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20:01 03.06.2016
Weiße Jeans, Bermudashorts und die neue Schulterfreiheit: Die Sommermode 2016 ist so schick wie tragbar – hält aber auch einige Fallen bereit. Quelle: RND
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Klassische Weißheit

Wer als Frau auf einer Grillparty gegen das Reinheitsgebot verstößt, kann gleich wieder nach Hause gehen. Will heißen: Weiße Jeans zählen mittlerweile nicht nur auf Sylt zum sommerlichen Dresscode. Blöd nur, wenn man mit Ketchup oder Rotwein plempert. Weiße Jeans symbolisieren zwar laissez-faire, doch in Wirklichkeit gelten für sie strenge Regeln.

Ein winziger Fleck reicht, um das Image der properen Nagelstudiostammkundin mit den akribisch glatt gebügelten Haaren und Klamotten zu beschädigen. So sexy und unschuldig zugleich weiße Jeans wirken können, so schnell ist es mit ihrer Strahlkraft als Lolita-Outfit doch vorbei, wenn drüber oder auch drunter etwas das saubere Antlitz stört.

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Wer weiße Jeans trägt, will auffallen, aber eben nicht im negativen Sinne. Das wiederum ist gar nicht so einfach. "Weißer Denim ist meist dünner und gibt daher gnadenlos alles preis", warnte Jonny Johannson, Röhrenjeansexperte, Chefdesigner und Mitbegründer des skandinavischen Labels Acne, vor einiger Zeit.

Vorsicht vor Flecken und unvorteilhaften Schnitten: Weiße Jeans verzeihen keinen Makel. Quelle: Chambray and Curls / CC BY-ND 2.0

Nicht nur Flecken kommen also schnell zutage. Weiß trägt zudem auf, weil es das Licht nicht schluckt, sondern reflektiert. Wer etwas fülliger ist, sollte daher auf die Skinny-Variante verzichten, ebenso wie auf zeltartige Modelle und stattdessen auf Boyfriend- oder Marlenehosen setzen. Beim Material ist zu bedenken, dass zu leichte, zu dicke oder zu steife Stoffe Problemzonen noch hervorheben, anstatt sie zu kaschieren.

Die ersten weißen Jeans brachte Levi's in den Sechzigern mit einer Five-Pocket-Hose aus Twill in einem hellen Sandton auf den Markt. Heute setzt man bei den Jeanspionieren auf "Snow Wash" und hohen Stretchanteil. Brigitte Bardot trug das Urmodell seinerzeit mit Ringelshirt. Das ist immerhin auch heute noch eine gelungene Kombination zu weißen Jeans. Denn diese ist so präsent, dass sie in der Regel keinen zweiten Eyecatcher verträgt.

T-Shirts in Knallfarben oder auch wild gemusterte Tuniken verstoßen also ebenfalls gegen das Reinheitsgebot. Apropos rein: Damit die Jeans auch jungfräulich weiß bleibt, gibt es nach Ansicht von Stardesigner Hedi Slimane, der zuletzt für Yves Saint Laurent entwarf, nur eine Lösung: "Einmal tragen und dann nie wieder." 

Neue Geradlinigkeit

Hillary Clinton machte bereits 1993 beim ersten Staatsdinner ihres Mannes im Weißen Haus Furore mit einem sogenannten Cold-Shoulder-Dress von Donna Karan, das Hals und Ärmel bedeckte, aber die Schultern hervorblitzen ließ. Sollte sie demnächst wieder in die Präsidentenresidenz einziehen, könnte sie es erneut tragen oder sich aus der aktuellen Kollektion von Karan bedienen – und sich darin nicht nur als mächtigste Frau der USA, sondern auch als Stilikone feiern lassen.

Erstens, weil schulterfreie Kleider und Oberteile derzeit als Modehighlight schlechthin gelten. Zweitens, weil das Could-Shoulder-Dress wie kein zweites Kleid kühle Eleganz mit aufregender Extravaganz verbindet. Und drittens, weil man es auch mit über sechzig noch tragen kann. Das wahrhaft Zauberhafte am Off-Shoulder-Look ist nämlich, dass er genau den Körperteil betont, der im Vergleich zu den meisten anderen Partien eher langsam altert.

Schöne, kalte Schulter: Ein Cold-Shoulder-Dress (hier von Donna Karan) schmeichelt jeder Figur. Einzig BH-Träger ruinieren den Look und dürfen nicht zu sehen sein. Quelle: Donna Karan

Das grundsätzlich gnädig von Falten und Cellulite verschonte, kugelige Gelenk macht viel her, wenn es mit Carmenblusen, asymmetrischen Oberteilen oder geschlitzten Ärmeln zur Geltung gebracht wird. Die Wirkung wussten schon die Damen des Spätrokoko zu schätzen, die auch bis ins hohe Alter noch schulterfreie Ballroben trugen.

Was damals das Korsett besorgte, muss allerdings heute über Bauch- und Rückenmuskulatur reguliert werden: eine gerade Haltung. Um schulterfrei durch den Sommer zu schweben, braucht es ein bisschen Ballettstangenattitüde: Kinn recken, Brust raus, Rücken durchdrücken und Schultern zurück.

Wer seine Schultern unbedeckt zeigt, wirkt nicht abweisend, sondern anziehend, sind sie doch "die einzige Stelle, die bei jedem weiblichen Körper perfekt ist", wie Donna Karan sagt. Schade nur, wenn der Anblick mit vermeintlich durchsichtigen BH-Plastikträgern verhunzt wird.  Neben aufrechter Haltung ist ein "Strapless"-Modell also unerlässlich für den Off-Shoulder-Look. 

Angesagtes Mittelmaß

Shorts waren einst als unkompliziertes Kleidungsstück gedacht. Britische Soldaten, die Ende des 19. Jahrhunderts auf den Bermudas stationiert waren, schnitten ihre Kakihosen einfach über dem Knie ab, um die Kluft tropentauglicher zu machen. Die Royal Navy schneiderte von da an Bermudashorts für den Einsatz in heißen Gebieten.

In den Fünfzigerjahren eroberten die Modelle als "Strandhosen" erstmals auch zivile Kleiderschränke. In den Siebzigerjahren wurde wieder zur Schere gegriffen: Hippiemädchen machten aus ihren Jeans ultrakurze Hotpants – teils aus Bequemlichkeit, teils aus Provokation.

Wer heute Shorts will oder haben muss, weil die Bekleidungsindustrie vorgibt, dass die kurzen Hosen ein "Must-have" sind, hat viel zu beachten: Neben Länge, Form und Farbe gilt es auch, sich Gedanken über das passende Schuhwerk sowie Oberteile und das Tragen von Strümpfen oder gar Strumpfhosen zu machen. Unkompliziert war gestern.

Lieber länger: Statt meist wenig vorteilhafter, ultrakurzer Shorts sind in diesem Sommer Edel-Bermudas angesagt. No-Go: Die Kombination mit Polohemd und Slippern. Quelle: Tommy Ton

Die deutsche Ausgabe des Modemagazins "Harper's Bazaar" riet seinen Leserinnen unlängst, auch bei kühler Witterung nicht auf Shorts als "Trend-Piece" zu verzichten und sie gegebenenfalls auch mit "Socken in Sandalen" zu kombinieren. Diverse Modeblogs verweisen auf hautfarbene Strümpfe, um die Beine "formschön" erscheinen zu lassen. Shorts um jeden Preis – muss das sein?

Fakt ist, es gibt für diesen Sommer eine große Auswahl an kurzen Hosen, die sich als Alternative zum Minirock verstehen. Vor allem Bermudas sind angesagt: Mit einer Handbreit über dem Knie endend, weit geschnittenen Beinen und in seidigen Materialien ist das ein oder andere Modell in Kombination mit hohen Schuhen sogar bürotauglich an heißen Tagen. Der High-Waist-Trend sorgt zudem für eine schmale Taille.

Mit ihrer unentschlossenen Länge sind Bermudas letztlich einsatzfähiger und tragbarer als ultrakurze Denim Shorts. Es lebe das Mittelmaß. Doch das Bermuda-Revival birgt auch ein nicht unbeträchtliches Modesündenrisiko: Um eine Rückkehr zum Popper-Style der Neunziger kategorisch auszuschließen, sollten eher klassisch geschnittene Modelle in Farben wie Marineblau oder Kaki keinesfalls mit Poloshirts oder Loafern kombiniert werden, sondern eher mit lässigen Hemdblusen, auffälligen Tops und Espandrilles mit Plateausohle.

Von Kerstin Hergt

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