farben auszeichnet. Neckholder und Shorts oder Badeanzüge mit angeschnit­tenen Ärmeln sorgen für Raffinesse. Auf Details wie Körbchen oder Rüschen ver­zichtet Burk zugunsten von Funktionali­tät.

Dieser ist auch geschuldet, dass die Designerin den Stoff doppellagig verar­beitet. Das bannt die Gefahr des Verrut­schens und sorgt für einen zusätzlichen Shape-Effekt. Als Naturliebhaberin sei es ihr wichtig gewesen, Materialien ohne Schadstoffe zu verwenden, sagt Burk. Sie setzt auf Polyamid. Lange hat sie nach einer umweltfreundlichen Lö­sung für die Produktion gesucht und schließlich eine Ökostromfabrik in Ita­lien gefunden. Geschneidert wird aber in Deutschland. Die exzellente Qualität des Stoffes mache es möglich, nur für die drei Größen S, M, und L fertigen zu lassen. „Man zieht sich das Material da­hin, wo man es braucht. Der Stoff passt sich der Figur an“, erläutert Burk.

Einen Nachteil hat das Baden im Mehr allerdings: Mit dem Trocknen dauert es anschließend doch etwas län­ger. Besser, man hat noch ein Modell zum Wechseln parat.

Kerstin Hergt