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20:44 04.03.2016
Von Daniel Behrendt
Trendgetränk aus einfachsten Zutaten: Der Switchel besteht aus Wasser, Apfelessig und Ingwer. Quelle: Alex Lau
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Was sich gesundheitsbewusste Menschen nicht alles einflößen. In den frühen Achtzigerjahren etwa waren Molke-Kuren beliebt. Die bei der Käseherstellung anfallende Restflüssigkeit, so hieß es, mache eine schöne Haut. Wenig später brach die Ära des sogenannten Brottrunks an, eines undefinierbar schmeckenden Gärungsprodukts, das entsteht, wenn Brot mit Wasser getränkt und sechs Monate lang sich selbst überlassen wird.

In den Neunzigern erfrischten sich Wellnessjünger mit Kombucha, einem Teegetränk, das mit unterschiedlichen Hefepilzen versetzt wird. Seither flossen Kefir, Sauerkrautsaft, Pu-Erh-Tee sowie manch andere Flüssigkeit gesundheitsbewusste Kehlen hinab.

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Erfrischende Essiglimonade

In den USA sprudelt neuerdings vor allem Apfelessig aus dem Gesundbrunnen. Freilich nicht pur, sondern mit so viel Wasser gestreckt und derart abgeschmeckt, dass die saure Substanz auch ohne saure Miene genießbar ist.

Switchel, bisweilen auch Swizzle oder Switchy, wird die erfrischende Essiglimonade genannt, deren Grundrezept bemerkenswert einfach ist: Auf einen Liter Wasser werden acht Teelöffel Apfelessig und ein etwa daumenkuppengroßes, fein geriebenes Stück Ingwer gegeben. Eine Stunde im Kühlschrank ziehen lassen und durch ein Sieb gießen, fertig ist der Durstlöscher, der noch mit einer Spur Honig oder Ahornsirup verfeinert werden kann.

Obgleich sich der Essigdrink mit minimalem zeitlichem und ökonomischem Aufwand selbst machen lässt, brummt das Geschäft mit Fertig-Switchels. Der Marktführer, das 2012 gegründete Unternehmen Up Mountain Switchel, führt  eine breite Produktpalette, darunter auch Switchels in ausgefallenen Geschmacksrichtungen wie Mate oder Cayennepfeffer.

Vom Hausmittel zum Modegetränk

Abgefüllt ist die leicht trübe, goldbraune Flüssigkeit nicht, wie bei Getränken naheliegend, in Flaschen, sondern in Gläsern, was fast unweigerlich an Geflügelfond denken lässt. Die Zutatenliste weicht kaum von der schlichten Do-it-yourself-Rezeptur ab, der Preis für das aus dem malerischen Vermont stammende Modegetränk dagegen erheblich: Stolze 40 US-Dollar (36 Euro) werden für sechs Zwölf-Unzen-Gläser (jeweils etwa 0,3 Liter) fällig. Für stark verdünnten Apfelessig wohlgemerkt, dessen gesundheitlicher Wert nicht nachgewiesen ist.

Zudem: Wirklich neu ist der Switchel nicht. Schon in den Fünfzigerjahren nahm der ebenfalls im Bundesstaat Vermont ansässige Landarzt DeForest Clinton Jarvis das Erfrischungsgetränk in sein Buch über volksmedizinische Hausmittel auf. Der Switchel war schon zu jener Zeit beliebt in Vermont, und Jarvis meinte, beobachtet zu haben, dass regelmäßiger Apfelessigkonsum schlank mache.

Seither wird dem Apfelessig vor allem in der Naturmedizin eine den Stoffwechsel und die Verdauung anregende Wirkung unterstellt, was ihn zu einem beliebten Diätbegleiter macht. Im Übermaß genossen kann Essig allerdings Sodbrennen hervorrufen. Dann macht sauer nicht lustig, sondern tatsächlich sauer.

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