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Lifestyle Es gibt mehr Taschen-Geld
Mehr Lifestyle Es gibt mehr Taschen-Geld
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20:23 18.03.2016
Von bleibendem Wert: Wer in eine Birkin Bag von Hermès investiert, kann sich nicht nur über ein Taschenkunstwerk, sondern auch über einen hohen Wiederverkaufswert freuen. Quelle: Wen-Cheng Liu / CC BY-SA 2.0
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Im Geburtsland von Bausparvertrag und Sparschwein herrscht Anlagenotstand, wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" jüngst beklagte. Die Deutschen lassen mehrheitlich die Finger von Sachwerten und bringen ihr Geld aufs Sparbuch. Wer allerdings langfristig profitieren will, muss auch investieren.

Aktien, Wertpapiere, Versicherungen, Immobilien sind bewährte Möglichkeiten, doch sich darum zu kümmern wird Finanzexperten zufolge von vielen Privatanlegern eher als lästig empfunden. In jüngster Zeit macht die Möglichkeit einer Wertanlage von sich reden, die dem grauen Feld Wirtschaft und Finanzen eine Spur Glamour verleiht: Luxusfashion. Vor allem Taschen bringen Rendite.

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Insbesondere mit einer Birkin Bag hat man ausgesorgt: Nach einer Studie des amerikanischen Onlinehändlers "Baghunter" Anfang des Jahres ist die nach der Sechzigerjahre-Ikone Jane Birkin benannte Tasche aus dem Hause Hermès mittlerweile wertvoller als Gold und Aktien.

Wertvoller als Gold

Der reale Wert der Tasche nahm seit ihrer Markteinführung 1984 niemals ab, dagegen sind Gold und Aktien weniger immun gegen Marktunsicherheiten und Börsenturbulenzen, was sich negativ auf die Rendite auswirkt: Während der Aktienindex zwischen 1980 und 2015 einen Mittelwert von 8,7 Prozent abwarf und Gold sogar 1,5 Prozent verlor, lag die Rendite für die Birkin Bag bei mehr als 14 Prozent.

Wer sich heute also das preisgünstigste Modell für etwa ­8000 Euro leistet, kann in zehn Jahren mit einem Wiederverkaufswert rechnen, der doppelt so hoch ist. Im Zweifel bringt das Luxusaccessoire sogar noch mehr ein. Vor allem, wenn es mit Extras ausgestattet ist.

So wurde im vergangenen Sommer eine Sonderanfertigung für umgerechnet 205 000 Euro in Hongkong versteigert. Bisher gilt diese aus fuchsiafarbenem Krokodilleder und mit Beschlägen aus 18-karätigem Weißgold sowie mit eingelassenen Diamanten gefertigte "Diamond Bag" als teuerste Tasche der Welt. Zuvor war ebenfalls eine Birkin Bag Rekordhalter.

Die teuerste Tasche der Welt: Eine Sonderanfertigung der Birkin Bag aus fuchsiafarbenem Krokodilleder, Weißgold und Diamanten wurde für umgerechnet 205 000 Euro versteigert. Quelle: Christie's / dpa

Statussymbol, Wertanlage, Sammlerstück, modisches Must-have  – die Birkin Bag weckt Begehrlichkeiten wie keine zweite Tasche. Nicht nur wegen ihres zeitlosen und edlen Designs, sondern vor allem wegen der Verknappungsstrategie des Herstellers.

Einfach in die nächste Hermès-Boutique zu marschieren, um in einen trapezförmigen Traum mit zwei Henkeln als Altersvorsorge zu investieren, ist selbst für Stars oder Royals ein schwieriges Unterfangen: Wer nach der Birkin Bag fragt, wird nachsichtig lächelnd um Geduld gebeten. Die Tasche ist schließlich nicht von der Stange und Zeitloses braucht seine Zeit.

20 Arbeitsstunden nimmt die Herstellung eines Modells im Atelier in Anspruch. Und so gibt es eine Warteliste für die Warteliste. Bis man dann ein Stück handgefertigtes Kalbs-, Krokodil- oder Eidechsenleder aus dem Hause Hermès sein eigen nennen kann, dauert es schon mal drei bis sechs Jahre. Schneller geht’s dann tatsächlich nur im Auktionshaus, wo neben Möbeln, Kunst und Schmuck immer häufiger Mode unter den Hammer kommt.

"Sammelwürdige Kunst"

Für Franz Eppli, Chef des Stuttgarter Auktionshauses Eppli, hat Luxusfashion als Wertanlage "enormes Potenzial". Ein Tuch von Hermès beispielsweise sei für ihn aufgrund des außergewöhnlichen Designs, der anspruchsvollen handwerklichen Verarbeitung und der begrenzten Stückzahl "sammelwürdige Kunst". Vor 15 Jahren hat der Auktionator und Sachverständige für Uhren und Schmuck im Zusammenhang mit einer Villenauflösung erstmals Luxusmode und Accessoires versteigert.

Zufall sei es gewesen, doch vor allem die "Euphorie der Kundinnen" habe ihn davon überzeugt, regelmäßig Fashion-Auktionen anzubieten. "Besonders beliebt sind Taschen und Accessoires von Louis Vuitton, Chanel und Hermès", berichtet Eppli, bei dem in Sachen Mode vor allem Gebote aus Paris, London, Asien und den USA eingehen. Dagegen sei das Geschäft mit Bekleidung und Schuhen nicht zuletzt wegen der Konfektionsgrößen schwieriger. Auch sehe man bei Kleidern weniger über den Abnutzungsgrad hinweg als bei Taschen.

Je limitierter, desto begehrter: Auch Chanel soll die künstliche Verknappung seiner Taschenklassiker erwägen. Quelle: Maegan Tintari / CC BY 2.0

Dennoch gilt für ihn auch in Bezug auf Luxusmode derselbe Grundsatz wie für Schmuck oder Gemälde: "Die Stücke sollten nicht ihr Dasein im Tresor fristen. Sie sollten vielmehr gezeigt beziehungsweise getragen werden. Nur so kann der immaterielle Wert der Anlage auch realisiert werden." Der Hype um die Hermès-Modelle hat mittlerweile auch Stuttgart erreicht: Vor wenigen Wochen bekam bei Eppli ein anonymer Bieter den Zuschlag für eine Kelly Bag, nachdem er 24 000 Euro geboten hatte.

Bald schon könnte Hermès jedoch der Rang abgelaufen werden, denn Chanel hat im vergangenen Jahr die Preise für die Taschenmodelle Timeless Classic und Boy Bag um rund 20 Prozent erhöht. Außerdem halten sich in der Modebranche hartnäckig Gerüchte, dass es auch die It-Bags von Chanel bald nur noch in limitierter Auflage geben soll. Bliebe immerhin viel Zeit zum Sparen.

Von Kerstin Hergt

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