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Lifestyle Eine sichere Bank
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20:00 29.04.2016
Von Heike Manssen
Jetzt auch im Wohnzimmer: Die Bierzeltgarnitur hat sich vom regional verwurzelten Saisonmöbel zum Liebling der Interior-Designer gemausert. Quelle: Remodelista
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Mit der klassischen Bierzeltgarnitur verhält es sich wie mit dem Propheten im eigenen Land: Das eher grobe Möbelensemble wird in der Fremde höher geschätzt als hierzulande. Designer und Einrichtungsblogs haben sich den deutschen Outdoor-Klassiker vorgenommen und ihn salonfähig gemacht. Sprich: Tisch und Bank dürfen ein Innenleben führen. Vorbei mit dem saisonal begrenzten Einsatz, dem tristen Fristen in der Garage zur Winterszeit.

Edel-Antiquitätenanbieter wie Omero oder Online-Stilplattformen wie Remodelista.com zeigen, wie sich drei schmale Holzbretter mit Gestell ganz natürlich in ein stylisches Interieur fügen. Freilich in geringfügig aufgemotzter Gestalt: Das Holz ist aufwändig gebeizt, womöglich mit Antikwachs behandelt, die Beine tragen einen frischen Anstrich. Eine derart auf Vordermann gebrachte Vintage-Bierzeltgarnitur kann so schnell einmal an die 1000 Euro kosten.

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Biermöbel im Museum

Anderswo mag man vielleicht denken, die Deutschen quetschen sich seit jeher auf die schmalen Holzbänke, wenn sie Lust auf ein Bier in geselligem Rahmen haben. Dabei erfand der schwäbische Unternehmer Rudolf Kurz Senior erst in den Fünfzigerjahren das patente Klappmöbelschloss, welches Gestell und Platte so stabil miteinander verbindet, dass es immer wieder Mühe macht, die Bank nach Gebrauch flachzulegen.

Bis heute werden in seiner Firma Ruku in Illertissen klassische Bierzeltgarnituren in diversen, auch edleren Varianten gefertigt. Einige der ersten Modelle des Unternehmens sind gar im Münchner Stadtmuseum ausgestellt.

Einladung zum Zusammenrücken

Es waren anfangs nicht die Bierzelte, die eine unkomplizierte Bestuhlung nötig hatten, sondern die vielen deutschen Weinfeste. Für sie mussten jedes Jahr aufs Neue umständlich Stühle und Tische angekarrt werden. Die Dreierkombo aus Holz erleichtert den Aufbau immens.

Und nicht nur das. Die nicht von Armlehnen und anderen Abgrenzern durchbrochene Bank lädt dazu ein, dichter zusammenzurücken. So werden Familienessen, Spieleabende oder Partys zu kommunikativen Zusammenkünften der eher lockeren Art.

Artverwandt mit dem deutschen Biertisch ist übrigens der "hopper table" (zu deutsch: Hopfentisch) der Firma Extremis. Der belgische Designer Dirk Wynants ließ sich mit dieser Sitzgruppe von Hopfenbauern und ihrer Lebenskultur beeinflussen. Doch anders als bei der deutschen Variante ist die Sitzbank fest mit dem Tisch zusammengeschweißt.

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