Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Lifestyle Der Trend geht zum eigenen Huhn
Mehr Lifestyle Der Trend geht zum eigenen Huhn
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:55 21.08.2015
Von Sophie Hilgenstock
Immer beliebter: Eier aus der eigenen Hühnerhaltung Quelle: Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild
Anzeige

Die Italienerinnen sind die schönsten. "Sie sind groß und golden und können wunderbar wohlig gurren", schwärmt mein Freund Caspar. "Anfangs wollte ich immer nur Italienerinnen." Inzwischen sei er nicht mehr so ein Rassefetischist. Jetzt schleppe er schon mal weiße Grünleger, französische Marans oder deutsche Sperber mit nach Haus. "Das macht den Hühnerhof bunter und die Eier auch", findet Caspar.

Mein Freund Caspar ist Hühnerhalter und liegt damit im Trend. Denn Hühner zu halten, ist das neue Imkern, das meint offenbar auch halb Hollywood. Bei Gisele Bündchen, Reese Witherspoon, Liz Hurley oder Julia Roberts gackern hinter den Villen die in Mode gekommenen Mistkratzer im Garten. Jennifer Aniston und Ehemann Justin Theroux haben ganze 17 Stück, denen sie Spaghetti kochen oder Namen wie "Jen" und "Justin" geben.

Anzeige

Beliebte Haustiere

Tori Spelling, bekannt durch die Serie "Beverly Hills, 90210", lässt ihr Herz einzig für "Coco Chanel" schlagen. Die schneeweiße Silkie Bantam-Henne, die aussieht "wie ein Chihuahua-Hündchen, das im Körper eines Huhns geboren wurde" ("Süddeutsche Zeitung"), schläft im Hundekorb vorm Ehebett, trägt Maßgeschneidertes mit Perlenkette und kackt bei öffentlichen Auftritten auf den roten Teppich.

Verhätschelte Schoßhühnchen? So etwas gibt es bei Barbra Streisand nicht. Hollywoods Hühnerbaronin züchtet im großen Stil Grünleger – eine alte Hühnerrasse, die, man ahnt es, grüne Eier legt. Genauer gesagt seladongrüne. Die Eier – ob bunt, braun oder gesprenkelt – sind im Übrigen der Grund für das Federviehfaible von Stars und Städtern. Pohlmann, Wiesenhof, Lohmann. Gequälte Legehennen, verseuchte Eier, aufgespritztes Fleisch: Angesichts der vielen Skandale scheint der vorbehaltlose Genuss von Geflügel schließlich kaum noch möglich.

Saubere Sache

"Ich schmecke zwar keinen großen Unterschied zwischen den gekauften und den selbst gelegten Eiern, aber die eigenen geben mir ein besseres Gefühl", sagt auch Caspar. Mehrmals am Tag besucht er seine Hühner. "Ich freue mich, sie freuen sich, denn ich erkaufe mir ihre Freude stets mit einer Handvoll Korn." Neben der Garage hat er den Italienerinnen einen eigenen Palazzo gebaut. Erst mit niedriger Mauer, dann mit höherer, schließlich mit Netz über dem Gehege und nächtlich geschlossener Tür. Auf dem Land beweisen Fuchs, Habicht oder Hund sonst gern, dass der Weg in den Hühnerhimmel nur wenige Sekunden dauern kann.

Als "Urban Farmer", der sein Federvieh auf Balkon oder Terrasse hochpäppelt, wähnt man seine "Feinde" eher in Hausgenossen und Gesetzeshütern. Nicht nur Impf- und Meldepflichten werden streng überwacht, auch bau- und tierschutzrechtliche Vorgaben. Aber sobald ein lärmgeschädigter Nachbar die Worte "Toleranzschwelle", "Krähpause" und "schalldichtes Gehege" benutzt, kann man sich vom sonntäglichen Ei aus eigener Haltung quasi verabschieden. Selbst 3000 Euro teure Designerställe mit "Egg Lounge", Spielplatz und Solardach nutzen da wenig.

Bleibt die Sache mit dem Suppentopf. Die meisten Stadt- und Schmusehühner bekommen Namen und sind wohl davor gefeit. Auch Caspar möchte zumindest seinen Hahn behalten. Es ist ein hübscher Gockel, Italiener natürlich, mit Namen Silvio. Und die Hennen? Heißen Ruby, alle.

Lifestyle Dackel als Trendaccessoire - Understatement dog
Stefanie Gollasch 20.08.2015
Lifestyle Beilage für Fisch und Fleisch - Beeren sind mehr als nur Dekoration
Sophie Hilgenstock 20.08.2015
Lifestyle Geschmackssache: Sauvignon blanc - In fünf Weinen um die Welt
14.08.2015