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Lifestyle Die Schlank-Nudel
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20:18 18.03.2016
Von Sophie Hilgenstock
Hype um die weiße Wabbelpasta: Mit italienischen Penne oder Spaghetti haben Konjaknudeln nur die Form gemein. Quelle: SarahR / CC BY-NC-ND 2.0
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Mit der traditionellen italienischen Pasta hat die Konjaknudel nun wirklich gar nichts gemein. Im Gegenteil: Diese Pasta wirkt verhunzt. Glibberig, glasig und geschmacklos. Was neuerdings als Spaghetti oder Fettuccine angeboten wird, hat diese Namen eigentlich nicht verdient. Trotzdem erobert eine neue weiße Wabbelpasta die Nudelregale, begleitet vom Lobgesang diätbegeisterter Lifestylemagazine. Sogenannte Konjaknudeln sind plötzlich in fast aller Munde.

Der Grund dafür ist ein Versprechen: Die moderne Nudel, so sagen die Hersteller, mache satt und gleichzeitig schlank. "Während echte Spaghetti auftragen, lassen Konjaknudeln die Pfunde purzeln", sagt etwa Sonja Zuber von der Firma Duo Trade, die vor zwei Jahren die Diätpasta "Kajnok" auf den Markt brachte. Auch unter dem Namen "Rohnudeln", "Shirataki-Spaghetti" oder "Low-Carb-Pasta" findet man diese Art der Pasta inzwischen im Supermarkt.

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Selbst ernannte Wundernudel

Das angebliche Geheimnis der selbst ernannten Wundernudel basiert auf einer kleinen Knolle: Konjak. Die Wurzel des Aronstabgewächses Teufelszunge stammt ursprünglich aus Südostasien, wo sie bereits seit Jahrhunderten für ihre wohltuenden Kräfte bekannt ist. Konjak steckt voller Glucomannanen, sogenannter stärkeähnlicher Substanzen, die enorm sättigen und hydratisieren.

Das Erstaunlichste an der Knolle aber sei ihre Bindekraft, sagen Experten. Die Nudelhersteller etwa benötigen nur eine winzige Menge gemahlenen Konjaks um ihre Abnehmpasta anzurühren, denn das Wurzelmehl quillt stark auf. Die Zutatenliste besteht somit meist aus 97 Prozent Wasser, 2,7 Prozent Konjakmehl und Stabilisatoren.

Das Ergebnis ist dann auch folgerichtig eine kleisterartige Masse, aus der je nach Gusto Fettuccine, Penne oder Spaghetti geformt werden. Das nudelartige Erzeugnis bildet im Magen schließlich eine voluminöse, schwer verdauliche Masse und verursacht ein schnelles Sättigungsgefühl.

Nicht kochen, nur abspülen

Auch kochen müssen abnehmfreudige Kunden die Pasta nicht. Konjaknudeln werden meist in einer Kalziumhydroxidlösung eingelegt verkauft, sie sind von Haus aus al dente. Für ein "gründliches Abspülen unter warmem Wasser", wie in der Packungsanleitung empfohlen, sollte vor dem Verzehr allerdings Zeit sein. Von Genuss kann danach auch kaum die Rede sein: Konjaknudeln haben die Bissfestigkeit von zähen Tintenfischringen. Ihr Aroma wiederum ist gleich null.

Ernährungsphysiologisch dagegen böten die Konjaknudeln nur Vorzüge, heißt es. Die Pastakopie sei fettfrei, zuckerfrei, glutenfrei, vegan, koscher, halal, convenient und vor allem fast ohne Nährwert. Nur acht Kalorien stecken in hundert Gramm Slim-Spaghetti. Dass Übergewichtige mit den Nudelkreationen zu ihrem Traumgewicht gelangen, ist allerdings nicht bewiesen.

In Japan und China etwa, wo Konjak angebaut wird, gilt das Erzeugnis nicht als Diätprodukt: In der traditionellen asiatischen Küche wird die Wurzel lediglich zum Andicken von Speisen verwendet. Dort allerdings wird auch eindrücklich abgeraten, das Konjak-Mehl pur zu schlucken: Es droht Erstickungsgefahr.

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