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Lifestyle Die Lust an der Last
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20:00 24.06.2016
Lastenrad im Trend / Symbolbild
Praktische Alternative zum PKW, vor allem in der Stadt: Immer mehr Menschen steigen vom Auto auf das Lastenfahrrad um – und das nicht nur aus Kostengründen. Quelle: iStock
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Zuletzt hat der alte Mercedes monatelang ungenutzt am Straßenrand gestanden. Charlotte und Sebastian Krug wohnen mit ihren beiden Kindern, der Große vier, die Kleine ein Jahr alt, in Berlin-Neukölln. Kita und Einkaufsmöglichkeiten sind in Laufweite, die nächste U-Bahn-Station um die Ecke. Wozu dann noch ein Auto? "Wir fahren es so gut wie nie, es ist teuer. Also haben wir es Anfang des Jahres spontan verkauft", erzählt Charlotte Krug. "Und dann dachten wir uns: Wir haben Geld und so ein Lastenrad wäre doch praktisch."

Die Idee, Fahrräder als Transportmittel für schwere Ladung zu nutzen, ist alt. Schon Ende des 19. Jahrhunderts nutzten Boten das Rad, um ihre Lieferung zu transportieren. Die Deutschen haben das Lastenrad vor wenigen Jahren neu entdeckt. Fahrradkuriere und Lieferdienste sind mit Transporträdern unterwegs, ganze Kioske rollen auf Rädern, neuerdings kommen auch ADAC-Pannenhelfer zu Hilfe geradelt.

Keine Parkplatzprobleme

"Gerade im gewerblichen Bereich beobachten wir seit 2013 einen Trend hin zum Lastenfahrrad", bestätigt Anika Meenken vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Im Vergleich zum Pkw oder Transporter sei die Anschaffung eines Lastenrads günstiger, man komme schneller ans Ziel und brauche keinen Parkplatz. Und auch bei der Energiebilanz schneide das Lastenrad besser ab als der Kleinwagen: Nach Berechnungen des VCD spart das Transportfahrrad im Vergleich zum Pkw 800 Kilogramm Kohlenstoffdioxid pro Jahr, wenn es täglich 20 Kilometer bewegt wird.

Für die umweltbewussten Krugs ein Grund mehr, ganz aufs Rad umzusteigen. Die Auswahl an Modellen ist inzwischen groß. Soll es lieber das stabile, dafür behäbige Dreirad sein oder doch eher ein sportlich-schnittiges Zweirad? Werden die Kinder in Sitzen auf einem extralangen Gepäckträger transportiert oder fahren sie besser vorne in einer Kiste mit?

Gaya Schütze betreibt seit 30 Jahren den Fahrradladen Mehringhof in Berlin-Kreuzberg. Vor zehn Jahren bot sie zum ersten Mal Lastenräder an. "Im ersten Jahr haben wir genau ein Transportfahrrad verkauft", erinnert sie sich. Mittlerweile seien es etwa 100 pro Jahr. Familien mit Kindern gehören zur Hauptkundschaft. "Manche denken ökologisch, die meisten aber vor allem praktisch: Die sparen sich das Zweitauto oder haben überhaupt keins. Und dann hören sie in der Kita von Eltern mit Lastenrädern und wollen auch eins."

Kinder sind begeisterte Beifahrer

Den meisten empfiehlt Schütze die dreirädrige Variante. "Das ist praktischer im täglichen Leben. Man sitzt einfach drauf, muss kein Gleichgewicht halten." Gerade Müttern sei oft die Sicherheit wichtig und dass sie ihre Kinder gut im Blick hätten. Männer hingegen bevorzugten oft eine zügige Fahrweise und seien mit einem sportlichen Zweiradmodell besser bedient, rät die Fahrradexpertin.

Familie Krug kurvt seit gut drei Monaten mit einem dänischen Dreirad durch ihren Kiez. "Am Anfang war es schwierig", gibt die Mutter zu, "als würde man einen Kahn fahren." Doch mittlerweile ist das Gefährt fest in den Familienalltag integriert, etwa für den Einkauf um die Ecke oder einen Ausflug in den nahe gelegenen Park. Die Kinder sind zu begeisterten Beifahrern geworden: "Vorne sitzen, alles sehen, jede Bodenwelle spüren – das macht denen großen Spaß", meinen die lastenradbegeisterten Eltern. Und der alte Mercedes? Ist längst vergessen.

Von Alena Hecker

Für jeden das passende Lastenrad

Nihola Family

Das Modell "Family" des Herstellers hat drei Räder, fünf Gänge, eine Rücktrittbremse und eine Handbremse, die auf beide Vorderräder wirkt. Vorn befindet sich eine ovale Ladebox aus Metall und stabilem Kunststoff. Gurte für Kinder, eine Bank und eine Abdeckung sind zusätzlich erhältlich. Das Lastenrad fährt sich auch für Anfänger sehr leicht, anders als beim Christania ist die Ladebox nicht mit dem Lenker verbunden. Die drei Räder sorgen im Stand für gutes Gleichgewicht, bei scharfen Kurven kann das Nihola jedoch wie viele andere Dreiräder kippen. Für längere Touren ist das Rad zu schwer.

Fazit: Ähnlich wie das Christania eine gute Wahl für Anfänger, die das Lastenrad eher für kurze Strecken brauchen.

Gewicht: 32 kg
max. Zuladung: 100 kg
Größe des Fahrrads: 89 x 200 cm
Ladefläche: 62 x 88 cm
Preis: ca. 2500 Euro

Bakfiets Cargo L

Der niederländische Klassiker ("Bakfiets" bedeutet Lastenrad) hat sieben Gänge und zwei Handbremsen. Die Transportkiste aus Sperrholz befindet sich zwischen Lenker und Vorderrad, separat erhältlich sind Gurte für die Sitzbank und eine Abdeckung. Dank breiter Stützen bleibt das Fahrrad beim Beladen sicher stehen. Auch zum Aufsteigen muss das Rad gestützt werden, was bei schwerer Beladung gar nicht so einfach ist. Dafür kommt das Bakfiets beim Fahren gut in Schwung, auch beladen und bei hoher Geschwindigkeit fährt sich das Rad sicher und ist im Vergleich zu Dreiradmodellen leichter zu handhaben.

Fazit: Um mit dem Bakfiets loszukommen, braucht es etwas Übung. Danach lässt es sich aber einfach und schnell fahren.

Gewicht: 32 kg
max. Zuladung: 100 kg
Größe des Fahrrads: 63 x 260 cm
Ladefläche: 63 x 100 cm
Preis: ca. 1900 Euro

Yuba Mundo

Das "Mundo" der Firma Yubo ist ein Zweirad mit 24 Gängen und zwei Handbremsen. Auf den extralangen Gepäckträger passen Gepäckstücke oder auch zwei separat erhältliche Kindersitze, am seitlichen Stahlrohr des Fahrrads können Taschen und anderes Zubehör befestigt werden. Ein Fahrradständer sorgt dafür, dass das Rad beim Beladen stabil bleibt. Da es keine Transportkiste gibt, muss Gepäck in Taschen verstaut und festgebunden werden. Lange Objekte, etwa ein Surfbrett, können an der Seite befestigt werden. Das Fahren auf dem Yuba "Mundo" ist fast genauso einfach wie auf einem üblichen Fahrrad.

Fazit: Ein besonders leichtes und starkes Lastenrad. Empfehlenswert für alle, die auch schwer beladen weite Strecken fahren wollen.

Gewicht: 22 kg
max. Zuladung: 200 kg
Größe des Fahrrads: 70 x 210 cm
Ladefläche: 18 x 80 cm
Preis: ca. 1900 Euro

Xtracycle Free Radical

Xtracycles "Free Radical" ist eine Erweiterung für Mountainbikes. Zwischen Rahmen und Hinterrad montiert, verlängert es den hinteren Teil des Fahrrades. Die Ladefläche besteht aus einem großen Gestell aus Metall mit hochwertigem Stoffüberzug. Zusätzliche Taschen sind erhältlich, für einen Kindersitz ist dieses Lastenrad aber nicht geeignet. Wie bei Yubas "Mundo" muss die Fracht am Rad befestigt werden, zu hoch gestapeltes Gepäck beeinträchtigt die Stabilität beim Fahren. Das Rad fährt sich wie ein normales Mountainbike, mit schwerer Beladung ist es aber nicht mehr so einfach zu steuern und zu bewegen.

Fazit: Wer ein Mountainbike hat, kann es mit Xtracycles "Free Radical" günstig zu einem Lastenrad für leichtes Gepäck umbauen. Die Montage erfordert allerdings etwas Geschick.

Gewicht: 23 kg
max. Zuladung: 40 kg
Preis: ca. 500 Euro

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