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Lifestyle Understatement dog
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18:19 20.08.2015
Von Stefanie Gollasch
Deutschlands berühmtester Dackel: Waldi, Maskottchen der Olympischen Spiele in München 1972.
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Die sechsarmige Deckenleuchte sieht verdächtig nach Wohnzimmer aus – aber Getränk des Tages ist Rhabarber-Wodka: Kein Wunder, dass die Bar "Posh Teckel" (schicker Dackel) in Berlin-Neukölln vom Fleck weg Liebling der Hipster wurde. Namensgebend für die gekonnt trashige In-Location: Ella, die Hündin der Besitzerin, eine Dackeldame, die angeblich im ganzen Viertel bekannt ist wie – na klar, ein bunter Hund.

Ihr zu Ehren gibt es im "Posh Teckel" sogar Fritten in Dackelform. Passt zur Deckenleuchte, wird vom Berliner Publikum aber keineswegs als muffig empfunden, sondern als total trendy. Auch das Berliner Stadtmagazin "tip" hat einen Teckeltrend ausgemacht: Das "tierische Must-have" Mops werde in der Hauptstadt mehr und mehr abgelöst vom Dackel, haben die "tip"-Trendscouts festgestellt. 

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Alles für den Einen: Popsängerin Adele posierte mit Dackel Louie für das Magazin „Nylon“. Ihm zuliebe soll sie ein Haus gegenüber eines Parks gekauft haben. Quelle: dpa

Vorbei also die Zeiten, als das eigensinnige Krummbein nur Jägern und Hutträgern gefiel: Der "Dachshund", wie ihn sogar die Briten nennen, hat – mal wieder – klammheimlich das Feld von hinten aufgerollt. Oder besser gesagt von unten.

"2014 ist die Zahl der Welpen erstmals seit Jahren wieder angestiegen", sagt Jan Schürings, Geschäftsführer des Deutschen Teckelklubs. Vor allem jüngere Leute und Familien interessierten sich neuerdings wieder sehr für die Dachshunde. Da Dackel als kinderlieb und leicht integrierbar gelten, sind sie laut Schürings ein "super Familienhund".

Aber es gibt noch mehr Gründe, die den Teckel so unwiderstehlich machen:

  • Der Blick: Im Dackelgesicht scheint es ungefähr doppelt so viele Muskeln zu geben wie in anderen Hundegesichtern – wie sonst ließe sich die bühnenreife Mimik erklären, mit der Dackel jedes Frauchen oder Herrchen weichkochen?
  • Die Gesundheit: Seine für die Jagd gezüchteten Ahnen haben den Dackel zu einem unkomplizierten Hund werden lassen, den weder Kälte noch Schmerz allzu schnell beeindrucken. Ist er gut in Form, macht ihm auch Treppensteigen wenig aus.
  • Der Witz: Mit einem Dachshund wird es nie langweilig. Ob er heftige Kämpfe mit dem Gartenschlauch ausfechtet, bis zur Selbstaufgabe in Mäuselöchern buddelt oder den Befehl „Bleib!“ mit einem Sonnenbad in Rückenlage ausführt – es gibt immer was zu lachen. Manchmal sieht es fast aus, als lachte er mit.

Zum Statussymbol taugt der Größte unter den Kleinen auf den ersten Blick weniger – zumindest nicht im Sinne der Achtzigerjahre-Angebermentalität, die gebietet zu zeigen, was man hat. Eher schon, um zu zeigen, wer man ist. Oder wie. Keinesfalls großspurig, eher feingeistig, wie all die Künstler, Politiker, Kaiser und Könige, die auch schon unter sämtlichen Hunden ausgerechnet Dackel als Gefährten wählten.

Ob Napoleon Bonaparte oder König Henrik von Dänemark, ob Pablo Picasso oder Liam Gallagher, sie alle bewiesen Selbstironie und Understatement, indem sie ihr Herz an einen Dachshund oder gleich an mehrere verloren. Frei nach dem Motto: Ein wirklich großer Mann braucht keinen großen Hund, um sich bedeutsam zu fühlen. 

Wer sich für so einen krummbeinigen, dickköpfigen Individualisten entscheidet, zeigt damit vor allem, dass er selbst auch Individualist ist. Der sich um Trends nicht schert, sondern sie im Zweifel selbst setzt. Und der sich selbstbewusst mit einem Hund umgibt, dessen er nicht immer Herr werden kann, weil das Tier viel zu eigensinnig ist. Das erzeugt am oberen Ende der Leine eine gewisse Demut, und die lässt Dackelhalter um so vieles sympathischer wirken als großspurige Was-kostet-die-Welt-Typen.

Anders gesagt: Wer so lässig erträgt, dass sein Hund einen ganz eigenen Charakter hat, der ist vermutlich auch in anderen Lebensbereichen großzügig statt engstirnig. So gesehen ist ein Teckel durchaus ein Statussymbol, er signalisiert: Entdecke mich, finde heraus, wie ich’s meine, und nimm’s vor allem mit Humor. Eine Botschaft, die so viel anziehender ist als der Geruch nach sehr viel Geld.

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