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Lifestyle V wie Verführung
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20:15 28.08.2015
Von Christiane Eickmann
Hollywood-Stars wie Anne Hathaway, Jennifer Aniston und Kim Kardashian (v.l.n.r.) zeigen gern Dekolleté. Quelle: dpa
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Je kürzer der Rock, desto besser die Konjunktur: Der "Rocksaum-Index" ist bald hundert Jahre alt, zigfach widerlegt und wird dennoch immer wieder bemüht. Erfunden hat ihn der US-Wirtschaftswissenschaftler George Taylor im Jahr 1926. Er hatte beobachtet: In Boom-Zeiten kauften Frauen kürzere Röcke, um ihre teuren Seidenstrümpfe zu zeigen, und in Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs versteckten sie ihre bloßen Beine unter langen Röcken.

Was aber sagt wohl die jeweilige Tiefe des Ausschnitts über Stand, Verfassung und Werte unserer Gesellschaft aus? In diesem Jahr jedenfalls ist aus der Abendgarderobe von Stars und Sternchen der ultratiefe V-Ausschnitt, der in vielen Fällen beinahe bis zum Bauchnabel reicht, nicht wegzudenken. Ob bei Preisverleihungen, beim Eurovision Song Contest oder diversen Filmpremieren: Die Dekolletés sind tief. Und tiefer.

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Im Fall von US-Realitysoap-Star Kim Kardashian und Dauer-Pop-Pflegefall Britney Spears ist das freilich nicht die Ausnahme eines Trends, sondern der Normalfall beziehungsweise Unfall. Denn wer nicht wirklich mit Talent gesegnet ist – sei es als Model, Sängerin oder Schauspielerin – kleidet sich traditionell gern freizügig, schon allein wegen der medialen Aufmerksamkeit. Hinzu kommt, dass durchaus talentierte Musikerinnen wie Rihanna oder Nicki Minaj den sogenannten "Porno Chic" der Siebzigerjahre wieder salonfähig gemacht haben.

Ein Stil, der zur allgemeinen Pornografisierung des Alltags – in dem schon Jugendliche Sexfilmchen auf dem Smartphone schauen, ehemaligen Pornostars der Sprung in die Feuilletons gelingt und Bücher wie "Fifty Shades of Grey" die Bestsellerlisten stürmen – passt.

Tiefer Ausschnitt als Statement

Nun könnte man sich angeekelt abwenden und die negativen Auswüchse auf die allgemeine Wahrnehmung moderner Frauen beklagen. Doch ist die Betonung einer schönen Figur, ein tiefes Dekolleté und das verführerische Zurschaustellen nackter Haut auch ein Ausdruck weiblichen Selbstbewusstseins. Der V-Ausschnitt, der sich übrigens auch bei Männern wieder größerer Beliebtheit erfreut, steht bei Sporttrikots häufig für "Victory", also "Sieg". Dies ist wohl eine mögliche Erklärung, warum auch wenig boulevardgeneigte Prominente wie Jennifer Aniston, Claire Danes, Jennifer Lawrence oder Anne Hathaway tief ausgeschnitten auftreten.

Von Experten empfohlen wird ein tiefes Dekolleté im Übrigen für Menschen mit kurzen Hälsen oder breiten Schultern. Schmale, tiefe V-Ausschnitte, aber auch Tunika-, Schlitz- und Schlüsselloch-Ausschnitte sowie weit aufgeknöpfte Hemdblusen betonen die vertikale Linie des Oberkörpers und lassen die Figur dadurch schlanker erscheinen. Und: Geeignet ist der tiefe Ausschnitt sowohl für kleine als auch große Busen – wie wunderbar.

Wem der Trend trotz aller Vorzüge allzu freizügig ist, der kann beruhigt sein. Denn den Gegentrend gibt es längst: Der Kragen ist wieder da. Als Bubikragen, gerüscht, im viktorianischen Stil und mit Schluppe war er kürzlich auf den internationalen Laufstegen zu sehen. Und die Röcke? Die werden auch wieder länger.

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