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22:34 08.04.2016
Von Dany Schrader
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Recycelte Jeans, Paillettenkleider und das gelbe T-Shirt mit dem roten DHL-Print, das seit Wochen immer mal wieder in den Twitter-Trends landet: Gegründet im Jahr 2014 hat sich das Label Vetements innerhalb kürzester Zeit in den Mittelpunkt des Geschehens der Modemetropole Paris katapultiert. Und das mit Kollektionen, die aussehen, als kämen sie direkt von der Straße oder gar aus einem Secondhandladen, der seit den Siebzigerjahren nicht mehr gelüftet wurde.

Die Mode, die das Designkollektiv entwirft und trotz der teils billigen Stoffe zu Spitzenpreisen verkauft, wird als lässig bis schmutzig beschrieben. Alles trifft zu. Die französische "Vogue" feierte das Label als "die Stimme der Pariser Jugend". Modekritiker Alexander Fury bezeichnete das Designkollektiv als "das Radikalste, was innerhalb der letzten Dekade in Paris passierte".

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Einfaches, neu gedacht

Der Vergleich mit dem öffentlichkeitsscheuen Martin Margiela lag nahe. Dass monatelang nicht klar war, welcher Designer nun eigentlich hinter dem Label steht, hat die Begeisterung möglicherweise noch befeuert. Mittlerweile steht fest, dass die Brüder Demna Gvasalia – nun auch zusätzlich Chefdesigner bei Balenciaga – und Guram Gvasalia zu den Gründern des angeblich streng demokratisch geführten Designkollektivs zählen. Die kreativen Köpfe von Vetements sollen zudem allesamt an der renommierten Königlichen Akademie der Schönen Künste in Antwerpen studiert haben.

Doch warum nur diese überschwängliche Begeisterung? Das in Paris ansässige Label macht zumindest eine Sache richtig, die in einer Branche, in der möglichst magere Models wie Kleiderständer behandelt werden, längst aus den Augen verloren wurde. Das Kollektiv macht Mode zum Anziehen. Es präsentiert Einfaches, neu gedacht.

Das bedeutet: Blümchenkleider, in denen sich auch Frauen abseits einer Size Zero schön und anmutig fühlen können, Ledermäntel, die bei Wind und Wetter locker den Körper umspielen und dabei noch den elegant-provokanten Charme der Siebzigerjahre in sich tragen, oder aber  schlabberig-verdrehte Kapuzenpullis.

Händler müssen ihre Kunden vertrösten

Nach dem Debüt in der Saison Herbst/Winter 2014/2015 orderten angeblich bereits bis zu 30 Händler Ware. Mittlerweile sind es längst mehr als 100. Auf Designermode spezialisierte Online-Shops wie Mytheresa.com müssen bei auffällig vielen Vetements-Stücken ihr Bedauern gegenüber den Kunden zum Ausdruck bringen: "Leider ausverkauft."

Und das Modekollektiv? Macht weiter – und inspiriert möglicherweise auch die Kollegen zu Ausbrüchen aus der Sprache des hohen Designs. Oder ist es Zufall, dass nun auch Stella McCartney ihre Models in übergroßen Daunenjacken über den Laufsteg schickte?

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